Josef Strauss – im Schatten des Walzerkönigs

Wer war dieser Josef Strauss? Tatsächlich kennt die breite Bevölkerung den Bruder des Walzerkönigs Johann Strauss kaum. Dabei soll „Der Pepi“ sogar der Begabtere der drei Straussbrüder (Johann, Josef und der jüngste Spross Eduard, geb. 1835) gewesen sein. „Ich bin bloß populärer“, soll Johann Strauss einmal über seinen, um 2 Jahre jüngeren Bruder Josef, gesagt haben. Am 22. Juli 2020 jährt sich nun zum 150. Mal der Todestag von Josef Strauss. Geboren wurde er am 20. August 1827 in Wien Mariahilf. Sein Vater war übrigens Johann Strauss. Wegen der Namensgleichheit mit Sohn Johann wird dieser üblicherweise Johann Strauss Vater genannt. Weltbekannt ist der Vater vor allem weil er den Radetzkymarsch komponiert hat.

Josef verschrieb sich zuerst der Technik. Er war gelernter Ingenieur. Musik zu machen hatte er so gar nicht auf dem Schirm. Weil sich aber sein berühmter Bruder vermehrt schlecht fühlte, übernahm er 1853 die Leitung der Strauss-Kapelle.

Zahlreiche Tourneen wurden absolviert, unter anderem nach Russland. Josef Strauss war selbst ein talentierter Komponist. Allerdings fehlt seinen Stücken die Leichtigkeit eines Johann Strauss. Vielleicht ist er deshalb nicht so populär wie Johann. Einige seiner 283 Werke wollen wir hier trotzdem aufzählen: Perlen der Liebe, Walzer (1857),  Die Libelle, Polka Mazur (1866) und Plappermäulchen, Polka schnell (1868).

Leider kränkelte auch Josef Strauss mit zunehmenden Alter. So erlitt er am 22. Februar 1870, als seine Mutter starb, einen Zusammenbruch an ihrem Sterbebett und musste sich am folgenden Tag beim alljährlichen Studentenball in den Redoutensälen der Hofburg vertreten lassen. Vier Monate später fiel er während einer Konzertreise in Warschau bewusstlos vom Dirigentenpodest. Er starb kurze Zeit später, am 22. Juli 1870, in Wien. Die Todesursache blieb ungeklärt, da seine Witwe – Caroline, geb Pruckmayer – einer Autopsie nicht zustimmte. Das Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Die Strauss Brüder von links: Eduard, Johann und Josef

Das Zentrum für Angewandte Musikforschung der Donau-Universität Krems widmet nunmehr dem Komponisten ein breit angelegtes Forschungsprojekt, das von der Kultur- und Wissenschaftsabteilung des Landes NÖ gefördert wird. Geplant sind unter anderem die Neuedition einiger seiner Werke, die Herausgabe eines Sammelbandes mit aktuellen Forschungsergebnissen, die Aufführung der edierten Werke im Wiener Musikverein und die Organisation eines Symposions.

Der österreichische Schriftsteller und Musikkritiker Franz Mailer (1920-2010), der heuer seinen 100. Geburtstag feiern würde, hat eine riesige Sammlung an Strauss-Musik und Dokumenten angelegt. Diese Sammlung wird heute vom Zentrum für Angewandte Musikforschung an der Donau-Universität Krems betreut. Der Anteil an Musikalien von Josef Strauss (1827-1870) macht dabei fast ein Drittel aus, da Mailer hier besonders intensiv gesammelt hat. „Die Sammlung bildet eine wichtige Säule in der Erforschung des Lebenswerkes von Josef Strauss und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der Wiener Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts

Insgesamt sind etwa 1000 verschiedene Fassungen und Variationen der knapp 290 Werke von Josef Strauss in Krems vorhanden. Eine Aufarbeitung dieses Teilbestands wird inklusive weiterer aktueller Forschung zu Josef Strauss im Herbst 2020 in einem Sammelband unter dem Titel „Associationen“ im Verlag Hollitzer erscheinen. (Quelle und Fotos: Donau-Universität Krems, sowie Wikipedia).

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