Weingärten statt Sehenswürdigkeiten-Marathon: Horitschon liegt mitten im Blaufränkischland und macht aus einer einzigen Rebsorte fast ein Lebensgefühl. Wer Rotwein mag, durch die Rieden spazieren möchte oder einen entspannten Tag im Mittelburgenland sucht, sollte hier aussteigen – aber wissen, wie der Ort funktioniert.
In Horitschon muss man nicht lange rätseln, worum es geht.
Blaufränkisch.
Er steht auf den Schildern, wächst rund um den Ort und landet selbstverständlich in den Kellern der Winzer.
Horitschon bezeichnet sich selbst als Rotweindorf – und das wirkt hier nicht wie eine hastig erfundene Tourismusmarke. Der Wein prägt tatsächlich Landschaft, Veranstaltungen und viele Betriebe im Ort. Auf der offiziellen Weinseite werden zahlreiche Horitschoner Weingüter vorgestellt, vom traditionsreichen Familienbetrieb bis zum Bioweingut.
Wer allerdings eine Altstadt voller Sehenswürdigkeiten erwartet, wird sich wundern.
Horitschon funktioniert anders.
Hier geht man durch die Weingärten, schaut über die Rieden, kostet Wein – und lässt sich dabei besser etwas Zeit.
Horitschon auf einen Blick
Region: Mittelburgenland / Blaufränkischland
Ideal für: Weinfreunde, Paare, Genießer, Spaziergänger und Radfahrer
Zeitbedarf: etwa ein halber Tag, mit Weinverkostung oder Draisine ein ganzer Tag
Besonders interessant: Blaufränkischweg, Blaufränkischblick, Vinothek, Weingüter und Draisinentour
Beste Zeit: Frühjahr bis Herbst; besonders reizvoll rund um die Weinveranstaltungen
Horitschon liegt im Oberpullendorfer Becken auf rund 239 Metern Seehöhe. Nach Osten wird die Landschaft Richtung Deutschkreutz und ungarische Tiefebene zunehmend flacher – gute Voraussetzungen für entspannte Touren durch die Weinlandschaft.
Blaufränkischweg: Das ist unser erster Tipp
Wenn ihr nur eine Sache in Horitschon unternehmen wollt, nehmt den Blaufränkischweg.
Der Rundweg führt direkt durch die bekannten Weinlagen Hochäcker und Dürrau. Ausgangspunkt ist die Vinothek am Kirchenplatz. Von dort geht es hinaus in die Weingärten und anschließend wieder zurück in den Ort.
Die Strecke ist mit 2,2 Kilometern angenehm kurz. Für den Spaziergang werden rund eineinhalb Stunden angegeben.
Unterwegs erklären 13 größere und weitere kleinere Informationstafeln, was während eines Weinjahres passiert, welche Rolle Klima und Böden spielen und warum der Blaufränkisch für Horitschon so wichtig ist.
Das klingt ein bisschen nach Lehrpfad.
Ist aber wesentlich angenehmer, als das Wort vermuten lässt.
Denn eigentlich spaziert man durch die Rieden und bekommt die Information nebenbei serviert.
🧭 Pannonien Tipp
Nicht in der größten Mittagshitze losgehen. Später Nachmittag, gemütlich durch die Weingärten und danach ein Glas Blaufränkisch – so gefällt uns Horitschon deutlich besser.
Der Blaufränkischblick: Einmal über die Rieden schauen
Auf dem Blaufränkischweg wartet noch ein kleiner Fotostopp.
Der Blaufränkischblick ist eine Aussichtstreppe mitten in den Weinbergen. Von oben reicht der Blick über die Horitschoner Rieden.
Kein Aussichtsturm mit 200 Stufen.
Keine Eintrittskassa.
Einfach hinaufgehen, stehen bleiben und schauen.
Gerade das passt ziemlich gut zu Horitschon.
Nach dem Spaziergang: Ab in die Vinothek
Der Blaufränkischweg beginnt und endet bei der Vinothek Horitschon am Kirchenplatz.
Sie befindet sich laut örtlichem Weinverein im ältesten öffentlichen Gebäude des Ortes und ist damit nicht nur Weinverkaufsstelle, sondern auch der logische Startpunkt für Besucher.
