Weiße Kellerhäuschen, Strohdächer und dazwischen ein Wein, der schon am Geruch die Geister scheidet: Heiligenbrunn ist eines jener Dörfer, bei denen das Südburgenland plötzlich aussieht wie aus einem alten Reisefilm. Das historische Kellerviertel ist der Star – doch wer nur schnell ein Foto macht und wieder fährt, verpasst die spannendere Hälfte.
Man fährt eine kleine Straße hinauf.
Dann stehen sie plötzlich da.
Weiße Weinkeller mit mächtigen Strohdächern, verstreut zwischen Wiesen und Weinbergen.
Keine künstliche Museumsstraße. Kein nachgebautes Weindorf.
Das historische Kellerviertel besteht aus weit über hundert Kellerbauten. Viele stehen unter Denkmalschutz, einige tragen bis heute ihre charakteristischen Strohdächer. Manche Keller sind mehr als 250 Jahre alt.
Und genau hier fühlt sich das Südburgenland plötzlich ziemlich weit weg vom Alltag an.
Heiligenbrunn auf einen Blick
Region: Südburgenland / Weinidylle
Ideal für: Genießer, Paare, Fotografen, Weinfreunde, Wanderer und Ruhesuchende
Zeitbedarf: mindestens zwei bis drei Stunden, besser ein halber Tag
Unsere Highlights: historisches Kellerviertel, Uhudler, Ulrichskapelle und Quelle, Schachblumenwiesen in Hagensdorf und Luising
Besonders schön: Frühjahr und Herbst
Gut kombinierbar mit: Güssing, Moschendorf, Eisenberg und weiteren Orten der Weinidylle
Die Gemeinde Heiligenbrunn besteht aus mehreren Ortsteilen. Gerade dadurch liegen einige der interessantesten Naturziele – etwa die Schachblumenwiesen von Hagensdorf und Luising – nicht unmittelbar beim Kellerviertel, gehören aber zur Gemeinde.
Das Kellerviertel: Dafür fährt man nach Heiligenbrunn
Es gibt Orte, bei denen man lange erklären muss, warum sie besonders sind.
Hier reicht eigentlich ein Blick.
Die alten Weinkeller schmiegen sich an den Hang. Viele wurden als Holzblockbauten errichtet, mit Lehm verputzt und teilweise bis heute mit Stroh gedeckt. In manchen stehen noch alte Weinpressen.
Die Gebäude stammen überwiegend aus einer Zeit, in der ein Weinkeller tatsächlich noch ein Arbeitsgebäude war.
Kein Ferienhaus mit Whirlpool.
Kein Design-Kellerstöckl mit Panoramafenster.
Hier wurde gepresst, gelagert und gearbeitet.
Genau das sieht man den Häusern noch an.
Warum haben diese Keller überhaupt Strohdächer?
Weil früher verwendet wurde, was vorhanden war.
Die dicken Strohdächer schützten die einfachen Kellergebäude und prägen heute das Bild, für das Heiligenbrunn bekannt ist.
Das Problem:
Ein solches Dach zu erhalten ist deutlich aufwendiger als ein modernes Ziegeldach. Deshalb sind die noch vorhandenen strohgedeckten Keller inzwischen ein besonders wertvoller Teil des Ensembles.
Unser Rat:
Nicht nur die Hauptstraße entlanggehen.
Ein bisschen zwischen den Kellern herumspazieren, auf Details achten und ruhig auch einmal stehen bleiben.
Heiligenbrunn funktioniert nicht im Laufschritt.
Führung oder alleine spazieren?
Alleine funktioniert gut.
Mit Führung versteht man allerdings deutlich mehr.
2026 werden im Kellerviertel regelmäßig Samstagsführungen um 15.30 Uhr angeboten. Der Treffpunkt ist bei der Rübezahl-Statue, die Führung umfasst unter anderem Ulrichskapelle, Schaukeller sowie Informationen zum Kellerviertel und zum Uhudler. Aktuell kostet die Teilnahme 5 Euro pro Person; laut Veranstalter ist keine Anmeldung erforderlich.
