Ruhiges Wasser, dichter Uferwald und dann plötzlich kleine Stromschnellen: Eine Kanufahrt auf der Raab klingt zunächst nach gemütlichem Dahingleiten. Ganz so entspannt ist es nicht immer. Wir zeigen, wie die Tour abläuft, ob Anfänger klarkommen, was Kinder erwartet – und warum Wechselkleidung keine schlechte Idee ist.
Die Raab sieht vom Ufer ziemlich friedlich aus.
Im Kanu merkt man allerdings schnell:
Der Fluss macht mit.
Mal trägt einen die Strömung beinahe von selbst.
Dann muss plötzlich gepaddelt werden.
Ein Ast liegt ungünstig.
Das Wasser wird schneller.
Und irgendwann versteht man, warum der Naturpark ausdrücklich sagt, dass die Tour je nach Wasserstand, Wetter und Kondition auch körperlich fordernd sein kann.
Genau deshalb ist die Kanufahrt für uns eines der spannendsten Erlebnisse im Naturpark Raab.
Nicht Wildwasser-Rafting.
Aber eben auch keine Bootsfahrt, bei der man nur die Füße hochlegt.
Kanufahren auf der Raab auf einen Blick
Region: Naturpark Raab / Südburgenland
Start der Klassiktour: Wehranlage Neumarkt an der Raab
Strecke: etwa 4 bis 4,5 Kilometer
Dauer auf dem Wasser: etwa 1 bis 1,5 Stunden
Gesamt mit Fahrzeugtransfer: ungefähr 2 Stunden
Mindestalter: 4 Jahre
Kinder unter 12: nur mit Aufsichtsperson
Schwimmwesten: werden gestellt
Vorkenntnisse: für die Klassiktour nicht erforderlich
Anmeldung: erforderlich
Saison: Mai bis Oktober
Welche Tour würden wir beim ersten Mal nehmen?
Ganz klar:
die Klassiktour.
Sie startet an der Wehranlage in Neumarkt an der Raab und führt etwa 4 bis 4,5 Kilometer Richtung ungarische Grenze. Der Naturpark setzt dafür ungefähr eine bis eineinhalb Stunden reine Fahrzeit an.
Das ist lang genug, um wirklich etwas vom Fluss mitzubekommen.
Aber kurz genug, dass man nicht nach drei Stunden nur noch darüber nachdenkt, wann endlich der Ausstieg kommt.
Für Einsteiger ist das für uns die vernünftigste Variante.
Ist das Wildwasser?
Nein.
Burgenland Tourismus beschreibt die klassische Strecke ausdrücklich nicht als Wildwasser und nennt keine sportlichen Vorkenntnisse als Voraussetzung. Gleichzeitig weist der Naturpark selbst darauf hin, dass kleinere Stromschnellen und Hindernisse vorkommen können und die Tour je nach Wasserstand anstrengender werden kann.
Das ist die realistischere Beschreibung:
anfängertauglich – aber nicht völlig ereignislos.
Man muss paddeln.
Man muss zuhören.
Und wenn der Kanuführer sagt, jetzt gemeinsam links, sollte nicht die Hälfte des Bootes spontan rechts ausprobieren.
Wie läuft das vor dem Start ab?
Bevor es aufs Wasser geht, gibt es eine Einweisung in die Paddeltechnik.
Jeder Teilnehmer bekommt eine Schwimmweste. Abhängig von der Gruppengröße begleiten ein oder mehrere Kanuführer die Tour.
Das ist für uns ein wichtiger Punkt.
Gerade wer noch nie in einem Kanu gesessen ist, muss nicht zu Hause auf YouTube lernen, wie man das Boot gerade hält.
Man bekommt die Grundlagen vor Ort.
Und anschließend geht es gemeinsam los.
2er- oder 3er-Kanu?
Die touristischen Informationen nennen 2er- und 3er-Kanus.
Das bedeutet allerdings auch:
Teamarbeit.
Wenn vorne jemand mit Begeisterung paddelt und hinten jemand hauptsächlich Fotos macht, merkt man das irgendwann.
Für Paare oder Familien kann genau das ziemlich lustig werden.
Solange anschließend noch miteinander gesprochen wird.
Wird man nass?
