Schloss Tabor feiert Freischütz mit Erfolg

DerFreischuetz
Die Premiere von „Der Freischütz“ auf Schloss Tabor von Festivalsommer Jennersdorf ist bei einer lauen Sommernacht über die Bühne gegangen: Die romantische Oper aus dem Jahre 1821 trifft das Südburgenland am besten: rund im Abgang wie der Blaufränkische von „Uwe Schiefer“; lieblich wie das in der Sonne glitzernde Schloss Tabor.

Regisseurin Brigitte Fassbaender wählt eine moderne Fassung und rückt den Handlungsablauf in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – also ans Ende der Vierziger Jahre. Kurz zum Inhalt: Jägersbursch Max soll bei der fürstlichen Jagd für seine angehende Braut Agathe einen sogenannten Probeschuss abgeben. Nur bei einem Treffer bekommt er seine Geliebte. Vor lauter Angst zu versagen, lässt er sich auf ein Spiel mit dem Teufel ein: Kaspar, der seine Seele Samiel (dem Teufel) verschrieben hat und auf Rache sinnt, weil Agathe Max ihm vorgezogen hat und er damit auch nicht die Försterei erhält, überlistet Max anhand der alles treffenden „Freikugel“. Kaspar erhält vom Teufel die magische Kugel und im Gegenzug bekommt er Max als Menschenopfer, Kaspar ist dafür frei. Am Ende trifft Max‘ Kugel beim alles entscheidenen Probeschuss jedoch nicht das vorgegebene Ziel sondern den Kaspar. Max gesteht dem Landesfürsten alles und der lässt Gnade vor Recht ergehen; nach einem Bewährungsjahr darf Max schließlich seine Agathe zur Frau nehmen.

Intendant Dietmar Kerschbaum gibt sich heuer in überzeugender Rolle des Helden Max. Derrick Ballard verkörpert die Partie des Kaspar. Renate Pitscheider verleiht der Agathe jene empfindsame Musikalität, die diese Rolle beansprucht. Gerhard Kasal gestaltet die Figur des Samiel. Der gebürtige Wiener brillierte bereits bei den Schloss-Spielen Kobersdorf unter anderem mit intensiven Sprechrollen. So auch hier beim Freischützen auf Schloss Tabor, wo er mit körperlichem Einsatz und durchdringender Stimme glänzt.

Wunderbare Kostüme, nahe dem Zeitgeist, „bekleiden“ die Handschrift von Susanne Özpinar. Die Regie trägt das Markenzeichen von Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender, die bereits alle großen Opern dieser Welt inszenierte. Stets beeindruckend und die Stimmung einer Freiluftbühne unterstreichend, ist die musikalische Umrahmung von einem Live-Orchester, noch dazu ein sichtbares mit einem „echten“ Orchestergraben. Beim Festivalsommer auf Schloss Tabor interpretiert die Junge Philharmonie Brandenburg die Musik der Freischütz-Oper kongenial unter der Leitung von Georg Fritzsch. Beeindruckend waren auch Chor und Ballett.

Gastronomie: Insgesamt herrschte beim Premierenabend vom Freischützen auf Schloss Tabor eine angenehme und entspannte Stimmung. Während bei manch‘ anderen Premieren auf Burgenlands Bühnen nicht so viel Wert auf das gastronomische Erscheinungsbild gelegt wird, ist das bei Jopera auf Schloss Tabor wunderbar gelungen. Da stimmt alles. Weiße Zelte, festliche Tischtücher, stimmungsvolle Kerzenleuchter – es ist schließlich eine Premiere, also ein Fest und so soll das sein.

Seitenblicke: Unter den prominenten Gästen konnte man einen Gery Keszler erhaschen sowie Chocolatier Josef Zotter. Die gesamte rote Fraktion des Burgenlandes, angefangen von Hans Niessl über Helmut Bieler und Christian Illedits bis Verena Dunst, war sichtlich angetan von der Aufführung; von der FPÖ war offensichtlich niemand vertreten und die ÖVP hat heuer bei ihrem Auftreten sehr geschwächelt.

Fazit: Ein Jopera-Opernabend ist immer etwas besonderes, hebt sich diese Freilichtoper doch ein wenig ab von den anderen burgenländischen Sommerfestivals. Angefangen vom Veranstaltungsort – Schloss Tabor liegt am südlichsten Zipfel des Burgenlands – der Aufmachung, allein wie die Tribüne aufgebaut ist und vieles mehr. Es hat einen ganz besonderen Charme, etwas intimes und festliches aber dann doch wieder sehr professionelles. Hier hat man durch viele besondere Details das Gefühl von Freilichtbühne – es ist ein authentisches Sommerfestival auf hohem Niveau.

Gastautorin: Gerlinde Gibiser

Kleiner Vorgeschmack für nächstes Jahr: von 4. bis 14. August 2016 wird auf Schloss Tabor „Die Fledermaus“ von Johann Strauss gespielt.

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