Klezmer, koscherer Wein und Kultur-Nacht: Eisenstadt feiert jüdisches Gassenfest

Klezmer, koscherer Wein und ein Film gegen das Vergessen – Eisenstadt wird Ende Mai zur jüdischen Kulturmeile

Eisenstadt, Mai 2026. Musik auf dem Jerusalemplatz, Hawaras-Sounds zwischen alten Mauern, koscherer Wein im Glas und der Duft jüdischer Spezialitäten in der Luft. Das Österreichische Jüdische Museum verwandelt Eisenstadt Ende Mai wieder in einen Treffpunkt für Kultur, Geschichte und Begegnung.

Am Donnerstag, 28. Mai, steigt am Jerusalemplatz das „Jüdische Gassenfest“. Zwischen 17 und 22 Uhr wird mitten in der Altstadt gefeiert, gegessen und getanzt. Die Band „Die Hawaras“ bringt jüdische Lieder und Klezmer-Stimmung nach Eisenstadt. Dazu gibt es Spezialitätenstände, Handwerkskunst und erstmals auch jüdische Produkte zum Mitnehmen. Das Schlosscafé übernimmt die Verpflegung, das Weingut Hafner schenkt koscheren Wein aus.

Der Eintritt ist frei. Wer kommt, unterstützt gleichzeitig einen guten Zweck. Das Fest dient als Benefizveranstaltung zugunsten der Restaurierung des Österreichischen Jüdischen Museums. Freiwillige Spenden sind willkommen. Gerade das macht den Abend besonders: kein steifes Kulturprogramm, sondern ein offenes Straßenfest mit echtem Hintergrund.

Eisenstadt zeigt dabei auch eine Seite, die viele Touristen rund um Schloss Esterházy oder den Neusiedler See oft übersehen. Die jüdische Geschichte der Stadt reicht Jahrhunderte zurück. Der Jerusalemplatz und das Museum gehören zu den wichtigsten Erinnerungsorten im Burgenland. Das Gassenfest bringt diese Geschichte raus aus den Vitrinen – direkt auf die Straße.

Nur wenige Tage später folgt bereits der nächste kulturelle Höhepunkt. Am Sonntag, 31. Mai, zeigt das Österreichische Jüdische Museum den Film „Überall alleine – Die Malerin Soshana“. Beginn ist um 11 Uhr in der Unterbergstraße 6. Der Film begleitet das bewegte Leben der Wiener Künstlerin Soshana, die 1938 vor den Nationalsozialisten fliehen musste und später zwischen London, New York und Havanna lebte.

Die Dokumentation erzählt nicht nur die Geschichte einer Künstlerin, sondern auch die Geschichte von Exil, Verlust und Rückkehr. Besonders spannend: Nach der Vorführung beantwortet Amos Schüller, der Sohn der Malerin, Fragen zum Leben und Werk seiner Mutter. Der Film läuft im Rahmen der Ausstellung „Soshana. Zuhause im Fremden. Zwischen Exil und Rückkehr“.

Für Besucher aus Wien, Niederösterreich oder rund um den Neusiedler See lohnt sich das Kulturwochenende doppelt. Erst Straßenfest mit Musik und Kulinarik, dann ein bewegender Filmvormittag im Museum. Eisenstadt zeigt Ende Mai, dass Kultur nicht nur in großen Metropolen stattfindet.

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