Gibt es rund um den Neusiedler See überhaupt noch Geheimtipps? Ja – aber nicht dort, wo jeder Reiseführer denselben Leuchtturm, dieselbe Altstadt und dieselbe Seebühne aufzählt.
Die spannenderen Entdeckungen liegen oft ein paar Kilometer daneben: auf einem Aussichtspunkt zwischen Weingärten und Schilf, in einem ungewöhnlichen Freilichtmuseum oder an einem alten Grenzpunkt, an dem heute längst wieder freie Sicht herrscht.
Wir haben deshalb zehn besondere Plätze rund um den Neusiedler See zusammengestellt, die nicht völlig unbekannt sein müssen, aber deutlich weniger zum Standardprogramm gehören.
Neusiedler See Geheimtipps auf einen Blick
Für Aussicht: Grenzturm Mörbisch, Himmelreich Donnerskirchen, Kirchberg Winden
Für Kunst: Wander Bertoni in Winden
Für Natur: Hölle zwischen Podersdorf und Illmitz
Für Radfahrer: mehrere Tipps direkt an oder nahe bekannten Radrouten
Für Genießer: Weingärten und Weinorte am Leithagebirge
Ideal für: Tagesausflüge und kleine Abstecher abseits der Klassiker
1. Grenzturm Mörbisch – Aussicht mit Geschichte
Am südlichen Ortsrand von Mörbisch steht ein Aussichtspunkt, den viele Festspielbesucher nie zu Gesicht bekommen. Der heutige Grenzturm liegt in den Seewiesen nahe der ungarischen Grenze, zwischen Schilfgürtel, Weingärten und offenen Flächen.
An dieser Stelle befand sich früher ein Hochstand des österreichischen Bundesheeres. Heute erinnert die moderne Plattform an die Zeit des Eisernen Vorhangs und bietet stattdessen freie Sicht über den Neusiedler See, den Schilfgürtel, Fertőrákos und die Landschaft rund um Mörbisch.
Am einfachsten erreicht man den Aussichtspunkt vom Parkplatz beim Grenzübergang Mörbisch–Fertőrákos. Von dort geht es zu Fuß Richtung See.
Pannonien-Tipp
Fernglas mitnehmen und nicht nur schnell hinauf- und wieder hinuntergehen. Gerade die Kombination aus Grenzgeschichte und Landschaft macht den Platz interessant.
2. Himmelreich Donnerskirchen – Weingärten über dem See
Der Name klingt fast erfunden, doch das Himmelreich gibt es tatsächlich. Die Weinriede liegt oberhalb von Donnerskirchen an den Hängen des Leithagebirges und bietet einen weiten Blick über den Neusiedler See.
Das Himmelreich gehört zu jenen Plätzen, an denen man den See nicht direkt vom Ufer erlebt, sondern von oben. Zwischen Weingärten öffnet sich der Blick weit über die Landschaft – besonders gegen Abend ist das stark. Die Region selbst zählt das Himmelreich zu ihren besonderen Aussichtspunkten.
Im Sommer finden dort außerdem Weinpicknicks statt. 2026 läuft die Reihe wieder im Juli und August, jeweils mitten in den Weingärten.
Pannonien-Tipp
Nicht nur wegen einer Veranstaltung hinfahren. Auch die Landschaft rund um Donnerskirchen lohnt einen Abstecher zu Fuß oder mit dem Rad.
3. Kirchberg in Winden – der See von oben
Wer verstehen möchte, wie groß der Neusiedler See tatsächlich ist, sollte einmal auf den Kirchberg bei Winden am See.
Von hier öffnet sich einer der weitesten Blicke über den See. An klaren Tagen lässt sich die rund 36 Kilometer lange Ausdehnung besonders gut erkennen. Auf dem Kirchberg steht außerdem Wander Bertonis Skulptur „Der Sonnenanbeter“.
Der Aussichtspunkt lässt sich am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. Das Auto sollte man im Ort stehen lassen.
Pannonien-Tipp
Kirchberg und Freilichtmuseum Wander Bertoni lassen sich perfekt miteinander verbinden.
