Sankt Margarethen. Mit einer eindrucksvollen Premiere ist Giacomo Puccinis Oper „Tosca“ in die Jubiläumssaison der Oper im Steinbruch gestartet. Zum 30-jährigen Bestehen setzte das Team auf eine monumentale Inszenierung, große Emotionen und ein Bühnenbild, das das Publikum mitten ins Rom des Jahres 1800 versetzte.
Schon vor Beginn sorgte die Premiere für gesellschaftliches Interesse. Unter den Ehrengästen befanden sich zahlreiche Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Besonders beachtet wurde der erste öffentliche Auftritt von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil nach längerer Krankheit.
Rom mitten im Steinbruch
Bereits beim Betreten der Zuschauertribüne fällt der Blick auf die riesige Bühne. Die Fassade der Kirche Sant’Andrea della Valle, der Palazzo Farnese und die Engelsburg wurden detailreich nachgebildet und bilden eine eindrucksvolle Kulisse. Durch die Architektur, die Farben und die Größe entsteht das Gefühl, direkt in das historische Rom zur Zeit Napoleons einzutauchen.

Pompöse Bilder mit Gänsehautmomenten
Regisseur Thaddeus Strassberger setzt auf große Szenen. Besonders das Ende des ersten Aktes entwickelt enorme Wirkung: Wenn sich die Kirchentore öffnen, Weihrauchkessel durch die Luft schwingen und Priester durch die Zuschauerränge ziehen, entsteht eine fast sakrale Atmosphäre.
Immer wieder sorgen Kanonenschüsse für Schreckmomente. Mehrmals zuckt das Publikum hörbar zusammen – ein wirkungsvoller Effekt, der die Spannung zusätzlich steigert.
Auch die religiöse Symbolik zieht sich durch die gesamte Inszenierung. Besonders eindrucksvoll wirkt die Darstellung des gefolterten Cavaradossi, der mit Dornenkrone und Kreuzmotiv bewusst an die Passion Christi erinnert. Diese Bildsprache passt zur Handlung, die eng mit Kirche, Macht und Glauben verknüpft ist.
Starke Hauptrollen

Musikalisch überzeugt die Premiere auf ganzer Linie. Unter der Leitung von Valerio Galli präsentiert das Orchester Puccinis Musik kraftvoll und gleichzeitig feinfühlig.
Die Hauptrollen sind hervorragend besetzt:
- Joyce El-Khoury als Floria Tosca überzeugt mit großer Bühnenpräsenz und ausdrucksstarker Stimme.
- Yongzhao Yu als Maler Mario Cavaradossi begeistert mit kraftvollem Tenor und emotionalen Höhepunkten.
- Gevorg Hakobyan verleiht Polizeichef Baron Scarpia die nötige Abgebrühtheit und Bedrohlichkeit.
- Volodymyr Morozov ist als Angelotti zu erleben.
Die Oper wird in italienischer Sprache aufgeführt. Zwei große LED-Leinwände mit deutschen Übertiteln erleichtern das Verständnis der Handlung.
Auch die Statisterie trägt zum Erfolg bei
Oft stehen die Solisten im Mittelpunkt. Dabei zeigt gerade diese Produktion, wie wichtig die Statisterie ist. Über 100 Mitwirkende schaffen gemeinsam lebendige Massenszenen und verleihen den Bildern Tiefe. Ebenso verdienen die aufwendig und detailreich gestalteten historischen Kostüme großes Lob.
Zweieinhalb Stunden wie im Flug
Mit einer Spieldauer von rund zweieinhalb Stunden in drei Akten vergeht der Abend erstaunlich kurzweilig. Die Handlung bleibt spannend und steigert sich kontinuierlich bis zum dramatischen Finale.
Etwas schade ist allerdings, dass wie jedes Jahr bereits wenige Minuten vor Schluss zahlreiche Besucher ihre Plätze verlassen, um möglichst rasch den Parkplatz zu erreichen. Gerade bei einer Oper wie Tosca, deren Finale zu den emotionalsten der Opernliteratur zählt, sollte man sich die letzten Minuten keinesfalls entgehen lassen.
Fazit
Die Premiere von Tosca zeigt eindrucksvoll, warum die Oper im Steinbruch seit drei Jahrzehnten zu den kulturellen Höhepunkten des Burgenlandes zählt. Monumentale Bühnenbilder, starke Solisten, ein ausgezeichnetes Orchester und eine beeindruckende Massenszenerie ergeben einen Opernabend, der lange in Erinnerung bleibt. Wer Oper unter freiem Himmel erleben möchte, sollte sich diese Inszenierung nicht entgehen lassen.


