Man muss es fast ein wenig suchen. Schloss Deutschkreutz liegt abseits des großen Ausflugsverkehrs im Blaufränkischland – und genau das macht seinen Reiz aus. Hinter dem Tor wartet ein 400 Jahre altes Renaissanceschloss, das beinahe verloren gewesen wäre und durch den Künstler Anton Lehmden ein zweites Leben bekam.
Wer durch Deutschkreutz fährt, stolpert nicht automatisch darüber.
Das Schloss Deutschkreutz liegt etwas versteckt am Ortsrand. Zwischen Bäumen tauchen plötzlich die Türme auf, dahinter führt eine lange Zufahrt zur mächtigen Vierflügelanlage.
Ein bisschen geheimnisvoll wirkt das bis heute.
Und spätestens vor dem geschlossenen Tor kommt die Frage: Kann man da eigentlich hinein?
Ja – allerdings nicht einfach jederzeit. Schloss Deutschkreutz ist kein klassisches Ausflugsschloss mit täglicher Ticketkassa. Wer das Schloss und das Lehmden-Museum von innen kennenlernen möchte, muss eine Führung vorab vereinbaren.
Ein Renaissanceschloss mitten im Blaufränkischland
Das heutige Schloss ließ Graf Paul Nádasdy 1625 errichten. Gebaut wurde im Stil der italienischen Renaissance: vier Flügel rund um einen rechteckigen Innenhof mit Arkadengängen.
Früher war die Anlage sogar von einem Wassergraben umgeben. Architektur und Nutzung zeigen, dass Schloss Deutschkreutz gleich mehrere Funktionen hatte: Herrensitz, befestigte Anlage und Wirtschaftshof in einem.
Unter den Nádasdys wurde das Schloss zu einem kulturellen Zentrum. Es gab eine eigene Buchdruckerei und sogar Theateraufführungen in einem Festsaal.
Für einen Ort mitten im heutigen Weinland war hier also schon vor Jahrhunderten einiges los.
Dann verlor das Schloss seinen Glanz
Nach der Hinrichtung von Graf Franz Nádasdy im Jahr 1671 gelangte der Besitz schließlich an die Esterházys.
Die kulturelle Bedeutung des Schlosses nahm ab. Aus dem einstigen gesellschaftlichen Zentrum wurde zunehmend ein Wirtschaftshof. Viele Menschen aus Deutschkreutz lebten und arbeiteten im Umfeld des Schlossgutes.
Auch Krieg und Nachkriegszeit hinterließen deutliche Spuren.
Der frühere Festsaal wurde schwer beschädigt und 1951/52 schließlich vollständig abgetragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Schloss zeitweise den sowjetischen Besatzungstruppen als örtliche Kommandatur. 1957 kaufte die Gemeinde Deutschkreutz die Anlage.
Doch damit war das Schloss noch lange nicht gerettet.
Anton Lehmden sieht die Ruine – und verliebt sich
Dann kommt das Jahr 1966.
Der Künstler Anton Lehmden besichtigt das damals stark heruntergekommene Schloss – und kauft es.
Was danach beginnt, ist vermutlich der spannendste Teil der Geschichte.
Zugemauerte Arkaden werden wieder geöffnet. Dächer und Gewölbe müssen gesichert werden. Fenster, Türen und Tore werden erneuert. Stuckdecken und Fassadenelemente werden restauriert.
Aus einem beinahe verlorenen Bauwerk wird über Jahrzehnte wieder ein Schloss.
Lehmden machte Deutschkreutz zu seinem Lebensmittelpunkt und verband das historische Gebäude immer stärker mit seiner eigenen Kunst.
Bis heute befindet sich Schloss Deutschkreutz im Familienbesitz.
Das Lehmden-Museum: Kunst in einem ungewöhnlichen Rahmen
1999 wurden im Schloss auf rund 800 Quadratmetern die Ausstellungsräume des Lehmden-Museums eröffnet.
