Ganz unten im Burgenland wird es plötzlich international: Von Jennersdorf sind Ungarn und Slowenien nur einen Katzensprung entfernt. Dazwischen fließt die Raab durch eine erstaunlich grüne Landschaft. Wer Burgen, Altstädte und große Museen sucht, findet anderswo mehr. Wer Natur, Radfahren, Kanufahren und ruhige Tage mag, sollte hier genauer hinschauen. (Aktualisiert August 2026)
Jennersdorf ist kein Ort, der einen schon bei der Einfahrt mit einer riesigen Sehenswürdigkeit empfängt.
Keine Burg thront über der Stadt.
Keine barocke Altstadt wartet auf Reisebusse.
Und genau deshalb muss man Jennersdorf etwas anders verstehen.
Die Stadt ist das Tor zu einer ganzen Landschaft.
Zum Naturpark Raab.
Zum Dreiländereck Österreich–Ungarn–Slowenien.
Zu Schloss Tabor.
Zu kleinen Dörfern, Wäldern und Flussauen.
Und zu einer Gegend, in der man an einem Tag tatsächlich durch drei Länder fahren kann.
Die offizielle Tourismusregion beschreibt Jennersdorf deshalb vor allem als Ausgangspunkt für Natur, Radfahren, Wandern und Kanutouren im Dreiländereck.
Jennersdorf auf einen Blick
Region: Südburgenland
Ideal für: Naturfreunde, Radfahrer, Familien, Ruhesuchende und Grenzgänger
Zeitbedarf: für die Stadt zwei bis drei Stunden, für die Region mindestens ein ganzer Tag
Unsere Highlights: Naturpark Raab, Kanufahrt auf der Raab, Freibad Jennersdorf und Schloss Tabor in der Umgebung
Besonders: Österreich, Ungarn und Slowenien liegen hier unmittelbar nebeneinander
Beste Zeit: Frühjahr bis Herbst
Gut kombinierbar mit: Schloss Tabor, Szentgotthárd, Therme Loipersdorf und weiteren Orten im Naturpark.
Jennersdorf selbst: klein, ruhig und ziemlich unaufgeregt
Der alte Pannonien-Text aus 2008 hatte in einem Punkt gar nicht so unrecht:
Hier läuft vieles etwas langsamer.
Das Zentrum ist überschaubar. Hauptplatz, Geschäfte, Cafés und Stadtpfarrkirche liegen nahe beieinander.
Man braucht keinen halben Tag für einen Stadtrundgang.
Aber gerade deshalb würden wir Jennersdorf nicht krampfhaft größer machen, als es ist.
Ein bisschen durch den Ort gehen.
Kaffee trinken.
Kirche anschauen.
Und dann raus in die Umgebung.
Denn dort beginnt der eigentlich interessante Teil.
Stadtpfarrkirche: älter, als man auf den ersten Blick denkt
Direkt beim Zentrum steht die katholische Stadtpfarrkirche zum heiligen Wenzel.
Die Pfarre Jennersdorf bestand bereits vor 1578 und stand ursprünglich in Verbindung mit der Zisterzienserabtei St. Gotthard im heutigen Ungarn. Die heutige Kirche wurde zwischen 1780 und 1800 errichtet.
Das ist ein schönes Detail für eine Grenzregion:
Schon die Kirchengeschichte zeigt, wie eng Jennersdorf und das heutige ungarische Szentgotthárd jahrhundertelang miteinander verbunden waren.
Für uns ist die Kirche kein Grund für eine eigene Anreise.
Aber wenn man sowieso im Zentrum ist:
kurz hineinschauen.
Naturpark Raab: Eigentlich beginnt hier der Urlaub
Der wichtigste Grund für einen Aufenthalt liegt außerhalb der Häuserzeilen.
Der Naturpark Raab erstreckt sich über die sieben südlichsten Gemeinden des Burgenlands und bildet gemeinsam mit dem ungarischen Őrség und dem slowenischen Goričko einen grenzüberschreitenden Naturraum.
Hier gibt es keine dramatischen Berggipfel.
Die Landschaft ist sanfter.
Wälder.
Wiesen.
Felder.
Kleine Dörfer.
Und natürlich die Raab.
Gerade das macht den Reiz aus.
Man muss hier nichts „bezwingen“.
Man kann einfach losgehen.
Oder aufs Rad steigen.
