Eine 30-Kilo-Fahne, Weinberge, ein rätselhaftes Bronzeobjekt und ein Wanderweg auf den Spuren der Römer: Neckenmarkt ist weit mehr als nur der nächste Weinort im Blaufränkischland. Wer genauer hinschaut, entdeckt hier ziemlich ungewöhnliche Geschichten.
Wer nach Neckenmarkt kommt, wird zuerst wahrscheinlich eines sehen:
Wein.
Weingärten ziehen sich über die Hügel, Winzer prägen den Ort und natürlich spielt auch hier der Blaufränkisch die Hauptrolle.
Das allein wäre im Mittelburgenland allerdings noch keine große Überraschung.
Dann erfährt man plötzlich von einer riesigen Fahne, die seit Jahrhunderten nach einem genau festgelegten Ritual geschwungen wird.
Von einer alten römischen Straße mitten durch die Weinberge.
Und von einem rätselhaften Bronzeobjekt, bei dem bis heute niemand so ganz genau weiß, wofür es ursprünglich gedacht war.
Jetzt wird Neckenmarkt interessant.
Neckenmarkt auf einen Blick
Region: Mittelburgenland / Blaufränkischland
Ideal für: Weinfreunde, Wanderer, Kulturinteressierte und Radfahrer
Zeitbedarf: halber bis ganzer Tag
Unsere Highlights: Fahnenschwingen, Fahnenschwinger- und Weinbaumuseum, WeinSteinWeg, Vinothek und Haschendorfer Kultobjekt
Besonders interessant: rund um den „Tag der Fahne“ und während der Weinveranstaltungen
Neckenmarkt gehört mit seinen zahlreichen Weinbaubetrieben zu den klassischen Weinorten des Blaufränkischlandes. Neben dem Hauptort gehört auch Haschendorf zur Gemeinde.
Die Fahne, die einen ganzen Ort bewegt
Fangen wir mit dem an, was Neckenmarkt wirklich von anderen Weinorten unterscheidet.
Dem Fahnenschwingen.
Jedes Jahr am Sonntag nach Fronleichnam zieht der Ort historische Kleidung aus dem Kasten. Ein Fähnrich schwingt die große Fahne nach überlieferten Regeln, begleitet von Mitgliedern der Burschenschaft in historischen Uniformen.
Das ist keine neu erfundene Touristenveranstaltung.
Der Brauch erinnert an Ereignisse aus dem Jahr 1620, als Neckenmarkter Bauern Nikolaus Esterházy während der Schlacht bei Lackenbach unterstützten. Als Dank erhielten sie unter anderem das Privileg einer Fahne.
Seit 2018 gehört das Neckenmarkter Fahnenschwingen zum österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Das Wissen über Technik, Rollen und Ablauf wird innerhalb des Ortes von Generation zu Generation weitergegeben.
Und wer glaubt, man müsse eine Fahne einfach nur ein bisschen hin und her bewegen, unterschätzt die Sache gewaltig.
Beim Fahnenschwingen 2026 wog die verwendete Fahne laut ORF rund 30 Kilogramm.
Wann kann man das Fahnenschwingen sehen?
Der wichtigste Termin ist der sogenannte Umgangssonntag, der Sonntag nach Fronleichnam.
Schon in den Wochen davor beginnen die Vorbereitungen. Ein Fähnrich wird gewählt, die Rollen werden verteilt, das Schwingen wird geübt und am Vortag wird traditionell ein großer Burschenbaum aufgestellt.
🧭 Pannonien Tipp
Wer die Wahl hat, sollte Neckenmarkt einmal genau an diesem Wochenende besuchen. Dann erlebt man den Ort völlig anders als an einem normalen Dienstagvormittag.
Das Museum zur Fahne – und zum Wein
Wer nicht gerade am Umgangssonntag in Neckenmarkt ist, kann sich die Geschichte im Fahnenschwinger- und Weinbaumuseum ansehen.
Das Museum verbindet die beiden großen Themen des Ortes:
Wein und Brauchtum.
