Frau Renate’s Gespür für Sand

Das Meer vor lauter Sand nicht sehen? Da können die Sandsammler nur nicken. Ja, Sie haben richtig gelesen, es gibt wirklich Menschen, die so genannt werden, da diese die winzigen Körnchen in millionenfacher Ausführung sammeln, und richtig archivieren. Manche haben sogar ein ganzes Zimmer voll von Sandproben.

Der ein oder andere kennt das sicher auch aus eigener Erfahrung, diese selbst gesammelten Mitbringsel vom Strand: Muscheln, Steine, Bernstein, der gar keiner ist sondern einmal eine braune Scherbe von einer Bierflasche war, und natürlich Sand. Irgendwann in der Kindheit vielleicht hat man damit angefangen und findet es auch als Erwachsener noch spannend und faszinierend, die Schätze aus dem Meer mit nach Hause zu nehmen und sich so das Jahr über etwas von dem zu bewahren was man sonst nicht in nächster Nähe hat.

Vom Hobbysandsammeln zur Profisandsammlerin ist z.B. auch Renate Wilk geworden. Sie hat sogar eine eigene Homepage über ihre körnige Leidenschaft gestaltet, www.renates-sandsammlung.de und ist derzeit im Besitz von sage und schreibe 9889 Sandproben. Alle in diversen Glasfläschchen akribisch beschriftet und das nicht einfach irgendwie sondern nach genauer Vorgabe also z.B. Land, Region, Stadt, genauer Fundort, Meer und vielleicht noch irgendwelche Besonderheiten. So hat man praktisch die ganze Welt in einem Raum verteilt und kann sich jeden Strand dieser Erde durch die Finger rieseln lassen.

Das spannendste aber für einen Sandsammler ist wohl, sich die Sande unter dem Mikroskop mal etwas genauer anzuschauen. Da eröffnet sich noch einmal eine ganz andere Welt.
Da entdeckt man z.B. dass Sandkörner auch sternförmig sein können, so wie der sog. “Starsand”. Oder dann gibt es auch Sandkörner, die sehen aus wie kleine kugelförmige Perlen, die das Meer mit der Zeit so geschliffen hat.

Mit dem bloßen Auge erkennbar ist aber vor allem, daß Sande unterschiedliche Farben haben. Von “sandfarbenem” Sand über roten, weißen, glitzernden Sand oder auch ganz buntem bis hin zu schwarzem Lava-Sand, den man z.B. von kanarischen Vulkan-Inseln her kennt. Die unterschiedliche Färbelung kommt von den Mineralien, mit denen der Sand angereichert ist oder aus deren Miniteilchen der Sand gänzlich besteht; da ist sogar Gold dabei. Dann gibt es noch Sand, der aus winzig kleinen Muscheln, oder Schneckenschalen und sogar Fossilien besteht, was es dann unterm Mikroskop zu entdecken gilt.

Alles in allem ist Sand eine faszinierende und ganz ursprüngliche Geschichte und obwohl er von vielen einfach als selbstverständlich empfunden wird oder generell links liegen gelassen wird, so nach dem Motto, “ha, ja der ist halt da”, ist es umso bemerkenswerter, daß es Leute gibt, die den bunten kugeligen Körnchen aus dem Meer (meistens) so viel Wertschätzung entgegenbringen – und sei es nur als schöne Erinnerung. “I still got sand in my shoes…”

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Amerysa

Ein wunderschöner Hauch von Urlaub….Sonne, SAND und Meer. 😉

Fred Schiffer

Könnte ich von dem Artikel mit Angaben des Magazins eine PDF-Datei bekommen, dies würde ich gerne unter einer eigenen Rubrik in meine HP stellen. Haben Sie diesen Artikel verfasst? Der ist nämlich hervorragend geschrieben und das alles ohne ein Wort von mir, Hut ab.