Wer nicht von einem Weingut zum nächsten fahren möchte, kann sich hier zunächst einen Überblick über Horitschoner Weine verschaffen.
Das ist gerade für Besucher sinnvoll, die mit Namen, Rieden und Jahrgängen noch nicht viel anfangen können.
Erst probieren.
Dann herausfinden, welcher Stil gefällt.
Und danach vielleicht direkt zu einem Winzer.
Da Öffnungszeiten saisonal variieren können, würden wir die aktuellen Zeiten vor der Anreise noch einmal kontrollieren.
Welches Weingut sollte man besuchen?
Jetzt wird es schwieriger.
Horitschon hat keinen Mangel an Winzern.
Auf der aktuellen Weinseite des Ortes finden sich unter anderem IBY, Weninger, Paul Lehrner, A&G Gober, Kerschbaum, Iby-Lehrner, Wessely, Bioweingut Moritz, Eichenwald Weine und weitere Betriebe.
Wir würden trotzdem nicht versuchen, möglichst viele davon an einem Nachmittag abzuhaken.
Das wird irgendwann mehr Arbeit als Genuss.
Besser: ein oder zwei Weingüter aussuchen, vorher anrufen und eine Verkostung vereinbaren. Genau dazu rät auch der örtliche Weinverein für Besuche entlang des Blaufränkischweges.
So bleibt Zeit, tatsächlich etwas über den Wein zu erfahren.
Warum ist Blaufränkisch hier so wichtig?
Weil die Rebsorte hervorragend zur Gegend passt – und weil sich Horitschon über Jahrzehnte damit einen Namen gemacht hat.
Heute steht der Blaufränkisch nicht nur für einzelne Weine, sondern praktisch für das touristische Profil des Ortes.
Wer durch Hochäcker und Dürrau spaziert, läuft genau durch jene Landschaft, aus der später die Flaschen im Keller entstehen.
Und das ist für uns der eigentliche Reiz:
Man sieht nicht nur den Wein im Glas, sondern auch, wo er herkommt.
Mit Picknick durch die Weingärten
Wer den Spaziergang etwas ausbauen möchte, findet in Horitschon auch eine nette Genussvariante.
Beim Weingut A&G Gober wird aktuell ein Picknick-Rucksack mit regionalen Produkten angeboten. Darin können beispielsweise Käse, Schinken, Chutneys und weitere Spezialitäten stecken; damit geht es anschließend hinaus auf den Blaufränkischweg oder in die umliegende Landschaft. Für das Angebot ist eine vorherige Anmeldung vorgesehen.
Das gefällt uns als Idee deutlich besser als ein hastiges Mittagessen zwischen zwei Verkostungen.
Rucksack holen, Platz suchen, Pause machen.
Mehr Programm braucht es manchmal gar nicht.
Draisine: Jetzt wird aus dem Wein-Ausflug Sport
Horitschon hat noch einen ziemlich ungewöhnlichen Trumpf.
Am gemeinsamen Bahnhof Horitschon/Neckenmarkt liegt einer der beiden Endpunkte der Sonnenland Draisinentour.
Auf einer ehemaligen Bahnstrecke geht es rund 23 Kilometer zwischen Horitschon/Neckenmarkt und Oberpullendorf. Für die reine Fahrt werden etwa zwei bis zweieinhalb Stunden angegeben; mit Einschulung und Pausen sollte man eher vier bis fünf Stunden einplanen.
Und ja:
Man muss treten.
Die Fahrtrichtung wechselt je nach Datum. An geraden Tagen geht es von Horitschon/Neckenmarkt nach Oberpullendorf, an ungeraden Tagen in die Gegenrichtung. Ein Shuttle für die Rückfahrt wird angeboten.
Für 2026 läuft die Saison von Anfang April bis Anfang November, je nach Monat an mehreren Tagen pro Woche.
Für Familien, Freundesgruppen oder einen Betriebsausflug ist das eine der Aktivitäten, die einen Horitschon-Tag komplett verändern kann.
Aber: Draisine plus ausführliche Weintour am selben Tag würden wir nicht unbedingt einplanen. Beides verdient etwas Zeit.
