Kreuz und quer durch Serbien

Belgrad

Belgrad, die Hauptstadt von Serbien wird oftmals das „Paris des Ostens“ genannt, und dies mit Recht: breite Boulevards, dazwischen Jugendstilarchitektur und Neo-Renaissance.

Von der Fußgängerzone in der Stadtmitte gehen wir zum ehemaligen Palast des letzten Königs von Serbien Peter I, und zum Stadttheater, davor ein imposantes Reiterdenkmal aus dem 19. Jahrhundert. Nach zwei Stunden verlassen die Schifffahrts-Touristen wieder die Stadt. Geblieben ist das normale Großstadtleben, keine Fähnchen mehr, keine gereckten Schirme und keine lauten Stimmen aus den Megaphonen.

40.000 Besucher kommen jährlich, sagt man uns. Aber das ist nicht überall so in Serbien: es gibt Gegenden, in denen sich kein Tourist verirrt. Und wo man keine Euro kennt. Unsere Reise führt weiter nach Norden in das autonome Gebiet der Vojvodina, einst habsburgisch und Teil des Königreichs Ungarn.

Dieser Landesteil  endete wenige Kilometer vor Belgrad an der Donau und war von den Österreichern schon im 17. Jahrhundert von den Türken befreit worden, im Frieden von Neusatz 1699. Dieses Neusatz besuchen wir, heute auf serbisch Novi Sad [Kulturhaupstadt Europas 2021] Neben Novi Sad liegt Karlowitz,  (Sremski Karlowci ) berühmt durch seinen gleichnamigen Süßwein. Hier meint man in einer Zeitreise ins Österreich des 18.und 19. Jahrhundderts geraten zu sein, das erste serbische Gymnasium, das Seminar des Patriarchen, die Kirchen, das Rathaus: Bauten in typischer k. u .k. Architektur.

In der Vojvodina gibt es neben dem offiziellen serbisch-orthodoxen Glauben auch viele Anhänger der katholischen Kirche, Ungarn, Ruthenen und eine Handvoll Deutschsprachiger aus der Batschka. Über den Dächern von Karlowitz führt die Straße zur Festung Peterwardein, einer Anlage aus der Zeit von Prinz Eugen, die nie eingenommen wurde. Im nahegelegen Bergzug Fruska Gora, er ist über fünfzig Kilometer lang, sind zahlreiche Klöster versteckt, Gründungen vor allem aus  dem 16.Jahrhundert, die auch unter der türkischen Besatzung versteckt  lieben..

Ein Spaziergang durch die Universitätsstadt Novi Sad führt uns zur größten Kirche, zu unserer Überraschung stellt sich der  Mariä Namen geweihte Bau als katholisches Gotteshaus dar. Unweit davon  landen wir an der Donau  in einem typischen Restaurant an der Donau „Aqua Doria“, wo wir einheimisch Spezialitäten verkosten, wie serbische Fischsuppe, Fischeintopf, Krautspeisen mit Sarma, gefolgt von  Weinproben aus der Kellerei Zivanovic, Rot- und Weißweine, als Spezialität der nur lokal  erhältliche Probus – Wein.  Natürlich darf der berühmte Karlowitzer nicht fehlen, der hier Bermet heißt. Später geht es donauabwärts Richtung Eisernes Tor.

Golubac

Am Beginn der Flussenge liegt eine romantische Festung, die Schwalbenburg. Auf serbisch heißt die  Festung Golubac. Ein Kreuzfahrtschiff scheint uns nach Golubac gefolgt zu sein. Es liegt am Ufer vertäut un d wartet auf die Durchfahrt durch das Eiserne Tor. An der Flussmitte, der Staatsgrenze zu Rumänien achten rumänische Polizeischnellboote  darüber, dass diese nicht überschritten wird.

Nahe der  Festung am Ufer der Donau liegt Lepensky vir, eine Ausgrabungsstätte einer Steinzeitkultur, der ältesten Europas aus der Zeit von 6000 bis 7000 vor Christus. In eine riesigen, Glashaus ähnlichen Anlage können die Reste der Behausungen der Urmenschen samt ihren erstaunlichen Kultgeräten und Kunstwerken besichtigt werden. .

Hoch über der Donau sind wir  bei „Kapetan Misin Breg“ in seiner Open Air Gallery eingeladen. Er zeigt uns seine Holzskulpturen und bringt uns eigenhändig Schafskäse von seinen Schafen und „Med“ (Honig) und Honiglikör aus seiner Imkere. Ein traumhafter Blick auf das Donautal belohnt die Mühe für den Anstieg.

Auf der Reise nach Osten und Süden sind wir  bei den Römern gelandet: nahe der Stadt Zajecar  liegen die Ruinen einer enormen Palastanlage FELIX ROMULIANA, Unesco-Kulturerbe und weltweit eine der besterhaltenen Bauten aus der Römerzeit. Hier ließ sich Kaiser Galerius für die Zeit seines Ruhestandes eine Palastanlage erbauen, die er nach seiner geliebten Mutter benannte. Die Anlage wurde im Jahr 312 nach Christus fertig, der Kaiser starb aber schon ein Jahr vorher ohne den Palast je gesehen zu haben. Serbien ist übrigens das einzige Land außerhalb Roms, wo zwölf römische Kaiser das Licht der Welt erblickt hatten darunter  der bereits erwähnte Kaiser Probus, der berühmte Konstantin der Große, der das Christentum nach Rom gebracht hatte und seine Kinder bzw. Mitkaiser wie Constans, Constantius und Maximianus.

Über Negotin geht die Reise  weiter Richtung Nis der zweitgrößten Stadt Serbiens. Dazwischen liegen noch drei orthodoxe Klöster aus dem 15.Jahrhundert: Kologras, Vratna und Manastir bukova. Alle drei wurden von den Türken heimgesucht und konnte ihre spirituelle Tätigkeit erst wieder im 19.Jahrhundert entfalten. Nis ist es ebenso ergangen, kurz vor 1882 als Serbien zum Königreich erhoben wurde, hat der letzte Türke Nis verlassen. Daran erinnern noch das türkischen Mausoleum auf der Festung von Nis, wo heutzutage die römische Vergangenheit der Stadt (röm.Nissia) ergraben wird.

Gibt es  Unworte für die Serben? : ja, der Kosovo, auf deutsch das Amselfeld, wo durch ihre Niederlage die osmanische Herrschaft am  Balkan begonnen hatte und der im  Gegensatz zur  internationalen Meinung in ihren Gedanken noch immer zu Serbien gehört sowie die Frage der  EU-Mitgliedschaft: Dazu die Stimme des breiten Volkes: wir kommen dazu, wenn die EU auseinanderfällt…..

Ein versöhnliches Ende unserer Erkundungen auf dem Balkan war der Besuch des Klosters Manasija in der Nähe  des Flusses Resava, der unweit des Klosters  am Berg Beljanica entspringt. Das Kloster Manasija ist eines der letzten Denkmale der serbischen Kultur des Mittelalters: mehr einer Festung als einem Kloster ähnlich, von einem Graben umgeben, mit einer wehrhaften Mauer und elf  mehr als 20 Meter hohen Türmen. Die Kloster-Burg wurde nie eingenommen und beherbergt heute einen der wenigen orthodoxen Nonnenorden in Serbien.

Schön langsam gehen  unsere ereignisreichen Tage in einem Land fern von Touristenströmen zu Ende in der Hoffnung  auf eine Wiederkehr. Viel Neues wartet noch auf uns. 

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