Bühne

Rigoletto im Steinbruch – Premierenkritik


Punkt 20.30 Uhr öffneten sämtliche Schlechtwetterwolken über dem Steinbruch St. Margarethen ihre Schleusen. Die Premiere von Rigoletto drohte ins Wasser zu fallen. Eine halbe Stunde wollte man dem Wetterspektakel mit Blitz, Donner und allem was dazu gehört geben, um sich zu beruhigen. Was dann mit verspäteter Beginnzeit, nach der Pause gelungen ist. Nicht nur das Publikum hielt größtenteils bis zum Schluß durch, sondern auch die Darsteller mit großartigen Stimmen. Doch die großen Gefühle ließen dennoch auf sich warten.

Bei Rigoletto dreht sich alles um den Herzog von Mantua ( Darsteller Premiere: Josep Kang), ein Lebemann und Herzensbrecher, der es unter vielen anderen auch auf Gilda (Darstellerin Premiere: Elena Sancho Pereg), die Tochter seines Hofnarrs Rigoletto (Darsteller Premiere: Vladislav Sulimsky) abgesehen hat. Im Raum steht auch ein Fluch, ausgesprochen vom Grafen von Monterone (Darsteller Premiere: Clemens Unterreiner), der Vater einer vom Herzog entehrten Dame. Der Fluch geht sowohl gegen den Herzog als auch gegen Rigoletto. Entgegen aller Bemühungen Rigolettos geschieht das unvermeidliche, Gilda wird entführt und landet letztendlich doch in des Herzogs Schlafzimmer. Rigoletto schwört Rache und will den Herzog umbringen lassen. Gilda erfährt von dem Plan und beschließt als Mann verkleidet ihr Leben hinzugeben, denn sie hat sich in den Herzog verliebt. Dieser ist so oberflächlich und zügellos wie eh und je und liegt zeitgleich bereits wieder in den Armen einer anderen, währenddessen Gilda getötet wird. Ihr Vater Rigoletto, nichtsahnend, öffnet den Sack mit der Leiche im Glauben es ist die des Herzogs, da erkennt er seine sterbende Tochter, die ihn zum Schluss noch um Verzeihung bittet. Der Fluch hat sich erfüllt. Und in der Ferne klingt das unbekümmerte Lied des Herzogs “La donna è mobile”.

Regisseur Philippe Arlaud legt bei seiner Inszenierung von Rigoletto Wert, die Effektkraft die Verdi in seiner Oper bewusst einsetzt, auch auf der Bühne darzustellen. Er nutzt den enormen Raum, den er im Steinbruch zur Verfügung hat für große wirkungsvolle Bühnenelemente wie etwa die endlose und steile rote Treppe oder auch den dreifachen Dodekaeder mit dem schwebenden Felsen symbolisch wie ein Damoklesschwert – laut dem Regisseur – bezeichnend für den Fluch, der allseits im Raum steht. Überhaupt scheint die Farbe Rot sehr prägnant und weißt auf das grausame Thema der Oper hin. Insgesamt erschafft Arlaud mit seinem Bühnenbild und seiner Inszenierung die schaurige Stimmung, welche es für diese Oper braucht, daß sie wirken kann. Nur das Gefühl kommt trotz vieler Duette mit tollen Stimmen zu kurz. Lediglich Gilda, gesungen von einer großartigen Elena Sancho Pereg schafft es vor allem am Ende des 1. Akts und mit “Caro Nome” als Highlight dieses Abends zu berühren.

Fazit: Obwohl die Konzentration bei den Opern-Aufführungen im Steinbruch St. Margarethen (nun) mehr auf dem Wesentlichen liegt, Bühnenbild, Inszenierung usw., wird der Zuschauer doch sehr abgelenkt. Die Übertitel, wenn es überhaupt welche braucht, sind nicht sehr vorteilhaft platziert. Durch die Position links und rechts aussen auf künstlichen Felsen, ist der Zuschauer immer gezwungen seinen Blick vom Geschehen komplett abzuwenden.

Rigoletto lebt von Effekten, die Verdi musikalisch verarbeitet, etwa die Gewitterszene, welche mit Donner, Blitz und Sturm immer bedrohlicher wird und in deren Höhepunkt der Mord geschieht. Diese Bedrohlichkeit, symbolisch für das Geschehen wird mit einem tollen Orchester (Symphonieorchester des Slowakischen Rundfunks) und Chor (Philharmonia Chor Wien) unter der Musikalischen Leitung von Anja Bihlmaier gelungen und echt umgesetzt. Somit hat das Premierenwetter perfekt zur Stimmung gepasst.

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