Furmint ist in Rust am Neusiedler See plötzlich wieder in aller Munde. Neue Weine kommen auf den Markt, die alte Rebsorte wird neu entdeckt und mit viel Aufmerksamkeit präsentiert. Manfred Karner vom Karnerhof verfolgt diese Entwicklung eher leise.
Denn bei ihm ist Furmint keine neue Mode.
Die Sorte gehört schon lange zur Geschichte des Betriebs und der Familie. Groß an die Glocke gehängt hat Karner das nie. Das passt zu einem Winzer, der lieber über den Wein spricht als über sich selbst.
Und genau deshalb lohnt es sich, seine Geschichte zu erzählen.
Plötzlich reden wieder alle über Furmint
Furmint erlebt derzeit eine bemerkenswerte Renaissance.
Die Rebsorte, die viele zuerst mit dem ungarischen Tokaj verbinden, besitzt auch in Rust eine lange Geschichte. Über Jahrhunderte gehörte sie zum Weinbau rund um den Neusiedler See, später verlor sie stark an Bedeutung.
Heute entdecken immer mehr Winzer ihre Qualitäten wieder: Frische, Struktur, Würze und die Fähigkeit, Herkunft deutlich zu zeigen. In Rust wird deshalb wieder gepflanzt, experimentiert und diskutiert.
Für Manfred Karner ist manches daran erfreulich – manches sieht er aber auch mit einem gewissen Schmunzeln. Denn manchmal entsteht fast der Eindruck, Furmint sei gerade erst entdeckt worden.
Dabei war er nie wirklich weg.
Als kaum jemand über die Sorte sprach
Interessant wird die Geschichte dort, wo es nicht um aktuelle Trends geht. Die Weinzeitschrift Vinaria nennt ausdrücklich die Familien Karner und Seiler als jene Ruster Familien, die wesentlich dazu beitrugen, dass der alte Ruster Furmint-Urklon erhalten blieb. Andere Winzer setzten später zusätzliche wichtige Impulse, unter anderem mit Pflanzenmaterial aus Tokaj.
Es gibt also nicht den einen Winzer, der den Furmint „erfunden“ oder nach Rust gebracht hätte.
Die Geschichte ist vielschichtiger. Aber der Karnerhof gehört zu jenen Betrieben, bei denen Furmint weiterlebte, als die Sorte noch weit weniger Aufmerksamkeit bekam als heute.
Manfred Karner macht daraus keine Heldengeschichte. Vielleicht gerade deshalb ist sie interessant.
Der neue Furmint: viel Wein gibt es davon nicht
Auch aktuell steht wieder ein Furmint im Keller des Karnerhofs. Die Menge ist überschaubar. Manfred Karner hat davon nicht viel gekeltert. Schade eigentlich, denn der aktuelle Wein zeigt sehr schön, warum Furmint gerade wieder so viel Aufmerksamkeit bekommt. Er wirkt eigenständig, frisch und besitzt jene Spannung, die man bei einer alten Sorte sucht, wenn sie nicht bloß als historische Kuriosität im Glas landen soll.
Hier geht es nicht darum, einen Wein wegen seiner Vergangenheit interessant zu finden.
Er muss auch heute schmecken.
Und das tut dieser Furmint.

Beim Karnerhof reicht die Geschichte weit zurück
Wer mit Manfred Karner spricht, landet irgendwann nicht nur beim Wein, sondern bei der Familie. Die Karners gehören seit Jahrhunderten zu Rust. Historische Quellen nennen Angehörige der Familie bereits im 16. Jahrhundert als Weingartenbesitzer in der Stadt. Wie weit diese Geschichte tatsächlich zurückreicht, wird durch Unterlagen deutlich, die heute im Familienbesitz erhalten sind. Und plötzlich wird aus einer alten Familienerzählung etwas sehr Konkretes.
Eines der Dokumente betrifft Matthias Karner.
Im Adelsbrief von 1715 wird er gemeinsam mit seiner Ehefrau Christina Hummer und den Söhnen Elias, Matthias und Leopold genannt.
Auch das Familienwappen wird darin ausführlich beschrieben.
Zu sehen ist ein weißer Storch auf einem grünen Hügel, im Schnabel eine Schlange. Dazu kommen rote und weiße Rosen. Der Storch ist heute eines der bekanntesten Symbole von Rust.
Dass er bereits in diesem historischen Familienwappen auftaucht, ist zumindest ein bemerkenswertes Detail.