Und das ist kein Museum, bei dem Kunst einfach an neutralen weißen Wänden hängt.
Die Räume, das Schloss und die Werke des Künstlers gehören hier zusammen. Man sieht nicht nur Bilder Anton Lehmdens, sondern gleichzeitig den Ort, den er über Jahrzehnte restauriert und geprägt hat.
Gerade das macht eine Führung interessant.
Man bekommt Kunst und Schlossgeschichte nicht getrennt serviert, sondern erlebt beides gleichzeitig.
Ein Blick in die Schlosskapelle
Sehenswert ist auch die historische Schlosskapelle im nordöstlichen Turm.
Sie wurde 1643 eingerichtet und später restauriert. Heute gehören auch Glasbilder von Anton Lehmden zur Ausstattung.
Stuck, hohe Fenster und Lehmdens moderne Arbeiten treffen hier aufeinander – wieder so eine Kombination, die typisch für Schloss Deutschkreutz ist.
Kann man Schloss Deutschkreutz besichtigen?
Ja – aber nur nach Voranmeldung.
Das ist wichtig, denn die alten Öffnungszeiten, die viele Jahre in unserem ursprünglichen Pannonien-Artikel standen, gelten nicht mehr.
Das Lehmden-Museum ist ein Privatmuseum. Führungen werden individuell vereinbart. Für individuelle Termine nennt das Schloss derzeit eine Mindestteilnehmerzahl von fünf Personen. Die Führung dauert ungefähr eine Stunde.
Schloss Deutschkreutz – praktische Informationen
Adresse:
Schlossweg / Kreuzung Zinkendorfer Straße
7301 Deutschkreutz
Besichtigung:
nur im Rahmen einer vorab vereinbarten Führung
Führungsdauer:
ca. 60 Minuten
Eintritt:
12 Euro pro Person
ab 20 Personen 10 Euro pro Person
Kontakt für Führungen:
Telefon: +43 699 11 86 32 07
E-Mail: lehmden@schlossdeutschkreutz.at
Da es sich um ein Privatmuseum handelt, empfehlen wir, Termin und Preis vor der Anreise nochmals direkt beim Schloss zu bestätigen.
Pannonien-Tipp: Schloss und Blaufränkisch kombinieren
Nur wegen eines schnellen Fotos vor dem Schlosstor würden wir nicht extra quer durchs Burgenland fahren.
Mit einer Führung sieht die Sache anders aus.
Dann lässt sich Schloss Deutschkreutz sehr gut mit einem Ausflug ins Blaufränkischland verbinden.
Nach der Kunst kommt der Wein: Deutschkreutz zählt zu den bekannten Weinorten des Mittelburgenlandes, und Horitschon, Neckenmarkt und Raiding liegen ebenfalls nicht weit entfernt.
Wer einen ganzen Tag Zeit hat, kann vormittags das Schloss besuchen und danach durch das Blaufränkischland fahren. Ein Mittagessen, ein Spaziergang durch die Weingärten und eine Weinverkostung machen daraus einen runden Ausflug.
Auch unser Überblick über Burgenlands Burgen und Schlösser passt gut zur weiteren Reiseplanung.
Lohnt sich Schloss Deutschkreutz?
Ja – besonders, wenn man Kunst und ungewöhnliche historische Orte mag.
Wer einen perfekt durchorganisierten Schlossbetrieb mit stündlichen Führungen, großem Shop und Schlossrestaurant erwartet, wird hier nicht fündig.
Schloss Deutschkreutz funktioniert anders.
Gerade weil es privat geblieben ist und weil Anton Lehmdens Lebensgeschichte eng mit dem Gebäude verbunden ist, fühlt sich ein Besuch persönlicher an als in vielen klassischen Schlossmuseen.
Unser Rat: Führung vorher organisieren und genügend Zeit mitbringen.
Denn hinter den zunächst ziemlich verschlossenen Mauern steckt deutlich mehr, als man von draußen vermuten würde.