4. Freilichtmuseum Wander Bertoni – Kunst zwischen Weingärten
Nur wenige Minuten vom Kirchberg entfernt liegt einer der ungewöhnlichsten Kunstorte rund um den Neusiedler See.
Der Bildhauer Wander Bertoni kaufte 1965 eine alte Mühle in Winden und verwandelte das Gelände über Jahrzehnte in ein weitläufiges Kunstareal. Heute sind dort mehr als 400 Skulpturen zu sehen. Dazu kommt ein eigenes Eiermuseum mit einer außergewöhnlichen Sammlung.
2026 sind die Museumsgebäude vom 26. März bis 1. November jeweils Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Skulpturenpark im Freien ist ganzjährig frei zugänglich.
Pannonien-Tipp
Wer ohnehin am Kirschblütenradweg unterwegs ist, sollte hier unbedingt stoppen. Die großen Skulpturen sind teilweise schon vom Radweg aus sichtbar.
5. Die Hölle zwischen Podersdorf und Illmitz
Der Name ist spektakulärer als der Ort selbst – und genau deshalb bleibt er hängen. Die Hölle liegt zwischen Podersdorf und Illmitz im Nationalparkgebiet und gehört zu den spannendsten Landschaftsabschnitten am Ostufer.
Das Gebiet umfasst rund 3.000 Hektar mit Salzlacken, Wiesen, Schilfgürtel und Seevorgelände. Besonders Vogelbeobachter finden hier gute Möglichkeiten, unter anderem an Stinkerseen und Feuchtwiesen.
Die Hölle liegt direkt an den Radwegen B10 und B20, weshalb sie sich hervorragend in eine Tour zwischen Podersdorf und Illmitz einbauen lässt.
Pannonien-Tipp
Nicht quer durch Schutzflächen gehen. Die spannendsten Beobachtungen gelingen ohnehin von den offiziellen Wegen und Aussichtspunkten.
6. Sandeck bei Illmitz – weiße Esel und offene Steppe
Das Sandeck gehört zu den ungewöhnlichsten Landschaftsplätzen im Seewinkel. Bekannt ist es vor allem wegen der weißen Esel, die dort als Teil der Landschaftspflege eingesetzt werden.
Die Tiere gehören zu einer seltenen ungarischen Haustierrasse. Wer auf dem Lackenradweg unterwegs ist, kann das Sandeck gut in eine Tour einbauen. Wichtig ist, auf den freigegebenen Wegen zu bleiben und die Tiere nicht zu füttern.
Pannonien-Tipp
Am schönsten ist das Sandeck nicht nur wegen der Esel, sondern wegen der Weite. Gerade am frühen Vormittag oder späteren Nachmittag wirkt die Landschaft besonders stark.
7. Parapluiewiese und Jubiläumswarte bei Eisenstadt
Nur wenige Kilometer vom Zentrum Eisenstadts entfernt liegt mit der Parapluiewiese ein überraschend ruhiger Platz im Leithagebirge.
Auf der Waldlichtung steht die Raiffeisen-Jubiläumswarte. Die oberste Plattform liegt rund zwölf Meter hoch und bietet bei guter Sicht einen weiten Blick über die Wulkaebene bis zum Neusiedler See und nach Ungarn.
Der Name Parapluiewiese geht auf einen historischen Pavillon zurück, der hier bereits in den 1920er-Jahren als Ausflugsziel diente.
Pannonien-Tipp
Eine gute Ergänzung zu einem Eisenstadt-Besuch, wenn man nach Schloss und Altstadt noch hinaus ins Grüne möchte.
8. Kellerviertel Purbach – alte Keller statt Seepromenade
Wer Purbach nur vom Durchfahren kennt, sollte ins historische Kellerviertel abbiegen. Die alten Keller liegen etwas abseits der klassischen Seeziele und vermitteln einen ganz anderen Eindruck vom Westufer.
Zwischen den Kellergebäuden, Weingärten und kleinen Gassen lässt sich gut spazieren. Besonders interessant wird das Viertel, wenn Keller geöffnet sind oder Veranstaltungen rund um Wein und Kulinarik stattfinden.