Alte Geräte zeigen, wie früher in den Weingärten gearbeitet wurde. Gleichzeitig wird die Geschichte des Fahnenschwingens mit Uniformen, Fahnen und historischen Gegenständen erklärt. Bereits 1920 gab es in Neckenmarkt eine eigene Rebschule.
Praktische Infos zum Museum
Stand August 2026 kostet der reguläre Eintritt 3 Euro, Kinder bis zwölf Jahre besuchen das Museum kostenlos. Führungen sind nach Voranmeldung möglich. Mit der Burgenland Card ist der Eintritt im Leistungszeitraum 2026/27 kostenlos.
Aktuell werden folgende Öffnungszeiten angegeben:
Donnerstag bis Samstag: 15–19 Uhr
Sonntag: 14–18 Uhr
Da Öffnungszeiten und Saisonbetrieb wechseln können, vor einer längeren Anreise noch einmal kontrollieren.
WeinSteinWeg: Hier läuft man nicht einfach nur durch Weingärten
Wer Neckenmarkt kennenlernen möchte, sollte anschließend raus aus dem Ort.
Der WeinSteinWeg führt auf rund elf Kilometern durch die sanft hügeligen Weinberge. Teile der Route verlaufen auf den Spuren der alten römischen Bernsteinstraße. Unterwegs passiert man Kapellen, Denkmäler, Aussichtspunkte und natürlich jede Menge Reben.
Informationstafeln stehen passend zum Namen auf Steinen aus dem Neckenmarkter Steinbruch und erklären die jeweiligen Rieden, Rebsorten und Böden.
Für uns ist das eine der besten Möglichkeiten, Neckenmarkt zu erleben.
Denn auch hier gilt:
Die Landschaft ist ein Teil der Sehenswürdigkeit.
Donatuskapelle und alter Grenzwachturm
Unterwegs wird die Wanderung immer wieder unterbrochen.
Da steht plötzlich die Donatuskapelle mitten in den Weinbergen.
Etwas später taucht ein ehemaliger Grenzwachturm auf.
Und zwischendurch öffnet sich der Blick weit über die Rieden des Blaufränkischlandes.
Wer nur schnell vom Auto zum nächsten Weingut fährt, bekommt von diesen Seiten Neckenmarkts kaum etwas mit.
Deshalb würden wir hier tatsächlich einmal die Wanderschuhe statt des Autoschlüssels nehmen.
Haschendorf und das Rätsel aus der Bronzezeit
Jetzt wird es richtig kurios.
Im Neckenmarkter Ortsteil Haschendorf wurde 1914 ein ungewöhnliches Bronzeobjekt entdeckt.
Es sieht ein wenig aus wie eine Trommel.
Vielleicht war es aber ein Altar.
Oder ein Sitz.
Oder etwas ganz anderes.
Bis heute gibt das sogenannte Haschendorfer Kultobjekt Forschern Rätsel auf. Das Original befindet sich heute in einem Museum in Sopron, in Haschendorf ist eine exakte Nachbildung zu sehen.
Noch rätselhafter: Bereits 1847 wurde rund 1.500 Kilometer entfernt in Südschweden ein sehr ähnliches Objekt entdeckt.
Keine schlechte Geschichte für einen kleinen Abstecher.
Jetzt zum Blaufränkisch
Natürlich führt irgendwann kein Weg mehr am Wein vorbei.
Neckenmarkt besitzt zahlreiche private Weingüter. Die Gemeinde führt aktuell unter anderem Betriebe wie Juliana Wieder, Wellanschitz, Tesch, Rotweine Lang, Weinhäusel und weitere Winzer auf.
Wir würden daraus aber keinen Winzer-Marathon machen.
Ein oder zwei Betriebe gezielt auswählen, vorher anfragen und sich dann wirklich Zeit für die Verkostung nehmen – das passt besser zum Ort.
Erst einmal in die Vinothek
Wer noch keinen Lieblingswinzer hat, beginnt am besten in der Vinothek Neckenmarkt.
