Standing Ovations für einen Musicalabend voller Witz, Gefühl und großer Revue-Momente
Mörbisch. Wenn sich Politik, Prominenz und Musicalfans geschniegelt auf der Seebühne treffen, dann ist Premierenabend. Auch heuer gab sich das Burgenland ein Stelldichein. Politiker, Künstler und bekannte Gesichter aus Kultur und Gesellschaft flanierten über den roten Teppich. Mit dabei unter anderem Ex-Teamkicker Toni Polster sowie zahlreiche Persönlichkeiten aus der heimischen Kulturszene.

Doch nach dem Blitzlichtgewitter gehörte die Bühne ganz den Stars von „Ein Käfig voller Narren“ – und die lieferten einen Premierenabend, der das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute mitriss.
Die Erwartungen waren im Vorfeld durchaus zurückhaltend. Vielerorts hörte man: „Schauen wir einmal, wie das wird.“ Bereits nach den ersten Szenen war klar: Diese Skepsis war völlig unbegründet. Das Publikum ließ sich begeistert auf das Stück ein und wurde mit einem unterhaltsamen Abend belohnt.
Das Zusammenspiel der beiden macht den besonderen Reiz dieser Inszenierung aus
Mark Seibert und Alfons Haider sind das Herz dieser Produktion. Seibert überzeugt als Georges mit großer Präsenz und feinem Gespür für seine Rolle, Haider brilliert als Albin/Zaza mit Witz, Charme und perfektem Timing. Gemeinsam harmonieren sie hervorragend, spielen sich die Pointen gekonnt zu und ziehen das Publikum vom ersten Moment an in ihren Bann. Dieses Duo ist der Motor des gesamten Abends.

Zum heimlichen Publikumsliebling entwickelt sich Aliosha Jorge Ungur als Jacob. Mit trockenem Humor, viel Spielfreude und perfektem Timing sorgt er immer wieder für schallendes Gelächter und Szenenapplaus. Auch Timotheus Hollweg als Jean-Michel und Anna Rosa Döller als Anne überzeugen in ihren Rollen. Gerade hier zeigt sich die Stärke der Produktion: Nicht nur die Hauptdarsteller glänzen – das gesamte Ensemble trägt den Erfolg des Abends.
Ein besonderes Lob verdient das Bühnenbild von Walter Vogelweider. Es wirkt imposant, kommt aber ohne aufwendige Umbauten aus. Fast wie von selbst verwandelt sich die Bühne immer wieder in neue Schauplätze. Oft übernimmt das Ensemble die Umbauten direkt im Spiel. Dadurch bleibt der Rhythmus hoch, es entstehen keine langen Pausen und der Revue-Charakter der Inszenierung wird zusätzlich unterstrichen.
Ein weiterer Pluspunkt: Anders als bei vielen Produktionen auf der Seebühne rückt der Neusiedler See bewusst in den Hintergrund. Dadurch konzentriert sich der Blick ganz auf die Geschichte und die Darsteller. Eine kluge Entscheidung, die dem Stück spürbar guttut.
Regisseur Andreas Gergen inszeniert den Klassiker mit viel Tempo, Witz und Gefühl. Die farbenfrohen Kostüme von Armella Müller von Blon und die musikalische Leitung von Tom Bitterlich sorgen dafür, dass der Abend immer in Bewegung bleibt. Vieles erinnert an die großen Revueproduktionen vergangener Jahrzehnte – elegant, schwungvoll und voller Lebensfreude.
Standing Ovations bis zum letzten Vorhang
Der schönste Beweis für den Erfolg folgte beim Finale: Das Publikum erhob sich geschlossen zu stehenden Ovationen, sang begeistert mit und feierte das Ensemble minutenlang. Auffällig war auch, dass kaum jemand den Zuschauerraum vorzeitig verließ. Während sonst manche Besucher schon vor dem Schlussapplaus den Heimweg antreten, um dem Verkehr zu entgehen, blieb das Publikum diesmal bis zum letzten Vorhang.
Die Geschichte mag vielen bekannt sein. Doch diese Mörbischer Inszenierung zeigt eindrucksvoll, dass ein Klassiker auch heute noch begeistern kann, wenn Regie, Ensemble und Inszenierung stimmen.
Und noch ein persönlicher Wunsch zum Schluss: Mehr Alfons (Fonsi) Haider auf der Bühne! Er hat einmal mehr bewiesen, dass er nicht nur ein erfolgreicher Intendant ist, sondern vor allem ein Entertainer mit außergewöhnlicher Bühnenpräsenz. Man würde ihn gerne öfter in einer Hauptrolle erleben.
Fazit: Humor, Gefühl, starke Stimmen, ein spielfreudiges Ensemble und eine Inszenierung mit viel Tempo machen „Ein Käfig voller Narren“ zu einem der Höhepunkte des diesjährigen burgenländischen Festivalsommers. Wer sich einen beschwingten, witzigen und gleichzeitig berührenden Theaterabend gönnen möchte, sollte sich diese Produktion nicht entgehen lassen.