Pannonien-Tipp
Nicht nur zum Weintrinken kommen. Das Kellerviertel lohnt sich auch tagsüber für einen kurzen Spaziergang und lässt sich gut mit einer Radtour am Westufer verbinden.
9. Mithras-Heiligtum bei Fertőrákos – ein römischer Tempel an der alten Grenze
Unser ungarischer Geheimtipp liegt direkt hinter der österreichisch-ungarischen Grenze bei Fertőrákos.
Versteckt am Rand des Fertő-Hanság-Nationalparks befindet sich ein rund 2.000 Jahre altes Mithras-Heiligtum. Das Heiligtum wurde 1866 entdeckt und lag während der Zeit des Eisernen Vorhangs jahrzehntelang in einem streng abgeschirmten Grenzgebiet.
Heute erreicht man den Platz von Fertőrákos aus zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Rahmen organisierter Fahrten. Autos und Busse dürfen die schmale Zufahrt durch den Nationalpark nicht benutzen. Der Besuch des Heiligtums selbst ist kostenlos.
Pannonien-Tipp
Besonders gut für Radfahrer, die Mörbisch mit Fertőrákos verbinden. Hier bekommt man gleichzeitig römische Geschichte, Grenzgeschichte und Natur.
10. Fertőrákos abseits des Steinbruchs
Viele Besucher kennen Fertőrákos wegen des großen Steinbruchs und des Höhlentheaters. Der Ort selbst hat aber noch deutlich mehr zu bieten.
Zum historischen Zentrum gehören mittelalterliche Stadtmauern, ein alter Pranger, der ehemalige Bischofspalast und mehrere kleinere historische Plätze. Der römische Steinbruch bleibt zwar die bekannteste Sehenswürdigkeit, aber gerade die weniger spektakulären Details machen einen Spaziergang durch Fertőrákos interessant.
Wer ohnehin mit dem Fahrrad aus Mörbisch kommt, kann Mithras-Heiligtum und Fertőrákos gut zu einer gemeinsamen Tour verbinden.
Pannonien-Tipp
Nicht nur Steinbruch anschauen und wieder umdrehen. Fahrrad abstellen und eine Runde durch den historischen Ortskern gehen.
Welche Geheimtipps eignen sich fürs Fahrrad?
Mehrere dieser Plätze lassen sich besonders gut mit dem Fahrrad entdecken. Das gilt vor allem für die Hölle zwischen Podersdorf und Illmitz, das Sandeck, den Grenzturm bei Mörbisch, Winden am See sowie die Verbindung nach Fertőrákos.
Gerade am Neusiedler See ist das Fahrrad oft die bessere Wahl als das Auto. Viele Aussichtspunkte, kleine Wege und Landschaftsabschnitte liegen direkt an den bekannten Radrouten oder nur wenige Minuten davon entfernt.
Besonders gut kombinierbar
Podersdorf – Hölle – Illmitz
Ideal als Tagesetappe mit Natur- und Aussichtspunkten.
Mörbisch – Grenzturm – Fertőrákos – Mithras-Heiligtum
Eine der spannendsten Kombinationen aus Natur, Grenze und Geschichte.
Winden – Kirchberg – Wander Bertoni – Purbach
Kunst, Aussicht und Weinorte am Westufer.
Pannonien-Tipp
Vor der Abfahrt immer den Wind prüfen. Rund um den Neusiedler See kann eine scheinbar leichte Strecke bei starkem Gegenwind überraschend anstrengend werden.
Geheimtipps für Sonnenuntergang und Aussicht
Wer schöne Ausblicke sucht, muss nicht automatisch zum Leuchtturm nach Podersdorf.
Himmelreich Donnerskirchen
Von den Weingärten oberhalb des Ortes reicht der Blick weit über den See. Besonders am späten Nachmittag wirkt die Landschaft stark.
Kirchberg in Winden
Der erhöhte Blick über den Neusiedler See zeigt besonders gut, wie weit sich die Landschaft tatsächlich öffnet.
Grenzturm Mörbisch
Hier treffen Aussicht und Geschichte aufeinander. Von der Plattform reicht der Blick über Schilf, See und die ungarische Seite.
