Wenn am Abend die Türen des Soproner Museumsviertels für gewöhnliche Besucher schließen, beginnt am 5. November eine ungewöhnliche Spurensuche. Sie führt in die Welt der Familie Storno – zu alten Kunstwerken, Restaurierungen und Geschichten, die sonst hinter den Kulissen bleiben. „Titkok, rejtélyek, tragédiák“ heißt der Abend: Geheimnisse, Rätsel, Tragödien.
Vom Kaminkehrer zum Bewahrer alter Kunst
Die Geschichte der Stornos ist eng mit Sopron verbunden. Ferenc Storno der Ältere (1821–1907) stammte aus Bayern, kam als Kaminkehrer nach Sopron und entwickelte sich zu einem angesehenen Künstler und Restaurator. Im 19. Jahrhundert, als das Interesse an mittelalterlicher Architektur und historischen Kunstwerken neu erwachte, widmete er sich der Denkmalpflege. Später arbeiteten auch seine Söhne mit. Aus Aufträgen, Sammelleidenschaft und künstlerischer Arbeit wuchs eine außergewöhnliche Familiensammlung.
Im barocken Eckhaus am Fő tér, dem Hauptplatz der Stadt, richtete die Familie auf der zweiten Etage Wohnräume ein, die zugleich von Kunst und historischen Objekten geprägt waren. Heute sind sie Teil der Storno-Sammlung des Soproner Museums. Gerade diese Mischung macht den Ort reizvoll: Man besucht keine anonyme Galerie, sondern eine historische Wohnwelt, in der sich persönliche Geschichte und europäische Kunstströmungen begegnen.
Was die Besucher normalerweise nicht sehen
Der Museumsabend ist ausdrücklich keine gewöhnliche Führung durch die Schauräume. Museumsmitarbeiterin Zsuzsanna Takács-Iváncsics stellt die Künstlerfamilie und ihre Tätigkeit als Denkmalpfleger und Restauratoren vor. Geplant ist auch ein Besuch der Sammlung und des Depots. Das Museum verspricht selten gezeigte Objekte und Geschichten, die bislang eher im Hintergrund geblieben sind.
Das passt zum Thema Restaurierung: Was wir heute als historisches Stadtbild bewundern, ist nicht nur überliefert, sondern wurde über Generationen gepflegt, interpretiert und manchmal verändert. Die Arbeit der Stornos eröffnet damit einen Blick darauf, wie sich Vorstellungen von Vergangenheit und Denkmalschutz entwickelt haben.
Ein Abend für Neugierige – nicht nur für Kunstexperten
Wer Sopron bisher vor allem vom Feuerturm, vom Hauptplatz und den Gassen der Altstadt kennt, kann die Stadt an diesem Abend von einer anderen Seite erleben. Der Reiz liegt nicht allein in den Ausstellungsstücken, sondern in den Geschichten hinter ihnen: Wer hat sie gesammelt? Warum wurden sie aufbewahrt? Und wie ging man früher mit historischen Bauwerken um?
Für Besucher aus dem Burgenland lässt sich die Veranstaltung mit einem Spaziergang durch die Altstadt verbinden. Weitere Sehenswürdigkeiten und praktische Hinweise haben wir in unserem Pannonien-Reiseführer Sopron zusammengestellt.
Termin, Ort und Tickets
Donnerstag, 5. November 2026, 18:15 Uhr, Soproner Museumsviertel, Fő tér 6–8, 9400 Sopron. Der Veranstalter nennt als Ende 19:45 Uhr, während die Online-Ticketseite 19:30 Uhr ausweist. Das reguläre Ticket kostet 3.500 Forint. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen begrenzt. Eine rechtzeitige Buchung ist daher ratsam.
Wichtiger Hinweis: Die Veranstaltung ist auf Ungarisch ausgeschrieben; eine deutschsprachige Durchführung ist nicht bestätigt. Wer auf eine deutschsprachige Führung angewiesen ist, sollte vor der Buchung beim Museum nachfragen.
Informationen und Tickets: Soproner Museum – Veranstaltungsbeschreibung und Online-Tickets.
Bildhinweis für die Redaktion: Für Fotos der Storno-Sammlung oder des Museumsviertels vor Verwendung Fotograf und redaktionelle Nutzungsrechte beim Soproner Museum klären.