Eine Ruster Urkunde führt die Linie weiter
Noch interessanter ist eine Bestätigung der Freistadt Rust vom 11. Jänner 1754.
Darin hält die Stadt ausdrücklich fest, dass Andreas Karner der eheliche Sohn von Elias Karner war – und damit ein direkter Nachkomme jenes Matthias Karner, der den Adelsbrief erhalten hatte. Damit lässt sich zumindest dieser Teil der Familienlinie über mehrere Generationen anhand historischer Dokumente nachvollziehen:
Matthias Karner → Elias Karner → Andreas Karner.
Das ist wesentlich konkreter als eine bloße Namensgleichheit oder eine überlieferte Familiengeschichte. Für eine vollständig dokumentierte genealogische Linie bis zu Manfred Karner müssten auch die späteren Generationen lückenlos belegt werden. Die erhaltenen Schriftstücke zeigen jedoch eindrucksvoll, wie tief die Familie Karner in der Geschichte von Rust verwurzelt ist.

Weinbau, Familie und Stadtgeschichte greifen ineinander
Genau diese Dokumente machen die Geschichte des Karnerhofs interessanter als eine gewöhnliche Betriebschronik. Es geht nicht darum, möglichst weit zurückreichende Jahreszahlen auf ein Etikett zu drucken. Spannend ist vielmehr, dass sich hier drei Dinge miteinander verbinden: die Geschichte einer Ruster Familie, die Geschichte des Weinbaus und die Geschichte einer Rebsorte, über die heute wieder viel gesprochen wird.
Furmint ist dabei fast so etwas wie ein roter Faden.
Oder besser gesagt: ein weißer.
Furmint ist keine neue Erfindung
Dass Furmint heute wieder verstärkt angebaut und präsentiert wird, ist für Rust eine gute Entwicklung. Eine alte Sorte bekommt neue Aufmerksamkeit. Neue Winzer beschäftigen sich damit. Neue Weine entstehen. Nur sollte dabei die Vergangenheit nicht verloren gehen.
Mehrere Ruster Familien haben dazu beigetragen, dass Furmint die schwierigen Jahrzehnte überstanden hat und heute wieder eine Zukunft besitzt. Der Karnerhof gehört dazu. Nicht mit großer Inszenierung.
Sondern mit Beharrlichkeit.
Und Manfred Karner?
Der passt eigentlich ganz gut zu dieser Geschichte.
Er ist keiner, der aus jeder Flasche ein großes Marketingthema macht. Auch dass seine Familie beim Erhalt des alten Ruster Furmints eine Rolle spielte, trägt er nicht ständig vor sich her.
Während rundherum heute viel über Furmint, Wiederentdeckung und Herkunft gesprochen wird, steht bei ihm einfach eine Flasche auf dem Tisch. Ein Wein, den es am Karnerhof schon länger gibt als den aktuellen Hype darum. Vielleicht ist gerade das die Pointe der Geschichte.
Manfred Karner muss den Furmint nicht neu entdecken. Er hat ihn nie wirklich vergessen.
Wer den Karnerhof kennenlernen möchte
Mehr über den Betrieb, die Weinbar und den Hof gibt es in unserem Beitrag Karnerhofs Weinbar & Vinothek.
Wer den Besuch mit einem Rundgang durch die Freistadt verbinden möchte, findet in unserem aktuellen Rust-Guide die wichtigsten Stopps und unsere Empfehlungen für einen Tag in Rust.


