VALIE EXPORT bis Helnwein: Eisenstadt bekommt den spannendsten Kunstsommer seit Jahren

Zwischen Lust, Scham und großer Kunst: Die Landesgalerie Eisenstadt zeigt Frauenbilder ohne Filter

Eisenstadt, Mai 2026. Diese Ausstellung will nicht nett gefallen. Sie kratzt, provoziert, beobachtet – und manchmal schaut sie direkt zurück. Mit „her*spectives“ holt die Landesgalerie Burgenland ab 30. Mai eine Ausstellung nach Eisenstadt, die sich dem weiblichen Blick auf den weiblichen Körper widmet. Kein weichgespülter Wohlfühl-Abend, sondern Kunst mit Haltung, Wucht und erstaunlicher Intimität.

Schon der Titel klingt wie ein kleines Statement. „her*spectives“ versammelt internationale Künstlerinnen von VALIE EXPORT bis Vanessa Beecroft und stellt Fragen, die erstaunlich aktuell geblieben sind: Wer bestimmt eigentlich über Weiblichkeit? Über Schönheit? Über Scham? Und warum trägt der weibliche Körper bis heute so viele gesellschaftliche Erwartungen mit sich herum?

Kuratiert wurde die Schau von Marion Schimetits, die Arbeiten aus der Sammlung Müller zusammenführt. Die Ausstellung bewegt sich dabei zwischen feministischer Kunstgeschichte, persönlicher Verletzlichkeit und radikaler Selbstbehauptung. Manche Werke wirken laut und direkt, andere beinahe still. Genau darin liegt ihre Stärke. „her*spectives“ schreit nicht permanent – die Ausstellung weiß, dass leise Arbeiten oft länger nachhallen.

Die Liste der Künstlerinnen liest sich wie ein internationales Who’s who feministischer und zeitgenössischer Kunst. VALIE EXPORT trifft auf Laurie Lipton, Carolee Schneemann auf Mercedes Helnwein. Dazu kommen Positionen jüngerer Künstlerinnen, die den Blick auf Körper, Rollenbilder und Sehnsüchte weiterdenken. Eisenstadt bekommt damit für einen Sommer eine Ausstellung, die man eher in Wien, Berlin oder London erwarten würde.

Eröffnet wird die Schau am Freitag, 29. Mai, um 19 Uhr. Zur Vernissage sprechen unter anderem Kuratorin Marion Schimetits, Kultur-Betriebe-Geschäftsführerin Claudia Priber und Doris Prohaska in Vertretung von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Der Ausstellungswein kommt vom Weingut Pia Strehn aus Deutschkreutz – auch das passt irgendwie zu diesem Abend: kraftvoll, eigenständig und ziemlich burgenländisch.

Margit Koppendorfer: © Margit Koppendorfer

Parallel dazu richtet die Landesgalerie noch einen zweiten Fokus auf eine Frau, die lieber gearbeitet hat als sich selbst zu inszenieren. Kostümbildnerin Margit Koppendorfer steht ab 30. Mai ebenfalls im Mittelpunkt. Eine Frau, die Theatergeschichte mitgeschrieben hat – oft hinter den Kulissen. George Tabori erkannte früh ihr Talent, später entwarf sie Kostüme für Brecht, Shakespeare, Jelinek oder Handke. Heute lebt sie zurückgezogen im Südburgenland, schreibt Gedichte und malt. Kein Instagram. Kein Dauer-Interview. Einfach Kunst.

Und dann wäre da noch „offen.“ – das burgenländische Kunstfestival, das an zwei Wochenenden das ganze Bundesland zur Galerie macht. 121 Künstlerinnen und Künstler, 27 Kunstorte, 85 Gemeinden. Ateliers, Galerien und private Sammlungen öffnen ihre Türen. Man fährt durchs Burgenland und landet plötzlich mitten in Gesprächen über Malerei, Druckgrafik oder Installationen. Genau diese Mischung macht den Reiz aus.

Die Landesgalerie Burgenland zeigt mit diesem Programm einmal mehr, dass Kultur in Eisenstadt längst nicht mehr nur aus Haydn und Barock besteht. Hier geht es um Gegenwart, Reibung und Geschichten, die noch nicht fertig erzählt sind.

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