Jubiläumswarte bei Eisenstadt
Die Kombination aus Wald, Wiese und Blick Richtung See macht sie zu einer guten Alternative zu den bekannteren Aussichtspunkten direkt am Wasser.
Pannonien-Tipp
Für Fotos nicht erst genau zum Sonnenuntergang ankommen. Eine halbe Stunde vorher ist das Licht oft interessanter und die Plätze sind meist ruhiger.
Geheimtipps am Neusiedler See mit Kindern
Nicht jeder Geheimtipp eignet sich gleichermaßen für Familien. Besonders unkompliziert sind aber einige Ziele.
Sandeck bei Illmitz
Die weißen Esel machen den Ausflug auch für Kinder interessant. Dazu kommt die offene Landschaft des Seewinkels.
Wander Bertoni in Winden
Große Skulpturen im Freien funktionieren oft besser mit Kindern als ein klassischer Museumsbesuch.
Purbacher Kellerviertel
Ein kurzer Spaziergang durch das historische Ensemble lässt sich gut mit Eis, Radfahren oder einem Ausflug nach Purbach verbinden.
Grenzturm Mörbisch
Der Aussichtspunkt ist ein schönes Ziel für eine kurze Wanderung oder Radtour, ohne dass daraus gleich ein ganzer Tagesausflug werden muss.
Unser Familientipp
Mit Kindern lieber zwei Geheimtipps miteinander kombinieren als fünf Punkte an einem Tag abzufahren. Gerade die kleinen Entdeckungen funktionieren besser ohne Zeitdruck.
Häufige Fragen zu Geheimtipps am Neusiedler See
Gibt es am Neusiedler See überhaupt noch echte Geheimtipps?
Ja, allerdings sind es heute meist keine völlig unbekannten Orte mehr. Interessanter sind Plätze, die abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten liegen und von vielen Tagesgästen übersehen werden.
Welche Geheimtipps liegen nahe bei Podersdorf und Illmitz?
Besonders gut eignen sich die Hölle zwischen Podersdorf und Illmitz sowie das Sandeck. Beide Ziele lassen sich gut mit einer Radtour verbinden.
Gibt es Geheimtipps auf der ungarischen Seite?
Ja. Besonders interessant ist das Mithras-Heiligtum bei Fertőrákos. Auch der historische Ortskern von Fertőrákos lohnt sich abseits des bekannten Steinbruchs.
Welche Geheimtipps eignen sich für einen Sonnenuntergang?
Himmelreich Donnerskirchen, Kirchberg Winden und Grenzturm Mörbisch gehören zu den interessantesten Aussichtspunkten abseits der bekannten Seeuferplätze.
Kann man die Geheimtipps ohne Auto erreichen?
Viele davon sogar besonders gut mit dem Fahrrad. Einige Ziele liegen direkt an oder nahe bekannten Radrouten. Für abgelegenere Plätze ist ein Auto oder eine Kombination aus Bahn und Fahrrad praktischer.
Worauf sollte man im Nationalpark achten?
Schutzgebiete nur auf freigegebenen Wegen betreten, Tiere nicht füttern und sensible Flächen nicht für Fotos verlassen. Gerade im Seewinkel ist Rücksicht auf Brut- und Rastgebiete besonders wichtig.
Fazit: Die besten Geheimtipps liegen oft nur wenige Kilometer daneben
Die bekanntesten Ziele rund um den Neusiedler See sind zu Recht beliebt. Doch wer Leuchtturm, Rust, Schloss Esterházy und Seebühne bereits kennt, findet rundherum noch erstaunlich viele kleinere Entdeckungen.
Ein Aussichtspunkt oberhalb der Weingärten, ein ungewöhnliches Kunstmuseum, ein alter Grenzturm oder ein römisches Heiligtum auf der ungarischen Seite zeigen den See aus einer ganz anderen Perspektive.
Gerade dafür lohnt es sich, einmal von der klassischen Route abzuweichen. Nicht jeder dieser Plätze muss spektakulär sein – oft liegt der Reiz genau darin, dass man für eine Weile abseits der großen Besucherströme unterwegs ist.