Mit dem Kanu auf der Raab: Für uns eines der stärksten Erlebnisse
Wenn wir nur eine Aktivität in der Region auswählen dürften, würden wir ernsthaft über eine Kanufahrt auf der Raab nachdenken.
Der Naturpark bietet in der Saison geführte Touren an. 2026 startete die Kanusaison Anfang Mai; je nach Route gibt es unterschiedliche Termine für klassische Touren und grenznahe Fahrten.
Das Schöne daran:
Man sieht die Landschaft aus einer Perspektive, die man vom Radweg oder von der Straße nicht bekommt.
Bäume reichen bis ans Wasser.
Die Strömung übernimmt einen Teil der Arbeit.
Und plötzlich fühlt sich das Burgenland erstaunlich wild an.
🧭Pannonien Tipp
Geführte Tour nehmen, wenn man die Raab noch nicht kennt.
Damit erspart man sich Fragen zu Einstieg, Ausstieg, Wasserstand und Rücktransport.
Und man bekommt nebenbei mehr über die Flusslandschaft mit.
Dreiländereck: Frühstück in Österreich, Kaffee in Ungarn, Abendessen in Slowenien?
Wenn irgendwo im Burgenland grenzüberschreitendes Reisen Sinn ergibt, dann hier.
Die Region Jennersdorf liegt unmittelbar zwischen Österreich, Ungarn und Slowenien. Der Naturpark wirbt deshalb auch mit Rad- und Wandertouren über Landesgrenzen hinweg.
Das ist nicht bloß ein Marketing-Gag.
Szentgotthárd liegt gleich hinter der ungarischen Grenze, Slowenien ist ebenfalls schnell erreicht.
Für einen längeren Aufenthalt würden wir deshalb bewusst einen Tag grenzüberschreitend planen.
Nicht um möglichst viele Länder abzuhaken.
Sondern weil sich Landschaft, Dörfer, Küche und Architektur innerhalb weniger Kilometer tatsächlich verändern.
Erlebnisfreibad Jennersdorf: Im Sommer eine ziemlich gute Pause
Das alte Freibad gibt es weiterhin – und 2026 durchaus mit einem ordentlichen Angebot.
Das Freibad Jennersdorf verfügt unter anderem über Erlebnisbecken, Sportbecken, Kinderbecken, eine 19 Meter lange Breitbandrutsche, Strömungskanal, Massagebereiche und große Liegewiesen. Die Stadt nennt außerdem eine solar unterstützte Warmwasseraufbereitung.
Öffnungszeiten 2026
Aktuell gelten saisonal:
23.–31. Mai sowie 16. August–15. September: 9–19 Uhr
1. Juni–15. August: 8.30–20 Uhr.
Bei den Preisen finden sich derzeit widersprüchliche Angaben in den touristischen Datenbanken: Eine Angebotsseite nennt für Erwachsene 8 Euro, eine andere Datenseite 7 Euro.
Da aktuell unterschiedliche Eintrittspreise veröffentlicht werden, empfehlen wir, den Preis vor dem Besuch direkt bei der Stadt beziehungsweise beim Freibad zu kontrollieren
Mit Burgenland Card wird der Freibadeintritt 2026 als kostenlose Leistung geführt.
Freibad mit Kindern?
Ja.
Gerade nach einer Radtour oder einem Ausflug funktioniert es gut.
Sportbecken für Schwimmer.
Rutsche und Erlebnisbecken für Kinder.
Große Liegewiese für alle, die anschließend nichts mehr tun möchten.
Mehr muss ein Freibad an einem heißen Urlaubstag eigentlich nicht können.
Bauernmuseum Jennersdorf: kurios statt Hochglanz
Auch das Bauernmuseum Jennersdorf existiert weiterhin. Das Land Burgenland führt es aktuell an der Bergsiedlung 76.
Das Museum sammelt bäuerliche Geräte und verschiedenste Alltagsgegenstände.
Allerdings würde ich die alten Pannonien-Angaben zu „Montag bis Samstag 9–17 Uhr, Eintritt frei“ nicht ungeprüft übernehmen.
Die aktuelle offizielle Museumsübersicht nennt zwar das Museum und Kontaktdaten, aber keine belastbaren aktuellen Öffnungszeiten.
Deshalb unser Rat:
Wer gezielt hinwill, vorher Kontakt aufnehmen.
Für uns ist es eine nette Ergänzung – aber nicht das Hauptargument für Jennersdorf.