Gerade beim ersten Besuch würden wir so eine Führung mitnehmen.
Denn irgendwann stellt man sich zwischen all den Kellern ohnehin die Fragen:
Warum stehen die hier?
Warum sind manche strohgedeckt?
Und was hat es mit diesem Uhudler eigentlich auf sich?
Uhudler: Entweder man mag ihn – oder man diskutiert darüber
Jetzt wird es geschmacklich interessant.
Heiligenbrunn gilt als eine Heimat des Uhudlers.
Und Uhudler ist kein Wein, der sich schüchtern im Glas versteckt.
Sein charakteristischer Duft erinnert viele an Erdbeeren oder Waldbeeren. Andere beschreiben ihn etwas weniger romantisch.
Wir sagen es so:
Man erkennt ihn.
Und zwar ziemlich schnell.
Gerade deshalb sollte man ihn wenigstens einmal probieren.
Muss ich Weinexperte sein?
Überhaupt nicht.
Das Kellerviertel ist gerade für Menschen interessant, die sonst nicht jeden Samstag mit Weinjournal und Verkostungsblock unterwegs sind.
Wer möchte, kann bei Betrieben in der Gegend eine Uhudlerverkostung beziehungsweise Kellerführung vereinbaren. Solche Angebote werden aktuell beispielsweise von lokalen Uhudler-Winzern in Verbindung mit dem historischen Kellerviertel angeboten.
Unser Tipp:
Nicht zehn verschiedene Uhudler hintereinander trinken, nur weil man schon einmal da ist.
Zwei oder drei probieren.
Unterschiede suchen.
Und dann entscheiden, ob man zur Fraktion „herrlich“ oder „interessant“ gehört.
Eine Quelle gab Heiligenbrunn seinen Namen
Bevor man sich komplett dem Wein widmet, lohnt sich ein kleiner Abstecher zur Ulrichskapelle.
Unterhalb der Pfarrkirche befindet sich eine Quelle, die bereits 1198 urkundlich als „heilige Quelle“ erwähnt wurde. Sie gab dem Ort seinen Namen. Der Überlieferung nach wurde dem Wasser eine heilende Wirkung zugeschrieben.
Damit bekommt „Heiligenbrunn“ plötzlich eine ziemlich logische Bedeutung:
heiliger Brunnen.
Die Quelle liegt bei der kleinen, dem heiligen Ulrich geweihten Kapelle.
Wir würden sie direkt in einen Rundgang durchs Kellerviertel einbauen.
Wunderwasser?
Das würden wir nicht versprechen.
Historische Überlieferung und medizinischer Nachweis sind schließlich zwei verschiedene Dinge.
Aber als Teil der Ortsgeschichte ist die Quelle spannend.
Und sie zeigt, dass Heiligenbrunn schon lange vor dem heutigen Uhudler-Tourismus ein besonderer Ort war.
Im Frühling wartet noch eine botanische Überraschung
Wer im frühen Frühjahr kommt, sollte einen zweiten Ort auf der Karte markieren:
Hagensdorf und Luising.
Dort liegen zwei streng geschützte Schachblumenwiesen. Nach Angaben der Gemeinde bilden sie das größte Schachblumenvorkommen Österreichs. Die seltene Schachblume gilt in Österreich als vom Aussterben bedroht.
Die Blüten sehen tatsächlich aus, als hätte jemand ein kleines Schachbrettmuster darauf gemalt.
Violett.
Manchmal heller.
Und ziemlich ungewöhnlich.
Aber bitte nur anschauen
Die Schachblumenwiesen stehen unter Vollnaturschutz.
Die Regel ist deshalb einfach:
Fotografieren ja. Pflücken nein.
Außerdem ist die Blütezeit kurz und wetterabhängig.
2026 meldete die Gemeinde bereits Anfang März die ersten blühenden Schachblumen. Wer gezielt deswegen anreisen möchte, sollte vorher unbedingt den aktuellen Blütenstand kontrollieren.
Wann ist Heiligenbrunn besonders schön?
