Einsturz am Friedhof bringt alte Unterwelt-Story zurück

Krensdorf, Burgenland – Rückblick auf einen Fund von 1958 und neue Fragen bis heute

Als Totengräber Karl Koch am 20. April 1958 am Krensdorfer Friedhof neben der Pfarrkirche ein Grab aushob, stieß er plötzlich auf eine Höhle. Die Bestattung wurde verschoben, das Landesmuseum in Eisenstadt verständigt. Nach der Untersuchung erklärte der Archäologe Dr. Ohrenberger den Fund zum sogenannten Erdstall – ein unterirdisches Gangsystem, dessen Öffnung offenbar der Belüftung diente.

Bald darauf wagten sich neugierige Dorfbewohner selbst hinunter. Sie berichteten von einem Tunnelnetz rund fünf Meter unter der Oberfläche, kreisförmig angelegt, mit Holzpfählen gestützt und kleinen Nischen in den Wänden. Die Gänge waren nur kurze Strecken passierbar, danach wieder verschüttet. Eine heute betagte Zeitzeugin erinnerte sich später, selbst hinabgestiegen zu sein und die Tunnelstruktur deutlich gesehen zu haben.

Auffällig blieb über Jahre, dass die Gräber im Friedhof immer wieder leichte Senkungen zeigten. Als mögliche Ursache gelten genau diese unterirdischen Hohlräume. Wozu das System diente, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Manche Historiker vermuten Schutzräume für die Bevölkerung in Zeiten von Gefahr. Häufig wird ein Zusammenhang mit den Türkenkriegen genannt – Belege in Chroniken fehlen jedoch.

Andere Hinweise deuten noch weiter zurück, möglicherweise bis zu den Tataren­einfällen des 13. Jahrhunderts. Im Ort hält sich zudem hartnäckig die Erzählung, die Tunnel könnten einst in Richtung Burg Forchtenstein geführt haben. Fachleute weisen diese Vorstellung als Dorflegende zurück und sehen eher eine lokale Anlage ohne Fernverbindung.

Neue Aufmerksamkeit bekam das Thema im Mai 2009, als erneut ein Grab einbrach. Ein Gemeindemitarbeiter dokumentierte die Stelle und berichtete, man könne rund 15 Meter weit in einen Gang blicken. Ein Foto existiert, wurde jedoch nicht veröffentlicht. Offiziell hieß es, man wolle aus Pietätsgründen darauf verzichten. Im Landesmuseum zeigte man sich überrascht – dort war seit Jahrzehnten kein neuer Fund gemeldet worden.

Zusätzliche Spannung bringt nun ein anderes Projekt außerhalb des Ortes. Bei geplanten Bauarbeiten für ein Hochwasserschutzbecken Richtung Sigleß erwarten Archäologen weitere Entdeckungen. Luftbilder sollen Hinweise auf eine römische Villa liefern, zudem rechnen Fachleute mit Funden aus der Bronzezeit. Sollte sich das bestätigen, könnte die Region archäologisch noch für Schlagzeilen sorgen.

6 Antworten zu „Einsturz am Friedhof bringt alte Unterwelt-Story zurück“

  1. Avatar von Hannes H
    Hannes H

    Gut und schön, aber wie reagiert die Gemeinde, falls wirklich diese römische Villa gefunden wird? Außerdem haben diese Erdställe (freigeschaufelt) genug geheimnisvolles Potential.

  2. Avatar von Ilse Madner
    Ilse Madner

    Vielleicht ist die Einsturzgefahr zu groß. Es würde wahrscheinlich zuviel Geld kosten, die Tunnel zu sichern. Interessant wärs natürlich schon, herauszufinden, wohin sie führen. Aber dann wäre es kein Geheimnis mehr. Kein Raum mehr für Spekulationen und „Geschichten“ – wie schade! ;-)) !

  3. Avatar von Heiko
    Heiko

    Nun, Vermutungen sind das nicht, weil die ganze Geschichte im Landesmuseum aufliegt. Die unterirdischen Gänge gibt es tatsächlich. Der Bericht sagt auch, dass auf der Gemeinde ein Foto liegt. Ausserdem führt der Tunnel sicher auch nach ausserhalb des Friedhofes. Warum geht man diesen Erdställen nicht nach. In Europa gibts davon ca 2000. Leider gibt es bis jetzt keinen konkreten Aufschluss über die Entstehung und Zeitalter

  4. Avatar von Ilse Madner
    Ilse Madner

    Wieso verbergen wollen? Glaub ich nicht. Fluchttunnel ist sicher eine gute Erklärung, Kriege hats ja leider gegeben. Auf wertvollen Schätzen „sitzt“ Krensdorf höchstwahrscheinlich nicht. Nur wegen ein paar Vermutungen einen Friedhof umgraben zu wollen, steht, denke ich, sicher nicht dafür . . .

  5. Avatar von joe rossi
    joe rossi

    sehr interessant! da scheint die gemeinde etwas verbergen zu wollen, den wegen der „pietät“ kann es ja wohl nicht sein.
    apropos fluchttunnel: auch in güssing wird imer wieder gemutmaßt, es gäbe einen tunnel, der von der burg ca. 4km weiter nördlich richtung tobaj/tobajer kogel führt.

  6. Avatar von Ilse Madner
    Ilse Madner

    Was sich wirklich alles unter dem Krensdorfer Kirchenhügel verbirgt, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Gerade deshalb ist die Geschichte ja so geheimnisumwoben und spannend! Danke für den schönen Beitrag!

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6 Comments

  1. Gut und schön, aber wie reagiert die Gemeinde, falls wirklich diese römische Villa gefunden wird? Außerdem haben diese Erdställe (freigeschaufelt) genug geheimnisvolles Potential.

  2. Ilse Madner

    Vielleicht ist die Einsturzgefahr zu groß. Es würde wahrscheinlich zuviel Geld kosten, die Tunnel zu sichern. Interessant wärs natürlich schon, herauszufinden, wohin sie führen. Aber dann wäre es kein Geheimnis mehr. Kein Raum mehr für Spekulationen und „Geschichten“ – wie schade! ;-)) !

  3. Nun, Vermutungen sind das nicht, weil die ganze Geschichte im Landesmuseum aufliegt. Die unterirdischen Gänge gibt es tatsächlich. Der Bericht sagt auch, dass auf der Gemeinde ein Foto liegt. Ausserdem führt der Tunnel sicher auch nach ausserhalb des Friedhofes. Warum geht man diesen Erdställen nicht nach. In Europa gibts davon ca 2000. Leider gibt es bis jetzt keinen konkreten Aufschluss über die Entstehung und Zeitalter

  4. Ilse Madner

    Wieso verbergen wollen? Glaub ich nicht. Fluchttunnel ist sicher eine gute Erklärung, Kriege hats ja leider gegeben. Auf wertvollen Schätzen „sitzt“ Krensdorf höchstwahrscheinlich nicht. Nur wegen ein paar Vermutungen einen Friedhof umgraben zu wollen, steht, denke ich, sicher nicht dafür . . .

  5. sehr interessant! da scheint die gemeinde etwas verbergen zu wollen, den wegen der „pietät“ kann es ja wohl nicht sein.
    apropos fluchttunnel: auch in güssing wird imer wieder gemutmaßt, es gäbe einen tunnel, der von der burg ca. 4km weiter nördlich richtung tobaj/tobajer kogel führt.

  6. Ilse Madner

    Was sich wirklich alles unter dem Krensdorfer Kirchenhügel verbirgt, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Gerade deshalb ist die Geschichte ja so geheimnisumwoben und spannend! Danke für den schönen Beitrag!

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