Schloss Tabor: Das große Kulturziel der Region
Jetzt kommen wir zu einem der wichtigsten Punkte.
Schloss Tabor liegt nicht in der Stadt Jennersdorf, sondern in Neuhaus am Klausenbach.
Aber es gehört touristisch so stark zur Region Jennersdorf, dass es auf dieser Seite unbedingt vorkommen muss. Auch die offizielle Erlebnisregion führt Schloss Tabor als eines ihrer zentralen Highlights.
Und das zu Recht.
Das Schloss liegt inmitten der Hügellandschaft des Naturparks und gehört zu den ältesten Gebäuden im Bezirk Jennersdorf. Eine erste Wehranlage wird 1469 erwähnt; seine heutige Form erhielt Tabor im 17. Jahrhundert unter der Familie Batthyány. Seit 2019 gehört das Schloss dem Land Burgenland.
Heute wird aus dem Schloss eine Bühne
Schloss Tabor ist inzwischen vor allem Kulturort.
Im Sommer verwandelt sich der Innenhof in eine Freiluftbühne. Opern und Operetten bilden seit Jahren einen Schwerpunkt, daneben gibt es Konzerte, Theater, Ausstellungen, Kulinarikveranstaltungen und im Winter Adventprogramme.
2026 stehen beispielsweise im August und September neben der Operette „Wiener Blut“ weitere Musik-, Theater- und Kulinarikveranstaltungen im Programm
🧭Pannonien Tipp
Schloss Tabor würden wir nicht einfach irgendwann anfahren und hoffen, dass gerade etwas los ist.
Vorher Programm anschauen.
Wenn dort an diesem Abend eine Aufführung stattfindet, wird aus dem Ausflug ein richtig guter Kulturtag.
Ohne Veranstaltung ist das Schloss natürlich weiterhin sehenswert – aber sein stärkster Moment ist für uns eindeutig:
wenn der Innenhof zur Bühne wird.
Künstlerdorf Neumarkt an der Raab
Noch ein interessantes Ziel in der Region ist das Künstlerdorf Neumarkt an der Raab.
Die Tourismusregion nennt es als Kreativzentrum mit Sommerakademie und Kunst- und Handwerkskursen.
Das ist kein klassischer Sightseeing-Stopp.
Aber gerade deshalb passt es gut zu Pannonien.
Wer gerne zeichnet, malt oder kreativ arbeitet, findet hier einen völlig anderen Grund, ein paar Tage im südlichsten Burgenland zu verbringen.
Und was ist mit der Therme Loipersdorf?
Die gehört bereits zur Steiermark, liegt aber praktisch vor der Haustür der Jennersdorfer Region.
Als Schlechtwetter- oder Wellnesstag ist die Therme deshalb eine naheliegende Ergänzung.
Wir würden sie allerdings nicht als „Jennersdorfer Sehenswürdigkeit“ verkaufen.
Genauso wenig wie Schloss Tabor mitten in Jennersdorf liegt.
Saubere Geografie ist uns wichtiger als eine möglichst lange Highlights-Liste.
Radfahren rund um Jennersdorf
Die sanft hügelige Landschaft eignet sich gut fürs Rad.
Besonders spannend sind Touren, die über die Grenzen führen. Der Naturpark bewirbt ausdrücklich grenzüberschreitende Rad- und E-Bike-Erlebnisse durch Österreich, Ungarn und Slowenien.
Für normale Genussradler würden wir ein E-Bike nicht ablehnen.
„Sanfte Hügel“ bedeutet schließlich:
Es geht trotzdem bergauf.
Wer nur flache Neusiedler-See-Runden gewohnt ist, merkt den Unterschied ziemlich schnell.
Wandern: eher Landschaft als Gipfel
Auch beim Wandern gilt:
Hier geht es nicht um Höhenrekorde.
Die Wege führen durch Wälder, Flusslandschaften und kleine Dörfer. Geführte Naturparkprogramme reichen 2026 von grenzüberschreitenden Wanderungen bis zu Vollmondtouren.
Für uns ist das besonders im Frühjahr und Herbst attraktiv.
Nicht zu heiß.
Mehr Ruhe.
Und genug Möglichkeiten, unterwegs einzukehren.
So würden wir einen Tag rund um Jennersdorf planen
Vormittag – Stadt und Naturpark
Kurz durch Jennersdorf gehen, Stadtpfarrkirche anschauen und anschließend Richtung Naturpark.