Sehr wahrscheinlich zumindest ein bisschen.
Schon beim Paddeln landet Wasser im Boot.
Bei lebhafteren Passagen kann es spritzen.
Und niemand kann garantieren, dass beim Ein- oder Aussteigen nicht doch ein Fuß dort landet, wo er eigentlich nicht hin sollte.
Der Naturpark empfiehlt deshalb ausdrücklich:
Wechselkleidung inklusive Unterwäsche
Ersatzschuhe
Handtuch
und Schuhe, die nass werden dürfen.
Wir würden diese Empfehlung ernst nehmen.
Die Jeans und die guten weißen Sneaker wären nicht unsere erste Wahl.
Wo bleibt die Wechselkleidung?
Praktisch gelöst:
Die Ersatzkleidung bleibt im eigenen Fahrzeug.
Vor der Tour wird der Transfer der Fahrzeuge zur Ausstiegsstelle organisiert, sodass das Auto am Ende bereits dort wartet.
Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum die geführte Tour angenehm unkompliziert ist.
Man muss nicht überlegen:
Wer fährt das Auto?
Wie kommen wir zurück?
Brauchen wir zwei Fahrzeuge?
Der Naturpark organisiert das.
Und was ist mit Handy, Kamera und Autoschlüssel?
Hier würden wir vorsichtiger sein.
Der Naturpark übernimmt ausdrücklich keine Haftung für persönliche Wertgegenstände im Boot.
Unser Tipp:
Was nicht unbedingt aufs Wasser muss, bleibt im Auto.
Für Handy oder kleine Kamera würden wir zumindest eine wirklich wasserdichte Tasche verwenden.
Nicht „die Tasche war beim letzten Regen auch halbwegs dicht“.
Wirklich wasserdicht.
Mit Kindern: Ab vier Jahren erlaubt – aber passt das auch?
Offiziell liegt das Mindestalter bei vier Jahren. Kinder unter zwölf Jahren dürfen nur in Begleitung einer Aufsichtsperson teilnehmen.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jedes vierjährige Kind begeistert sein wird.
Eine bis eineinhalb Stunden im Boot können lang werden.
Es gibt keine Rutsche.
Kein Eis nach zehn Minuten.
Und man kann nicht einfach kurz aussteigen, weil gerade keine Lust mehr da ist.
Für kleinere Kinder würden wir deshalb ehrlich überlegen:
Mag mein Kind Wasser?
Kann es längere Zeit ruhig im Boot sitzen?
Ist das Wetter angenehm?
Wenn ja, kann es ein tolles Familienerlebnis sein.
Wenn nein, wartet die Raab auch nächstes Jahr noch.
Die Grenztour: Eine Stufe spannender
Wer etwas mehr möchte, kann die Grenztour wählen.
Sie startet beim Gemeindeamt in Mogersdorf, dauert ungefähr zwei Stunden und umfasst etwa sechs Kilometer. Gefahren wird in dem Abschnitt, in dem die Raab zwischen Österreich und Ungarn verläuft.
Auch hier begleitet ein erfahrener Kanuführer die Gruppe.
Wichtig:
Reisedokument mitnehmen.
Das ist für Pannonien natürlich besonders interessant.
Denn hier wird das Grenzüberschreitende nicht nur zum Thema des Artikels.
Man paddelt tatsächlich an der Grenze entlang.
Welche Tour ist besser?
Für den ersten Versuch:
Klassiktour.
Für alle, die bereits wissen, dass ihnen Kanufahren gefällt und die den Grenzraum stärker erleben möchten:
Grenztour.
Die Grenztour ist etwas länger und braucht mehr Zeit.
Aber sie passt besonders gut zur Idee des Naturparks Raab als gemeinsame Landschaft zwischen Österreich und Ungarn.
Und wenn zwei Stunden noch nicht genug sind?
Dann gibt es sogar ein Tageserlebnis auf der Raab.
Die Strecke führt von Neumarkt an der Raab Richtung ungarische Grenze, Alsószölnök und Mogersdorf. Sie ist etwa 11 Kilometer lang, dauert ungefähr fünf bis sechs Stunden und wird nach Vereinbarung ab sechs Erwachsenen angeboten. Dafür ist ein Reisepass erforderlich.
Das ist dann aber eine andere Liga.
