Der Bromberger Hexenweg: Auf den Spuren der gequälten Seele von Afra Schickh

Der Bromberger Hexenweg mag auf den ersten Blick wie ein malerischer Spazierweg durch die Natur erscheinen, und doch birgt er eine Geschichte von Leid und Aberglauben, die unter die Haut geht. Dieser dreikilometerlange Pfad, der leider kein Rundweg ist, entführt Wandernde in die düstere Vergangenheit der Hexenverfolgung, und nur, wenn man bis zur letzten und siebten Tafel geht, erfährt man die tragische Geschichte von Afra Schickh.

Gerade im Herbst und Winter, wenn Nebel die Welt um Bromberg einhüllt, wird dieser Hexenweg zu einem faszinierenden Highlight, das unweigerlich Gänsehaut verursacht.

Die Geschichte von Afra Schickh ist nur eine von vielen tragischen Schicksalen in einer Zeit, als die Hexenverfolgung wütete und unzählige Frauen litten. Der Hexenweg enthält jedoch nicht nur schauerliche Geschichten. Olympiasieger Felix Gottwald hatte maßgeblichen Anteil an seiner Ausgestaltung. Entlang des Pfades findet man also auch knifflige Geschicklichkeitsspiele, die Klein und Groß herausfordern.

Der Pfad führt entlang des Schlattenbaches, durch Wiese und Wald, vorbei an einem Pferdegestüt und verfallenen Gehöften. So schaurig die Geschichte sein mag, ist der ebene Weg auch gut für Kinder und ältere Menschen geeignet. Zu Beginn erfährt der Wanderer Wissenswertes über Pflanzen und Kräuter, bevor die eigentliche Geschichte beginnt.

Afra Schickh kam im Jahr 1640 als junge Frau aus der Mariazeller Gegend nach Bromberg. Vermutlich folgte sie einem Wallfahrer aus dieser Region, den sie später sogar heiratete. In jenen Zeiten herrschte Elend und Not, und die Angst vor dem Unbekannten war allgegenwärtig. Amulette, Zaubersprüche und magische Rituale waren überall verbreitet, da sie wenigstens die kleinen Ereignisse im täglichen Leben beeinflussen sollten. Afra selbst brachte neun Kinder zur Welt, verlor jedoch fünf von ihnen durch Krankheiten.

Afra wurde zur Meisterin der Kräuter und Salben, und die Kranken der Umgebung suchten sie auf, als sei sie eine Verbindung zur Welt jenseits des Unsichtbaren. Doch Misstrauen und dunkle Schatten begleiteten sie auf Schritt und Tritt. Ihre verhängnisvolle Begegnung mit ihrem Verwalter aus der Kirchschlager Herrschaft, der ihre geheimnisvollen Kristallkugeln begehrte, sollte zu ihrem unheilvollen Verhängnis führen.

Das Schicksal nahm eine düstere Wendung, als der Verwalter auf seinem Heimweg vom Bromberger Pfarrer einen schlimmen Rheumaanfall erlitt, der ihn vom Pferd zwang. Afra Schickh, die hilfsbereite Frau aus dem Schlattental, wurde rasch zum Sündenbock und zur Inkarnation des Bösen. Auch sonst legte man ihr für alles Erdenkliche die Schuld zur Last, selbst für die düsteren Gewitter, die mit unheilvoller Macht über Wiesmath und Bromberg hereinbrachen.

Zudem erhob sich ein 70-jähriger Mann namens Michael Gsöller und behauptete, von Afra Schickh in die Finsternis der Hexerei und des Teufelspakts verstrickt worden zu sein.

Die Dunkelheit senkte sich über Afra Schickh, und mit nur 31 Jahren wurde sie verhaftet und nach Wiener Neustadt verschleppt. Sie beteuerte ihre Unschuld, doch die Folterinstrumente warteten bereits. Streckbank, der spanische Stiefel und das Brennen mit glühenden Eisen kamen zum Einsatz. Um ihre Schreie zu unterdrücken, wurde ihr eine Folterbirne in den Mund gesteckt. Die Inquisitoren quälten sie, um Geständnisse zu erzwingen. Sie wollten herausfinden, wem sie diene, wer noch zu den Teufelsdienern gehöre und ob sie Kinder getötet habe.

Schließlich gestand sie, einen kleinen Teufel namens „Cäsperl“ auf dem Dachboden zu halten.

Damit das Geständnis auch offiziell anerkannt wurde, bedurfte es eines weiteren Beweises. Ein Tiegel Salbe aus dem Besitz der Unglücklichen war ausschlaggebend.

Am 11. Dezember 1671 führte man Afra Schickh zur Spinnerin am Kreuz in Wien, wo sie unter dem Jubel der Neugierigen verbrannt wurde. Ein Pulversack um den Hals sollte ihren qualvollen Tod beschleunigen, und sie wurde den Flammen überlassen. (Quelle Hexenweg Bromberg)

Und so bleibt Afra Schickh, wie viele andere namenlose Opfer jener finsteren Zeit, in den Schatten der Vergangenheit verbannt. Der Bromberger Hexenweg mag heute im sanften Schein der Sonne zur Ruhe kommen, doch das fließende Wasser sowie die alten Bäume werden stets das Echo jener furchterregenden Geschichten tragen. Mögen die Seelen der Verfolgten in Frieden ruhen, und möge das Wissen um ihre Qualen als düsteres Mahnmal für eine Menschheit dienen, die sich allzu oft von Angst und Vorurteilen leiten lässt.

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