Sie befindet sich in einem alten Gewölbekeller des ehemaligen Rathauses. Angeboten werden Weine und Raritäten verschiedener Neckenmarkter Winzer; Flaschen werden laut Gemeinde zu Ab-Hof-Preisen verkauft.
Das ist für Einsteiger praktisch:
Erst einmal verschiedene Weine kennenlernen.
Danach kann man immer noch entscheiden, bei welchem Betrieb man genauer hinschauen möchte.
Und dann gibt es noch „Neckenmarkt die Winzer“
Neben den privaten Betrieben gibt es auch die traditionsreiche Winzergenossenschaft „Neckenmarkt die Winzer“.
Rund 70 Mitglieder gehören aktuell zur Genossenschaft. Der Verkauf am Harkauer Weg ist werktags geöffnet, von Mai bis Oktober zusätzlich am Samstagnachmittag.
Auch hier gilt: Vor dem Besuch die aktuellen Zeiten noch einmal prüfen.
Wenn die Keller aufgehen
Im Sommer wird es in Neckenmarkt regelmäßig geselliger.
Bei den Neckenmarkter Rotweintagen öffnen Winzer ihre Kellertüren. Neben Verkostungen gehören je nach Programm Kellerführungen, Fahrten durch die Weingärten und eine Weinkost am Dorfplatz dazu.
Für Weinfreunde ist so ein Wochenende natürlich ideal.
Wer lieber in Ruhe mit einzelnen Winzern sprechen möchte, sollte dagegen bewusst außerhalb eines Großevents kommen.
Draisine: Auch Neckenmarkt hat einen Bahnhof – irgendwie
Ein Bahnhof ohne normale Personenzüge?
Den gibt es hier tatsächlich.
Der Bahnhof Horitschon/Neckenmarkt ist einer der beiden Ausgangspunkte der Sonnenland Draisinentour.
Auf alten Bahngleisen geht es mit Muskelkraft Richtung Oberpullendorf. An geraden Kalendertagen startet die Draisine 2026 in Horitschon/Neckenmarkt, an ungeraden Tagen in Oberpullendorf. Die Saison läuft 2026 von April bis November.
Wer die Draisine fährt, sollte dafür einen größeren Teil des Tages reservieren.
Das ist keine kleine 20-Minuten-Runde für zwischendurch.
Mit dem Fahrrad durch die Weinberge
Auch für normale Fahrräder gibt es Möglichkeiten.
Der lokale Radweg 420 führt durch die Neckenmarkter Weinberge und besitzt leichte Steigungen. Unterwegs kommt man an einem Aussichtsturm vorbei, von dem der Blick bei gutem Wetter weit Richtung Ungarn reicht.
Außerdem lässt sich Neckenmarkt gut in eine größere Runde durch das Blaufränkischland mit Horitschon, Deutschkreutz und Raiding einbauen.
So würden wir einen Tag in Neckenmarkt planen
Wir würden nicht um 8 Uhr mit einer Liste von zwölf Punkten starten.
Am Vormittag geht es zunächst ins Fahnenschwinger- und Weinbaumuseum.
Danach beginnen wir den WeinSteinWeg und verbringen ein paar Stunden draußen zwischen Weinbergen, Kapellen und Aussichtspunkten.
Am späteren Nachmittag zurück in den Ort.
Dann in die Vinothek oder zu einem vorher vereinbarten Winzer.
Und am Abend?
Essen.
Achterl.
Feierabend.
So funktioniert Neckenmarkt für uns besser als mit einem durchgetakteten Sightseeing-Programm.
Essen und Heurige
Die Gemeinde führt mehrere gastronomische Betriebe und Heurige. Zu den klassischen Adressen im Ort zählt etwa der Gasthof Zur Traube, der gleichzeitig als Ausgangspunkt für den WeinSteinWeg genannt wird.
Gerade bei Heurigen ändern sich Öffnungs- und Ausschankzeiten regelmäßig.
Deshalb würden wir nicht blind irgendeine alte Liste aus dem Internet übernehmen, sondern am Besuchstag den aktuellen Heurigenkalender beziehungsweise die jeweiligen Betriebe kontrollieren.
