Krankl kommt – Burgenland setzt auf Fußball-Gefühl statt Folklore
Eisenstadt, 28. März 2026
Das Burgenland rüstet sich fürs große Fußballjahr – und holt sich dafür einen, der weiß, wie man Emotionen ins Rollen bringt: Hans Krankl wird Markenbotschafter von Burgenland Tourismus. Ein Name, der nach Stadion klingt, nach Radiokommentar, nach „Tooor!“ – und genau dieses Gefühl soll jetzt ins Urlaubsland überschwappen.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil spricht von einem Signal mit Wucht. Hans Krankl bringe Reichweite, Erinnerung, ein Stück Fußballgeschichte. Und: Timing. Denn Österreich steht erstmals seit Jahrzehnten wieder bei einer Weltmeisterschaft auf dem Platz – genauer gesagt bei der FIFA World Cup.
Krankl selbst wirkt dabei weniger wie ein Werbegesicht als wie ein Mann, der immer noch gern über Fußball spricht. Rapid, Barcelona, Goldener Schuh – das sind keine PR-Zeilen, sondern Kapitel. 69 Länderspiele, Cordoba 1978, zwei Tore gegen Deutschland – das sitzt. Und genau dieses Sitzenbleiben im kollektiven Gedächtnis ist es, worauf man im Burgenland setzt.
Die Strategie ist klar: Fußball als Bühne, Tourismus als Mitspieler. Krankl wird in TV-Studios auftauchen, analysieren, erzählen – bei Sendern wie ORF oder Sky. Und irgendwo im Hintergrund: das Burgenland. Logo statt Landschaft, Marke statt Postkarte.
Der Höhepunkt soll am 22. Juni steigen – beim Public Viewing in Mörbisch am See. Österreich gegen Argentinien, große Bühne, große Namen. Krankl live vor Publikum. Fußball zum Anfassen, so die Idee.
Nur: Ganz so einfach ist es nicht.
Denn diese Weltmeisterschaft tickt anders. Gespielt wird zu Zeiten, in denen Europa schläft. Anpfiff mitten in der Nacht oder früh am Morgen – das ist kein klassischer Public-Viewing-Stoff. Wer stellt sich schon freiwillig den Wecker für ein Gruppenspiel irgendwo zwischen 2:00 und 5:00 Uhr? Ein bisschen erinnert das an alte Boxnächte, als man für Muhammad Ali den Schlaf opferte. Nur: Das war Ausnahme, nicht Alltag.
Realistisch betrachtet wird sich die Begeisterung bündeln – vermutlich auf die Spiele mit österreichischer Beteiligung. Da wird man kommen, auch zu später Stunde. Fahnen, Bier, Emotion. Aber die vielen anderen Partien? Fraglich. Fußballromantik hat Grenzen, spätestens beim Wecker.
Trotzdem: Der Ansatz ist nachvollziehbar. Fußball bringt Reichweite, verbindet Generationen, schafft Gesprächsstoff. Und genau darum geht es. Geschäftsführer Didi Tunkel setzt auf diese Mischung aus Emotion und Sichtbarkeit. Urlaub als Gefühl, nicht nur als Angebot.
Am Ende ist es ein Spiel – nicht nur auf dem Platz. Sondern auch im Marketing. Und das Burgenland hat sich entschieden, diesmal offensiv zu spielen.

