Wenn im Liszt-Zentrum die Sektgläser klirren, dann hat das im Burgenland Tradition. Zum 20. Geburtstag des Hauses luden Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und die Intendanten Eduard und Johannes Kutrowatz zur Pressematinee – und präsentierten eine Saison, die klingt wie ein musikalischer Streifzug durch Europa.
Seit 2006 steht das Konzerthaus am Geburtsort von Franz Liszt. Baukosten damals: 6,5 Millionen Euro. Für Museumserweiterung und Umbau kamen zuletzt noch einmal 6,1 Millionen dazu. Doskozil sprach von einem „Kulturprojekt mit internationalem Ruf“ – und davon, dass Raiding kein Museum für Nostalgiker sei, sondern ein lebendiger Ort mit Zukunft.
Liszt trifft Wagner – und die Weltklasse
Vom 16. bis 25. Oktober 2026 steigt das große Liszt Festival. Im Fokus: das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Liszt und Wagner. Das Wiener Kammerorchester unter Martin Sieghart, Pianistin Kateryna Titova als Artist in Residence, Klavierabende mit Sofya Gulyak, dazu das Finale mit dem Orchester Wiener Akademie unter Martin Haselböck – Raiding fährt auf, was Rang und Namen hat.
Auch politisch klingt Geschichte an: Der 70. Gedenktag des Ungarischen Volksaufstandes fließt in die Programmierung ein. Musik als Erinnerung, nicht als Dekoration.
Salon statt Show – Liszt ganz nah
Neu im Herbst: der „Treffpunkt Liszt Salon“. Konzerte am historischen Liszt-Flügel, Vorträge im Museum. Eduard Kutrowatz bringt seinen Liederzyklus „Herbstreise“ zur Uraufführung. Startenor Herbert Lippert zeigt seine Ölbilder. Und mit Nike Wagner, Urenkelin von Richard Wagner und Ururenkelin von Liszt, wird es auch familiär.
Raiding denkt Musik nicht nur groß, sondern intim.
Vitásek trifft „Karneval der Tiere“
TiPP: Am 12. Dezember wird’s heiter: Beim Familienkonzert präsentieren Ania und Sophie Druml (Titelfoto: Musikalische Darbietung von Pianistin Sophie Druml © KBB – Elisabeth Wagner) gemeinsam mit Publikumsliebling Andreas Vitásek den „Karneval der Tiere“. Klassik darf auch Spaß machen – besonders, wenn Kinder im Saal sitzen.
Haydn, Händel und viel Blech
Im März 2027 stehen die Barock Haydn Tage an. Händels „Messias“ mit dem Barucco Vokalensemble, Haydn im Fokus des Wiener Kammerorchesters.
Im April übernimmt das Blech das Regiment: Militärmusik Burgenland feiert 70 Jahre, Federspiel balanciert zwischen Tradition und Ironie, Vienna Brass Connection bringt Filmmusik ins Haus.
Und im Juni? Sommerklänge von Mozart bis Jazz. Benjamin Schmid spielt sich durch die Spuren von Grappelli und Django Reinhardt. Volksmusik trifft Strauss.
Wirtschaft küsst Kultur
Generalsponsor Burgenland Energie bleibt an Bord, ebenso Waldquelle. Geschäftsführer Vítězslav Staněk betont die Verbindung von Regionalität und Kultur. Auch Weingüter und Traditionsbetriebe wie Ströck tragen das Haus mit.
Raiding ist also nicht nur Musiktempel, sondern ein Netzwerk.
Fazit
Kein Provinzprogramm, kein Staub auf den Notenständern. In Raiding wird gefeiert – mit Liszt, mit Wagner, mit Vitásek und viel Gefühl fürs große Format. Wer glaubt, Klassik sei steif, sollte im Oktober in Reihe drei sitzen.




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