Für einen normalen Urlaubstag würden wir nicht sofort damit anfangen.
Wer nach der Klassiktour sagt:
„Schade, schon vorbei“
kann sich beim nächsten Mal steigern.
Wer nach 90 Minuten sagt:
„Meine Arme sind jetzt zufrieden“
hat ebenfalls die richtige Tour gewählt.
Noch größer: Zwei Tage bis nach Ungarn
Für Gruppen gibt es sogar eine zweitägige Abenteuertour von Mogersdorf bis nach Rátót in Ungarn.
Die Strecke umfasst rund 25 Kilometer, inklusive Übernachtung. Voraussetzung sind mindestens zehn erwachsene Teilnehmer; Zelt und Schlafsack gehören mit ins Gepäck.
Das würde ich im normalen Artikel nur kurz erwähnen.
Spannend zu wissen.
Aber kein Angebot für jemanden, der am Samstagvormittag spontan einmal Kanu ausprobieren möchte.
Wann wird 2026 gefahren?
Die aktuelle Naturpark-Seite nennt für die Klassiktour von Mai bis Oktober Dienstag, Donnerstag und Samstag jeweils 10 und 14 Uhr; andere Tage sind auf Anfrage möglich. Die Grenztour wird von Mai bis Oktober montags, mittwochs, freitags und sonntags um 10 und 14 Uhr angeboten.
Es gibt allerdings bei Burgenland Tourismus für die Klassiktour teilweise eine etwas andere saisonale Terminangabe. Deshalb würde ich im dauerhaften Pannonien-Artikel nicht jede Monatsregel breit ausführen, sondern schreiben:
2026 finden während der Saison regelmäßig Vormittags- und Nachmittagstouren statt. Die aktuellen Wochentage vor der Buchung direkt beim Naturpark kontrollieren.
Das ist sauberer und altert weniger schnell.
Muss man reservieren?
Ja.
Der Naturpark nennt eine Anmeldung ausdrücklich als erforderlich.
Kontakt aktuell:
Naturpark Raab
Hauptplatz 7
8383 St. Martin an der Raab
Telefon: +43 660 1171282
E-Mail: office@naturpark-raab.at.
Was kostet die Kanufahrt?
Hier würde ich aktuell bewusst keinen fixen Normalpreis in den Artikel schreiben.
Die offiziellen Naturpark-Seiten nennen derzeit keinen regulären Preis für die Klassik- oder Grenztour. Verlässlich ausgewiesen ist aber:
15 % Rabatt mit der Burgenland Card auf die klassische Kanufahrt.
Es gibt andere 2026er Quellen, aus denen sich ein Preis ableiten ließe, aber für Pannonien würde ich bei einem schnell veränderbaren Eintritt lieber auf den Betreiber verweisen als einen möglicherweise falschen Betrag festzuschreiben.
Das ist genau unsere neue Linie:
lieber korrekt als nur vollständig.
Was passiert bei schlechtem Wetter?
Der Naturpark kann Touren bei Schlechtwetter kurzfristig telefonisch absagen. In diesem Fall fallen laut Betreiber keine Kosten an.
Auch bei starkem Regen beziehungsweise höherem Wasserstand kann die Strecke angepasst werden. Für die Klassiktour wird dann gegebenenfalls auf einen ruhigeren Staubereich ausgewichen.
Deshalb:
Telefon erreichbar halten.
Und nicht schon zwei Tage vorher beleidigt sein, wenn die Wetter-App Regen zeigt.
Entscheidend ist die Situation vor Ort.
Was zieht man an?
Keine komplizierte Outdoor-Ausrüstung nötig.
Wir würden nehmen:
Sportliche Kleidung, die nass werden darf.
Turn- oder Wasserschuhe, keine Flip-Flops.
Sonnenschutz bei gutem Wetter.
Wechselkleidung und Handtuch fürs Auto.
Je nach Temperatur leichte Jacke.
Und möglichst wenig lose Gegenstände.
Braucht man Kraft?
Ein bisschen.
Der Naturpark sagt selbst ausdrücklich, dass die Tour je nach Wasserstand, Wetter und Kondition körperlich fordernd sein kann.
Aber die Klassiktour ist kein Extremsport.