Was lässt sich mit Neckenmarkt verbinden?
Horitschon
Nur wenige Kilometer weiter geht es mit Blaufränkisch weiter. Dort wartet unter anderem der Blaufränkischweg durch die Rieden.
Deutschkreutz
Schloss Deutschkreutz, Anton Lehmden, Carl Goldmark und natürlich Wein machen Deutschkreutz zum passenden zweiten Ort für einen Tagesausflug.
Raiding
Wer nach all dem Rotwein Kultur braucht, findet in Raiding das Geburtshaus von Franz Liszt und das Liszt Zentrum.
Das ganze Blaufränkischland
Wer länger bleibt, sollte nicht nur einzelne Orte sammeln. In unserem Blaufränkischland-Reiseführer zeigen wir, wie sich Deutschkreutz, Horitschon, Neckenmarkt, Raiding und weitere Ziele sinnvoll kombinieren lassen.
Pannonien-Tipp: Nicht nur wegen des Weins kommen
Gerade bei Neckenmarkt wäre es schade, nur von Keller zu Keller zu fahren.
Das Fahnenschwingen macht den Ort besonders.
Das Museum erklärt die Geschichte dazu, der WeinSteinWeg führt hinaus in die Landschaft und das rätselhafte Kultobjekt in Haschendorf liefert noch eine Geschichte, die man nicht in jedem zweiten Weinort findet.
Der Blaufränkisch ist dann nicht die einzige Sehenswürdigkeit.
Aber natürlich ein ziemlich guter Abschluss.
Lohnt sich Neckenmarkt?
Ja – und unserer Meinung nach sogar etwas mehr, als man beim ersten Blick vermuten würde.
Horitschon punktet stark mit seinen Weinlagen.
Deutschkreutz mit Schloss und Kultur.
Neckenmarkt hat dafür eine Tradition, die praktisch nur hier existiert.
Wer Wein, Wandern und regionale Geschichte verbinden möchte, bekommt deshalb einen überraschend abwechslungsreichen Tag.
Unser Vorschlag für den ersten Besuch:
Fahnenschwinger-Museum + WeinSteinWeg + Vinothek oder Winzer.
Und wenn der Besuch zufällig auf den Umgangssonntag fällt:
Umso besser.
Dann lässt man den Wanderplan ruhig ein bisschen liegen und schaut erst einmal, wie man eine 30-Kilo-Fahne durch die Luft bekommt.
Häufige Fragen zu Neckenmarkt
Was sollte man in Neckenmarkt gesehen haben?
Zu unseren wichtigsten Tipps zählen das Fahnenschwinger- und Weinbaumuseum, der WeinSteinWeg, die Vinothek und das Haschendorfer Kultobjekt. Weinfreunde sollten zusätzlich eine Verkostung bei einem Winzer einplanen.
Wann findet das Neckenmarkter Fahnenschwingen statt?
Das traditionelle Fahnenschwingen findet hauptsächlich am sogenannten Umgangssonntag statt, dem Sonntag nach Fronleichnam. Seit 2018 gehört der Brauch zum österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
Wie lang ist der WeinSteinWeg?
Der touristisch ausgewiesene Rundkurs ist rund elf Kilometer lang und führt durch die Weinberge, teilweise entlang der historischen römischen Bernsteinstraße.
Kann man in Neckenmarkt Wein verkosten?
Ja. Neben zahlreichen privaten Weingütern gibt es eine Ortsvinothek sowie „Neckenmarkt die Winzer“. Bei privaten Winzern empfiehlt sich eine vorherige Terminvereinbarung.
Ist Neckenmarkt für Familien geeignet?
Für kleinere Kinder ist der Ort kein klassisches Familien-Ausflugsziel. Mit größeren Kindern kann besonders die Sonnenland Draisinentour interessant sein.
Wie viel Zeit sollte man für Neckenmarkt einplanen?
Für Museum, einen kurzen Rundgang und Weinverkostung reicht ein halber Tag. Wer den gesamten WeinSteinWeg oder die Draisinentour machen möchte, sollte einen ganzen Tag einplanen.