Mit dem Fahrrad durchs Blaufränkischland
Wer lieber auf normalen Rädern unterwegs ist, landet schnell beim B40 Rotweinradweg.
Der rund 40 Kilometer lange Rundkurs führt durch das Blaufränkischland und verbindet mehrere Weinorte der Region.
Horitschon eignet sich deshalb gut als Teil einer größeren Radtour mit Deutschkreutz, Neckenmarkt und Raiding.
Das Terrain ist im Vergleich zu alpinen Regionen angenehm.
Ganz flach ist es trotzdem nicht überall – und nach drei Weinverkostungen fühlt sich bekanntlich auch der kleinste Hügel plötzlich wie der Großglockner an.
Pfarrkirche Horitschon: Ein kurzer Blick ins Ortszentrum
Wer ohnehin am Kirchenplatz startet, kann auch einen Blick auf die Pfarrkirche Horitschon werfen.
Die heutige Kirche entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Die barocke Vorgängerkirche war 1945 abgebrannt; der Neubau wurde in den Jahren 1947 bis 1949 errichtet.
Für einen eigenen Ausflug würden wir die Kirche nicht ansteuern.
Als Teil des Rundgangs durchs Ortszentrum passt sie aber gut dazu.
Wenn Horitschon feiert, stehen die Kellertüren offen
Zwei Veranstaltungen passen besonders gut zum Ort:
RotweinOpening und RotweinHerbst.
Beim RotweinOpening öffnen die teilnehmenden Winzer rund um Pfingsten ihre Keller und präsentieren ihre aktuellen Weine. 2026 fand das Fest am 23. und 24. Mai statt.
Der RotweinHerbst folgt traditionell Ende Oktober. Dann geht es um den neuen Jahrgang, Fassproben und offene Weingüter.
Wer Horitschon besonders lebendig erleben möchte, sollte sich diese Termine fürs jeweilige Jahr ansehen.
Wer lieber in Ruhe mit einem Winzer spricht, kommt dagegen besser außerhalb der großen Veranstaltungstage.
So würden wir einen halben Tag in Horitschon planen
Wir würden am Kirchenplatz beginnen.
Zuerst kurz in die Vinothek und anschließend auf den Blaufränkischweg.
Gemütlich durch Hochäcker und Dürrau laufen, beim Blaufränkischblick stehen bleiben und nach etwa eineinhalb Stunden wieder zurück in den Ort.
Danach gibt es zwei Möglichkeiten:
Variante 1: Wein.
Eine vorher vereinbarte Verkostung bei einem Horitschoner Winzer.
Variante 2: Essen und Landschaft.
Etwas essen, vielleicht Picknick organisieren und anschließend noch einen Abstecher in die Umgebung machen.
Wer die Draisinentour gebucht hat, sollte Horitschon dagegen gleich als Ausgangspunkt für einen ganzen Tagesausflug betrachten.
Essen und Trinken in Horitschon
Die Gastronomie ist überschaubarer als in größeren Tourismusorten.
Im Ort gibt es Gasthäuser, Weinbetriebe und regionale Genussangebote. Die Gemeinde führt beispielsweise den Gasthof Trummer sowie mehrere Winzer und Direktvermarkter in ihrem Tourismusbereich.
Bei Weinorten gilt aber grundsätzlich:
Vorher kontrollieren, wer tatsächlich geöffnet hat.
Viele Betriebe arbeiten mit bestimmten Ausschankzeiten, saisonalen Öffnungen oder Terminvereinbarung.
Wir würden deshalb lieber einen Betrieb gezielt auswählen, als fünf Adressen aufzuzählen, bei denen am Besuchstag womöglich die Tür zu ist.
Anreise nach Horitschon
Mit dem Auto
Für Horitschon und eine Tour durch mehrere Orte des Blaufränkischlandes ist das Auto die flexibelste Variante.
Wer Wein verkosten möchte, sollte selbstverständlich vorher festlegen, wer fährt.
Mit Bahn und Bus
Horitschon selbst besitzt heute keine reguläre direkte Bahnverbindung für den Personenverkehr mehr. Für die öffentliche Anreise ist Deutschkreutz ein wichtiger Bahnknoten in der Umgebung; bei größeren Weinveranstaltungen werden teilweise Shuttle-Verbindungen nach Horitschon angeboten.