Wir würden zwei Zeiten hervorheben.
Frühling
Die Landschaft wird grün, die Temperaturen passen zum Wandern und mit etwas Glück blühen die Schachblumen.
Herbst
Dann passt eigentlich alles zusammen.
Weinlese.
Sturm.
Keller.
Färbende Weinberge.
Und genau deshalb ist Heiligenbrunn eines unserer starken Herbstziele im Südburgenland.
Uhudler-Sturmfest: Dann ist es mit der Ruhe vorbei
Wer Heiligenbrunn normalerweise als stilles Kellerviertel kennt, erlebt beim Uhudler-Sturmfest einen völlig anderen Ort.
2026 findet das Fest am 26. September ab 11 Uhr statt. Im Mittelpunkt stehen frischer Uhudler-Sturm, Wein, regionale Küche und Musik. Die Veranstaltung zieht nach Angaben der Erlebnisregion jedes Jahr mehrere tausend Besucher an.
Das kann großartig sein.
Aber:
Wer wegen Ruhe und Fotomotiven kommt, sollte einen anderen Tag wählen.
Wer feiern, kosten und Leute treffen möchte:
Dann ist genau dieser Samstag richtig.
Kellerstöckl: Am besten einfach über Nacht bleiben?
Eigentlich ja.
In der gesamten Weinidylle gibt es zahlreiche ehemalige Kellergebäude, die heute als Ferienunterkünfte genutzt werden.
Und gerade hier ergibt das Sinn.
Denn abends, wenn viele Tagesgäste verschwunden sind, wird es rund um die Weinberge besonders ruhig.
Dann muss auch niemand mehr diskutieren, wer nach der Weinverkostung noch Auto fährt.
Für einen Kurzurlaub im Südburgenland würden wir eine Übernachtung in einem Kellerstöckl deshalb zumindest einmal ausprobieren.
Wandern statt Keller-Hopping
Heiligenbrunn eignet sich außerdem gut als Ausgangspunkt für Spaziergänge und längere Touren durch die Weinidylle.
Die Landschaft besteht aus Weinbergen, Streuobstwiesen, Wäldern und kleinen Tälern. Die Region ist Teil des Naturparks in der Weinidylle, der unterschiedliche Lebensräume vom Trockenrasen bis zu Feuchtwiesen schützt.
Und das ist für uns der entscheidende Punkt:
Nicht von Keller zu Keller mit dem Auto fahren.
Zumindest einen Teil zu Fuß gehen.
Dann bekommt man ein völlig anderes Gefühl für die Gegend.
Essen und Buschenschank
Was passt nach einem Spaziergang durchs Kellerviertel?
Keine komplizierte Antwort:
Buschenschank.
Uhudler, Brot, Aufstriche, Käse, Fleisch und regionale Produkte gehören hier einfach dazu.
Allerdings ändern sich Ausschankzeiten regelmäßig. Deshalb würden wir in einer dauerhaften Ortsseite keine zehn Betriebe mit vermeintlich ewigen Öffnungszeiten auflisten.
Besser ist der aktuelle Buschenschankkalender der Weinidylle beziehungsweise ein Blick auf die jeweiligen Betriebe vor dem Besuch.
So vermeiden wir, dass jemand wegen unserer Empfehlung vor einer geschlossenen Tür steht.
🧭 Pannonien Tipp: Nicht nur für das Foto kommen
Natürlich: Die Strohdächer sind fotogen. Sehr sogar.
Aber Heiligenbrunn nur als Instagram-Kulisse zu behandeln, wird dem Ort nicht gerecht.
Nehmt eine Führung mit. Probiert einen Uhudler. Geht zur Quelle. Und bleibt danach noch ein bisschen zwischen den Weinbergen.
Dann versteht man eher, warum das Kellerviertel erhalten werden soll. Und warum hier nicht einfach ein paar hübsche alte Häuser herumstehen.
So würden wir einen halben Tag planen
Start: Ulrichskapelle und Quelle
Zuerst kurz zur Quelle, bei der die Geschichte des Ortes beginnt.