Später Vormittag – Raab
Entweder Kanutour oder eine Wander-/Radrunde.
Mittag
In der Region einkehren..
Sommer: Freibad
Bei Hitze am Nachmittag ins Jennersdorfer Freibad.
Abend – Schloss Tabor
Wenn eine Veranstaltung läuft:
unbedingt dafür reservieren.
Damit bekommt man Natur und Kultur an einem Tag.
Zwei Tage? Dann über die Grenze
Bei zwei Tagen würden wir nicht denselben Naturpark noch einmal von der anderen Seite anschauen.
Dann:
Tag 1: Jennersdorf + Raab + Schloss Tabor
Tag 2: Ungarn und/oder Slowenien
Gerade die Lage am Dreiländereck ist schließlich der größte Vorteil dieser Region.
Was liegt rund um Jennersdorf?
Schloss Tabor
Unser stärkster Kulturtipp in der Region.
Szentgotthárd
Direkt hinter der ungarischen Grenze und historisch eng mit Jennersdorf verbunden.
Naturpark Raab
Das eigentliche Naturerlebnis der Region – mit Wandern, Radfahren und Kanutouren.
Güssing und Heiligenbrunn
Wer seinen Südburgenland-Aufenthalt Richtung Norden verlängert, findet dort Burg, Kellerviertel und Uhudler.
Südburgenland
Jennersdorf ist der südöstlichste Baustein unseres großen Südburgenland-Reiseführers
🧭Pannonien Tipp: Jennersdorf nicht als Stadtbesichtigung planen
Das ist wahrscheinlich der wichtigste Rat.
Wer morgens ankommt und fragt:
„Wo sind jetzt die zehn Sehenswürdigkeiten?“
wird enttäuscht sein.
Jennersdorf funktioniert als Basis für die Region.
Die Stadt anschauen. Dann raus. An die Raab. Über die Grenze. Zum Schloss Tabor. Vielleicht ins Freibad. Und anschließend irgendwo gut essen.
So ergibt Jennersdorf Sinn.
Lohnt sich Jennersdorf?
Ja – aber nicht wegen einer klassischen Altstadt oder einer monumentalen Sehenswürdigkeit.
Jennersdorf lohnt sich, weil hier vieles zusammenkommt:
Naturpark
Raab
Dreiländereck
Rad- und Kanutouren
Schloss Tabor
und eine Landschaft, die deutlich ruhiger wirkt als die touristisch stärkeren Regionen rund um den Neusiedler See.
Wer Action rund um die Uhr sucht, wird woanders glücklicher.
Wer gerne mit dem Rad zwischen drei Ländern unterwegs ist, morgens auf der Raab paddelt und abends Kultur auf Schloss Tabor sehen möchte:
der sollte Jennersdorf nicht mehr übersehen.
Häufige Fragen zu Jennersdorf
Was sollte man in Jennersdorf gesehen haben?
In der Stadt selbst empfehlen wir einen kurzen Rundgang mit Stadtpfarrkirche. Die stärkeren Erlebnisse liegen in der Umgebung: Naturpark Raab, Kanufahrten, Schloss Tabor und das Dreiländereck.
Liegt Schloss Tabor in Jennersdorf?
Nein. Schloss Tabor liegt in Neuhaus am Klausenbach, gehört aber zur Tourismusregion beziehungsweise zum Bezirk Jennersdorf und ist eines der wichtigsten Kulturziele der Umgebung.
Kann man auf der Raab Kanu fahren?
Ja. Der Naturpark Raab bietet in der Saison geführte Kanutouren auf unterschiedlichen Routen an. 2026 startete die Saison Anfang Mai.
Gibt es in Jennersdorf ein Freibad?
Ja. Das Erlebnisfreibad besitzt Sport-, Erlebnis- und Kinderbecken, eine 19 Meter lange Breitbandrutsche und große Liegeflächen
Ist Jennersdorf für Familien geeignet?
Ja – vor allem durch Freibad, Naturpark, Radfahren und Kanutouren. Für einen reinen klassischen Stadtbesichtigungstag gibt es allerdings spannendere Orte.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Für Jennersdorf selbst reichen wenige Stunden. Um Naturpark, Raab und Schloss Tabor einzubauen, würden wir mindestens einen ganzen Tag, besser zwei Tage einplanen.