Für eine normale Tagesfahrt sollte man deshalb die aktuelle Verbindung mit Bus beziehungsweise Bahn vor der Abfahrt prüfen.
Was kann man mit Horitschon verbinden?
Hier wird es interessant.
Denn Horitschon liegt praktisch mittendrin.
Deutschkreutz
Nur wenige Kilometer entfernt liegen Schloss Deutschkreutz, Vinothek und weitere bekannte Weingüter. Unser Reiseführer Deutschkreutz zeigt, was sich dort lohnt.
Neckenmarkt
Der nächste wichtige Weinort. Neben Blaufränkisch wartet dort mit dem Fahnenschwingen auch eine ungewöhnliche Tradition.
Raiding
Wer nach dem Wein Kultur möchte, fährt weiter nach Raiding. Dort wurde Franz Liszt geboren; Liszt Museum und Liszt Zentrum sorgen für einen völlig anderen Programmpunkt.
Blaufränkischland
Wer mehr als einen Ort kennenlernen möchte, findet in unserem großen Blaufränkischland-Reiseführer die passenden Ziele und Vorschläge für einen ganzen Tag oder ein Wochenende.
Pannonien-Tipp: Nicht nach Sehenswürdigkeiten suchen
Das klingt zunächst widersprüchlich für einen Reiseführer.
Aber:
In Horitschon sollte man nicht ständig nach der nächsten Sehenswürdigkeit suchen.
Der Spaziergang zwischen den Reben, eine Weinverkostung und ein Gespräch mit einem Winzer sind hier wahrscheinlich interessanter als ein minutiöser Besichtigungsplan.
Wer das akzeptiert, bekommt einen sehr entspannten Tag.
Wer dagegen zehn Attraktionen auf einer Liste abhaken möchte, wird vermutlich anderswo glücklicher.
Lohnt sich Horitschon?
Für Weinfreunde eindeutig.
Auch für Spaziergänger und Radfahrer funktioniert der Ort gut, weil sich das Thema Wein direkt mit Landschaft verbinden lässt.
Für Familien ist vor allem die Draisinentour interessant.
Wer mit Wein überhaupt nichts anfangen kann, muss Horitschon dagegen nicht unbedingt zum Hauptziel eines Burgenland-Urlaubs machen.
Unser Vorschlag für den ersten Besuch:
Blaufränkischweg + Vinothek + ein gutes Weingut.
Das reicht völlig.
Und wenn aus der geplanten einen Stunde beim Winzer plötzlich drei werden, hat Horitschon vermutlich alles richtig gemacht.
Häufige Fragen zu Horitschon
Was sollte man in Horitschon machen?
Für einen ersten Besuch empfehlen wir den Blaufränkischweg durch die Rieden Hochäcker und Dürrau, den Blaufränkischblick, die Vinothek und eine vereinbarte Weinverkostung.
Wie lange ist der Blaufränkischweg?
Der Rundweg ist rund 2,2 Kilometer lang. Für einen normalen Spaziergang sollte man etwa eineinhalb Stunden einplanen. Eine geführte Wanderung mit Weinverkostung dauert ungefähr zwei Stunden.
Kann man in Horitschon Wein verkosten?
Ja. In Horitschon gibt es zahlreiche Weingüter und eine Vinothek. Bei einem Besuch direkt beim Winzer empfehlen auch die örtlichen Touristiker eine vorherige Terminvereinbarung.
Ist Horitschon für einen Tagesausflug geeignet?
Ja. Für Blaufränkischweg, Vinothek und Weingut reicht ein halber bis ganzer Tag. Wer zusätzlich die Draisinentour fährt, sollte einen ganzen Tag einplanen.
Wo startet die Draisinentour bei Horitschon?
Einer der beiden Endpunkte liegt am Bahnhof Horitschon/Neckenmarkt. Die rund 23 Kilometer lange Strecke verbindet diesen mit Oberpullendorf.
Welche Orte liegen in der Nähe?
Deutschkreutz, Neckenmarkt, Raiding und Lackenbach lassen sich gut mit Horitschon kombinieren. Für einen längeren Aufenthalt lohnt es sich, mehrere Orte des Blaufränkischlandes miteinander zu verbinden.