Für normal mobile Erwachsene und größere Kinder würden wir sie grundsätzlich als gut machbar einschätzen.
Wer allerdings Schulter- oder Rückenprobleme hat oder körperlich stark eingeschränkt ist, sollte vor der Buchung beim Anbieter nachfragen, ob die Tour geeignet ist.
Was sieht man unterwegs?
Vor allem:
Fluss.
Und genau darum geht es.
Die Raab mäandriert durch eine grüne Uferlandschaft. In Steilhängen leben unter anderem Eisvögel; auch Spuren von Bibern und andere Wasservögel gehören zum Naturraum.
Aber wir würden keine Tiergarantie versprechen.
Ein Eisvogel hat keinen Dienstplan.
Wenn einer vorbeifliegt: großartig.
Wenn nicht, ist die Fahrt trotzdem schön.
🧭Pannonien Tipp: Nicht die ganze Zeit fotografieren
Das klingt bei einem Reisemagazin vielleicht ungewöhnlich. Aber beim Kanu würden wir das Handy auch einmal wegpacken. Die interessantesten Momente sind sowieso jene, bei denen man beide Hände am Paddel braucht. Und vom Fluss aus sieht die Landschaft anders aus als vom Radweg. Ein paar Fotos.
Dann paddeln.
So würden wir den Ausflug kombinieren
Für eine 10-Uhr-Tour:
Kanu am Vormittag.
Danach Mittagessen.
Am Nachmittag Jennersdorf oder eine kurze Runde im Naturpark Raab.
Für eine 14-Uhr-Tour:
Vormittags Dreiländereck oder Jennersdorf.
Mittagessen.
Dann Kanu.
Und wenn am Abend Programm läuft:
Damit wird aus den 90 Minuten auf der Raab ein vollständiger Südburgenland-Tag.
Unser ausführlicher Naturpark-Raab-Artikel zeigt die weiteren Möglichkeiten der Region.
Lohnt sich Kanufahren auf der Raab?
Ja – sogar besonders dann, wenn man mit Naturparken sonst nicht viel anfangen kann.
Denn hier bekommt man kein theoretisches Naturerlebnis.
Man sitzt mittendrin.
Man muss selbst paddeln.
Man arbeitet im Boot zusammen.
Man wird vielleicht nass.
Und nach einer kleinen Stromschnelle ist plötzlich mehr los als bei einem normalen Waldspaziergang.
Für uns ist die Klassiktour ideal für:
Paare
Familien mit wasserbegeisterten Kindern
Freundesgruppen
und alle, die einen Ausflug suchen, bei dem tatsächlich etwas passiert.
Nicht ideal ist sie für Menschen, die eine reine gemütliche Bootsrundfahrt erwarten.
Denn:
Die Raab übernimmt einen Teil der Arbeit. Den Rest müsst ihr schon selbst machen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Kanufahrt auf der Raab?
Die Klassiktour dauert etwa 1 bis 1,5 Stunden auf dem Wasser. Mit organisiertem Fahrzeugtransfer sollte man insgesamt ungefähr zwei Stunden rechnen.
Wo beginnt die Klassiktour?
Bei der Wehranlage in Neumarkt an der Raab.
Muss man Kanuerfahrung haben?
Für die Klassiktour sind keine besonderen Vorkenntnisse nötig. Vor dem Start erfolgt eine Einweisung, außerdem begleitet ein Kanuführer die Gruppe.
Ab welchem Alter dürfen Kinder mitfahren?
Aktuell ab vier Jahren. Kinder unter zwölf Jahren benötigen eine Aufsichtsperson.
Wird man beim Kanufahren nass?
Das kann passieren. Der Naturpark empfiehlt deshalb Wechselkleidung, Ersatzschuhe und ein Handtuch.
Gibt es Schwimmwesten?
Ja. Jeder Teilnehmer erhält eine Schwimmweste, die während der Tour getragen werden muss.
Gibt es einen Rücktransport?
Der Transfer der Fahrzeuge zur Ausstiegsstelle wird vom Veranstalter organisiert.
Kann man mit dem Kanu nach Ungarn fahren?
Ja. Es gibt unter anderem eine Grenztour sowie längere Touren, die grenzüberschreitend führen. Dafür ist ein Reisedokument erforderlich.

