Kritik: Schloss Tabor – Der Barbier von Sevilla

Bereits auf dem Fußweg hinauf zum Schloss Tabor hört man die Musi schon von weitem spielen. Hier hat der Ausspruch „Es ist mir ein Volksfest“ wohl seinen Ursprung. Denn oben angelangt erwarten einen Blasmusik, Heurigenbänke, Essens-Stände und gute Stimmung unter den Premierengästen, die für „Der Barbier von Sevilla“ gekommen sind. Na, das ist mal ein Empfang! Wir sind im Südburgenland, da ticken die Uhren einfach anders: zünftig, gesellig und mit eigenem Charme.

Das ungezwungene Beisammensein vor der Premiere lassen sich die prominenten Vertreter aus Politik und burgenländischer Kulturszene nicht entgehen. Vielleicht holt sich ein Daniel Serafin – ebenfalls unter den geladenen Gästen – ja ein paar Anregungen für seinen nächsten Opernball in New York?

Obwohl die Wetterprognosen eher verhalten sind, hat es der Wettergott im Großen und Ganzen gut gemeint. Die knapp 1000 Sitzplätze bleiben fast den ganzen Abend trocken. Lediglich nach der Pause gibt es ein paar Tropfen. Aber auch dafür hätte man ein Ausweichquartier in der Nachbarortschaft, wo eine komplette Halle bereit steht für den Ernstfall, versichert Intendant Dietmar Kerschbaum.

Weiters verspricht der Intendant nicht zuviel, wenn er ankündigt, daß sein erlesenes Ensemble die schwungvollen Melodien Gioachino Rossinis, die den Sängern einiges abverlangen mit Bravour meistern und dabei noch der komischen Oper gerecht werden. Allein schon der Anblick des ein oder anderen Darstellers regt das Publikum zum Schmunzeln an. Wie etwa dann, wenn Michael Eder als Bartolo zum ersten Mal auftaucht oder das leicht frivole Gehabe Figaros, der mit viel Witz und Charme von Denis Milo mit Bariton-Stimme aus Moskau gespielt wird.

Der aus Rio de Janeiro stammende Tenor Gustavo Quaresma Ramos beginnt als Graf Almaviva anfangs zwar etwas holprig aber harmoniert dann stimmlich immer besser mit Sopranistin Andreja Zidaric aus Slowenien, die als Rosina ihr Können unter Beweis stellt.

Es ist überhaupt eine junge Besetzung von Künstlern aus ganz Europa und weiter. Damit bringt Regisseur Peter Pawlik, der als freischaffender Regisseur bereits mit vielen Opernhäusern dieser Welt gearbeitet hat, eine gewisse heitere Unbeschwertheit auf Schloss Tabor auf die Bühne.

Umrahmt wird das Ganze vom jopera Ballett, welches die Emotionen des Geschehens tänzerisch zum Ausdruck bringt. Eine Besonderheit stellt auch das Orchester dar. Es spielt die Junge Philharmonie Brandenburg, unter der Musikalischen Leitung des aus Schweden stammenden Dirigenten Emil Eliasson, der u.a. bereits mit den Königlichen Philharmonikern in Stockholm gearbeitet hat und zahlreiche Opernproduktionen dirigierte. Das Orchester begleitet die Oper vom Orchestergraben aus. Es gibt einem Freiluft-Festival einfach eine andere Qualität, wenn das Orchester live zu sehen ist. Einzig und allein an der Akustik kann noch gearbeitet werden, da die Darsteller und auch die Musik generell zu leise sind.

FAZIT: Der Weg bis an den südlichsten Zipfel des Burgenlandes lohnt sich. Man bekommt beim Jennersdorfer Festivalsommer auf Schloss Tabor gute Unterhaltung in einem intimen Rahmen, umgeben von südburgenländischen Charme geboten. Auch Nicht-Opern-Fans kommen hier auf ihre Kosten.

Termine: 4., 5., 8., 10., 11., 12. August 2018, Beginn jeweils um 20:00 Uhr.

Info und Karten: Tel. 03329 43037 oder unter www.jopera.at

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