Augen auf beim Martinigansl-Kauf

Wenn Sankt Martin gefeiert wird, beginnt die kulinarische Winterzeit. Traditionell wird um den 11. November herum knuspriger Gänsebraten serviert. Aber was sag ich denn: schon Anfang Oktober dreht sich alles um den Gänsebraten – von der Storchenstadt Rust! bis nach Bad Tatzmannsdorf  geht es um „Gans Burgenland.“ Aber nicht jeder Gänsebraten, der am Teller landet, stammt aus einer artgerechten Tierhaltung. Daher ist beim Gänse einkaufen Vorsicht angebracht! Die heimische Produktion deckt nur ein Viertel des benötigten Gänsefleisches ab.

Im Burgenland vermarkten die Weidegänsebauern rund um Martini knappe 4500 Weidegänse. Gezielte Werbekampagnen um die Gans sorgen für volle Restaurants und Wirtshäuser. Da reicht die heimische Produktion kaum aus. So kommt der notwendige Rest aus dem Ausland – aus Ungarn, Polen und China. In Österreich sind zwar die tierquälerischen Praktiken Stopfmast und Lebendrupf verboten, das Fleisch darf aber sehr wohl importiert und verkauft werden.

Sie sollten beim Kauf auf das Label „Österreichische Weidegans“ achten.

Das garantiert, dass es sich um österreichische Tiere handelt, die nicht gestopft und gerupft wurden. Im Burgenland hebt sich besonders der Verein „Südburgenländische Weidegans“ hervor.

„Wir verstehen uns als sehr offener Verein, jeder der unsere Bedingungen erfüllen kann ist willkommen. Daher schwanken unsere produzierenden Bauern von Jahr zu Jahr. Wie viele Gänse aufgezogen werden, hängt in erster Linie von der zur Verfügung stehenden Weidefläche ab“, sagt Siegfried Marth, der Obmann des Vereines.

Auf Nummer sicher gehen

„Mithilfe der so genannten EWG-Nummer des Produkts, kann man ganz einfach abgleichen, ob das Fleisch von einem Betrieb stammt, der auf unserer Positivliste steht“, erklärt Irina Fronescu von „Vier Pfoten“. „Firmen können nur dann auf dieser Liste eingetragen werden, wenn sie nachweisbar auf Stopfleberproduktion und den Lebendrupf sowie auch auf Käfighaltung verzichten. Zudem haben alle aufgelisteten Unternehmen umfangreichen, unangemeldeten und unabhängigen Kontrollen zugestimmt“.

Österreichische Handelsketten verwenden großteils  Positivliste

Was Tiefkühlware betrifft, orientieren sich die meisten Handelsketten in Österreich beim Einkauf der Gänse und Gänseteile ebenfalls an der „Vier Pfoten“- Positivliste. „Allerdings gibt es noch immer Geschäfte, in denen ebenso Ware angeboten wird, die nicht von Herstellern der Positivliste stammt. Daher empfiehlt es sich, die EWG-Nummer wirklich genau zu kontrollieren“, erklärt Fronescu.

Vorsicht ist ebenso auf Märkten und in Fleischereifachgeschäften angebracht: Wer denkt, hier kommen die Enten und Gänse nur aus Österreich, irrt sich gewaltig. Auch hier wird unverpacktes, frisches Geflügel aus Zwangsernährung oder Lebendrupf verkauft.

Fragen Sie nach der Herkunft und lassen Sie sich die Verpackungen oder Lieferscheine zeigen, um die EWG-Nummer zu überprüfen. „In der Vergangenheit wurde öfters minderes Stopffleisch aus Ungarn als österreichisches Qualitätsprodukt angepriesen „, beschwert sich Fronescu.

Ein weiterer guter Tipp: 

Schauen Sie sich das Fleisch genau an! Sind graue Federkiele auf dem Fleisch zu sehen, gilt Vorsicht. Verdächtig ist auch Fleisch mit sichtbar hohem Fettgehalt. Bei Produkten aus der Zwangsernährung ist der Fettanteil bis zu drei Mal höher als in der regulären Mast. Besondere Vorsicht ist laut Fronescu auch beim Kauf von Gänseteilen ohne Innereien geboten: „Fehlt die Leber bereits, ist nicht auszuschließen, dass diese als sogenannte Foie Gras ( französisch für „Gänseleberpastete“) verkauft wurde und die Tiere aus der Stopfmast stammen“.

Auch in Restaurants und Gasthäusern kann man sich die Packung mit den Angaben zum Produzenten und dessen EWG-Nummer zeigen lassen. Weigert sich der Wirt oder kontert mit Ausreden, liegt der Verdacht nahe, dass ein Produkt aus tierquälerischer Haltung verwendet wird. 