Danach: Kellerviertel
Langsam durch die historischen Kellerreihen gehen.
Fotografieren.
Details anschauen.
Wenn möglich: Führung
Samstags 2026 um 15.30 Uhr bietet sich die reguläre Kellerviertelführung an.
Anschließend: Uhudler
Eine Verkostung beziehungsweise einen Buschenschankbesuch einplanen.
Und dann?
Nichts mehr.
Nicht noch drei Burgen, zwei Museen und einen Aussichtsturm in den Nachmittag quetschen.
Heiligenbrunn mit Güssing kombinieren
Wer einen ganzen Tag zur Verfügung hat, bekommt eine sehr gute Kombination:
Vormittag Güssing. Nachmittag Heiligenbrunn.
Erst Burg, Basilika und Stadt.
Dann hinunter in die Weinidylle und zwischen den Kellern entspannen.
Das sind zwei komplett unterschiedliche Seiten des Südburgenlandes – und die Orte liegen nah genug beieinander, um daraus keinen Autofahrt-Marathon zu machen.
Unser neuer Güssing-Reiseführer passt deshalb perfekt als nächster Artikel.
Was liegt sonst noch in der Nähe?
Moschendorf
Hier dreht sich ebenfalls vieles um Wein und regionale Geschichte.
Eisenberg
Für Blaufränkisch-Fans einer der wichtigsten nächsten Stopps im Südburgenland.
Güssing
Burg, Batthyány-Geschichte und Güssinger Teiche machen daraus das stärkste klassische Ausflugsziel der Gegend.
Südburgenland
Wer mehr als einen Tagesausflug plant, findet in unserem großen Südburgenland-Reiseführer weitere Vorschläge für Wein, Burgen, Natur und Thermen.
Lohnt sich Heiligenbrunn?
Ja. Und zwar gerade deshalb, weil hier nicht viel „gemacht“ wurde.
Das historische Kellerviertel wirkt nicht wie eine künstliche Erlebniswelt.
Es ist klein.
Ruhig.
Manchmal fast verschlafen.
Aber genau darin liegt der Reiz.
Wer große Attraktionen, Shops und Dauerbespaßung sucht, wird nach einer Stunde weiterfahren.
Wer dagegen alte Kulturlandschaften, Wein und Orte mit eigener Geschichte mag, sollte länger bleiben.
Unser Vorschlag für den ersten Besuch:
Kellerviertel + Quelle + Uhudler.
Und im Frühling:
Schachblumen dazu.
Mehr braucht Heiligenbrunn eigentlich nicht.
Häufige Fragen zu Heiligenbrunn
Was sollte man in Heiligenbrunn gesehen haben?
Der wichtigste Ort ist das historische Kellerviertel mit seinen alten, teilweise strohgedeckten Weinkellern. Dazu empfehlen wir die Ulrichskapelle mit der Quelle sowie – im Frühling – die Schachblumenwiesen von Hagensdorf und Luising.
Wie alt sind die Weinkeller in Heiligenbrunn?
Viele Keller stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
Gibt es Führungen durchs Kellerviertel?
Ja. 2026 finden unter anderem samstags um 15.30 Uhr Führungen statt. Treffpunkt ist bei der Rübezahl-Statue; aktuell kostet die Teilnahme 5 Euro.
Was ist Uhudler?
Uhudler ist eine regionale Weinspezialität, die besonders eng mit dem Südburgenland verbunden ist. Heiligenbrunn gilt als eine seiner Hochburgen.
Wann blühen die Schachblumen?
Die Blüte liegt im frühen Frühjahr und dauert nur kurze Zeit. Der genaue Zeitpunkt hängt stark vom Wetter ab. Vor einer gezielten Anreise sollte deshalb der aktuelle Blütenstand bei der Gemeinde kontrolliert werden.
Wie viel Zeit sollte man für Heiligenbrunn einplanen?
Für einen schnellen Rundgang reichen ein bis zwei Stunden. Mit Führung, Uhudlerverkostung und Einkehr würden wir mindestens einen halben Tag einplanen.