Hier eine kleine Auswahl von Wirten, bei denen man Gerichte von der süburgenländischen Weidegans erhält:

Gutsgasthaus Zum Herztröpferl, Oggau
Wachter Wieslers Ratschen, Deutsch Schützen
Gasthaus Jalits, Badersdorf
Kirchenwirt Mathias Mirth, Eltendorf
Der Reisinger am Neufelder See
Restaurant Motto am Fluss, Wien

Bei diesen Produzenten bekommen Sie  „Südburgenländische Weidegänse“:
bio Bock Stefan, Winten 26, Tel.: 03323/2223
Egger Herbert, St. Michael im Burgenland, Gamischdorf 7, Tel.: 0676/9246561
bio Friedl Bernhard, Jennersdorf, Unterhenndorf 6, Tel.: 0664/5006649
Klein Edwin, Grodnau Nr. 48 Tel.: 03353/75956
Krammer Mario, Heugraben 6 Tel.: 0676/7027340
Luif Erich, Pinkafeld, Am Kalvarienberg 4 Tel.: 03357/42849
bio Marth Siegfried, Hagensdorf Nr. 116, Tel.: 0664/4109988
bio Mutschlechner Johannes,  Eltendorf-Zahling, Kolmgraben 8 03325/20155
Resch Jürgen, Litzelsdorf, Tel.: 0664/5316843
Samer Martin, Litzelsdorf 58, Tel.: 0650/4500833
Schneider Herta, Eisenberg, Dorfstraße 46 Tel.: 0664/4429766
bio Seier Susanne, Hagensdorf Nr. 108, Tel.: 03324/6286
bio Stimpfl Thomas, Ollersdorf, Waldgasse 4, Tel.: 0664/145566

Weidegans vs. Mastgans
Die Weidegans ist teurer als die ausländische Mastgans, die anstatt 28 Wochen nur etwa 12 Wochen –  überwiegend ohne Weidegras gefüttert – gehalten wird. In der Bratpfanne zeigt sich schnell der Unterschied. Bei der Weidegans bleibt nach Zubereitung „mehr Gans in der Pfanne“. Durch den geringeren Bratverlust ist eine höhere Anzahl an Portionen möglich. Auch das Halten auf der Weide macht den Unterschied: Das Fleisch ist dunkler, zarter und hat einen aromatischeren Geschmack.

Hintergrund: Stopfmast und Lebendrupf
Die in manchen Ländern noch immer legale Stopfmast bringt jährlich Millionen kranker Enten und Gänse hervor. Sie ist eine der grausamsten Methoden, um Foie Gras herzustellen. Die Tiere werden zwei- bis dreimal am Tag zwangsgefüttert. Dabei wird ihnen ein Rohr durch den Rachen gerammt und große Mengen Futterbrei über ein Druckluftsystem direkt in den Magen befördert. Innerhalb der zwei- bis dreiwöchigen Zwangsmast verfettet die Leber enorm: Um das Zehnfache vergrößert, kann sie ein Gewicht von bis zu einem Kilogramm erreichen. Am Ende der Mastzeit ist die Leber so groß, dass die Tiere kaum mehr atmen oder sich bewegen können. Das Fleisch der Enten und Gänse, das nach erfolgter Stopfmast übrigbleibt, ist lediglich ein minderwertiges Abfallprodukt – die zum Verzehr frei gegebenen Reste eines kranken Tieres.

Daunen werden weltweit produziert. Die Schwerpunktländer sind Ungarn, Polen und China. Für die sogenannte „Daunenernte“ gibt es zwei Methoden: den Totrupf (Nassrupf) und den Lebendrupf. Lebendrupf ist in den Hauptproduktionsländern Standard. Die Gänse werden hierbei zwei- bis viermal in ihrem kurzen Leben von sogenannten Federbrigaden per Hand gerupft. Dies geschieht im Akkord: Innerhalb von fünf Stunden sind etwa 3.000 Tiere kahl gerupft. Die Federn werden von Hals, Rücken und Bauch/Brust gerissen. Dabei werden die Tiere oft schwer verletzt, die Wunden zum Teil an Ort und Stelle ohne Betäubung genäht. Lebendrupf ist in der EU verboten, deswegen nennt man die Praxis geschönt „Lebendraufen“. Namen ändern sich, das Tierleid bleibt gleich.

Subscribe
Notify of
2 Comments
Neueste
Älteste Meist gevotet
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anschauen.

Das Burgenland rechtfertigt sich ja jetzt mit dem sogenannten Weidegans-Projekt. Dies wurde wohl vor 14 Jahren gestartet, laut Medienberichten werden jetzt angeblich an die 5.000 Gänse im Burgenland gehalten. Ich kann mir aber trotzdem nicht vorstellen daß diese Menge bei dem Massengänsespektakel „Gans Burgenland“ für die vielen Besucher in Rust, Oggau und wer sonst noch aller mitmacht, ausreicht! Geschweigedenn ist denn Wirten die burgenländische Gans sicher zu teuer im Einkauf und die Gäste im Wirtshaus würden den Endpreis sicher auch nicht bezahlen. Ich bin überzeugt, daß die Gänse nach wie vor aus Ungarn usw. geholt werden, um die burgenländischen Mäulchen… Read more »

Wenn alle Tiere auf der Welt ausgerottet sind, dann fressen wir die Vegetarier…