Tallinn: Stadt der Türme, Stadt der Träume

tallinn1In nur wenigen Jahren hat sich Tallinn zum touristischen Geheimtipp gemausert, was sich unter anderem in wesentlich erweiterten und verbesserten Anreisemöglichkeiten niederschlägt – längst sind die umständlichen Routen über Stockholm oder Helsinki passé, immer mehr Airlines bieten Direktflüge an.Die Hauptstadt am finnischen Meerbusen hat mit ihrer geschichtsträchtigen Altstadt und ihren farbenfrohen Festivals und Veranstaltungen nicht nur kulturhistorisch und architektonisch etwas zu bieten. Auch die Angebote in den Bereichen Freizeit, Unterhaltung und Shopping machen einen Besuch der estnischen Hauptstadt zum lohnenden Unternehmen.
Berühmt ist Tallinn hauptsächlich für seine Altstadt auf dem Domberg, der Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. Mittelalterliche Bauten wie der unter dem Spitznamen „Langer Hermann“ bekannte Rundturm, Dom und St.-Nikolauskirche aus dem 13. Jahrhundert sowie das berühmte Rathaus aus dem 14. Jahrhundert lassen das Herz von Kunst- und Architekturhistorikern höher schlagen, doch auch ohne entsprechende Vorbildung kann man sich an den historischen Bauten erfreuen oder den beiden Kirchspielen der Unterstadt lauschen.

Die liebevolle Benennung von markanten Gebäuden hat Tradition, und so gesellt sich zum „Langen Hermann“ die „Dicke Margarethe“. Der Kanonenturm ist Bestandteil der Stadtmauer, die ihrerseits Erinnerungen an die Zeiten weckt, als Tallinn eine der am stärksten befestigten – und umkämpften – Städte des Ostseeraums war. Aus dieser Zeit stammt auch der Jungfernturm, einst ein Gefängnis für Prostituierte. Die Stadtmauer, von der heute noch knappe zwei Kilometer erhalten sind, lässt sich bei einem gemütlichen Bummel erkunden, der mit der „Dicken Margarethe“ einen idealen Höhepunkt und Abschluss findet, denn der Turm beherbergt heute das estnische Seefahrtsmuseum.

Doch nicht nur das Mittelalter, auch das Erbe der jüngeren Vergangenheit wartet darauf, von Besuchern entdeckt zu werden – so etwa die 1900 erbaute Alexander Newsky-Kathedrale, sowjetisch geprägte Stadtteile oder der 1980 eröffnete Fernsehturm von Tallinn, mit imposanten 314 Metern Höhe ebenfalls eine Reminiszenz an sowjetisches Bauwesen, aber auch eine Aussichtsplattform, die allerdings in naher Zukunft geschlossen werden soll. 1991 war der Turm Schauplatz einer dramatischen Konfrontation zwischen einigen estnischen Funkern, die die Pressefreiheit der gerade wiedergeborenen Republik Estland verteidigen wollten, und sowjetischen Truppen.

Theater- und Musikfreunde können sich ganzjährig über ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Festivalprogramm freuen, Malerei- und Architekturfans kommen bei den Altstadttagen und den zahlreichen Kunstausstellungen auf ihre Kosten. 2009 gesellt sich erstmals auch die vom Kunstmuseum veranstaltete Blumenschau Floromania zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Noch bis zum 6. Oktober können die Ziergärten auf dem Platz der Türme bewundert werden.

Ein besonders heißer Tipp für die kühle Jahreszeit ist das Black Nights-Filmfestival, das jährlich im Dezember stattfindet, damit Cineasten die langen, dunklen Nächte des Winters in nördlichen Breiten für ungetrübten Filmgenuss nutzen können. Das Festival wartet mit einem anspruchsvollen internationalen Programm auf, doch die Entdeckung des ambitionierten estnischen Kinos und von Regisseuren wie Veiko Õunpuu oder Animationskünstlern wie Mait Laas dürfte für viele Neulinge ein Erlebnis der besonderen Art darstellen.

Wer das Glück im Spiel herausfordern möchte, findet ausreichend Gelegenheit dazu: Estlands Glücksspielgesetze, eine Reaktion gegen kommunistische Unterhaltungs- und Wettbewerbsfeindlichkeit gehören zu den freizügigsten Europas. Daher finden Nachteulen zwölf große Casinos, die teils den Vorbildern von Las Vegas mit ihrem gigantischen und umfassenden Angebot mit Unterhaltungs-, Wellness- und Gastronomiebereichen nachempfunden sind. Auch der EU-Raucherfeindlichkeit trotzt man in der Ostseemetropole: In „Zigarrenlounges“ darf entspannt geraucht werden. Für Shoppingfreunde lohnt es sich besonders, die zahlreichen kleinen Design- und Kunsthandwerkshops zu entdecken, beispielsweise das auf estnisches Design spezialisierte Haus Nu Nordik.

Direktflüge nach Tallinn können man von Wien aus bereits am € 99.– buchen (Austrian Airlines), dazu kommen Angebote mit Zwischenlandungen in den skandinavischen Metropolen, so dass man auch diese bei richtiger Planung „mitnehmen“ kann. Alternativ bietet sich die Möglichkeit der Entdeckung des Ostseeraums an Bord eines Schiffes: Nicht nur die Fährverbindungen über Rostock, Helsinki oder Stockholm sind in diesem Zusammenhang zu empfehlen, sondern auch verschiedene Kreuzfahrten mit eingeplanter Stadtführung in Tallinn und anderen städtischen Perlen der Ostsee.

Fest steht: Wenige Orte bieten eine so einzigartige Kombination aus historischer Tradition und modernen Unterhaltungswelten wie die estnische Hauptstadt. Nehmt euch für euren  Besuch daher ein wenig Zeit, es lohnt sich!

Hotels:
Radisson SAS Hotel
Grand Hotel
Scandic Palace Hotel
Schlossle Hotel
Swissotel Tallinn

Restaurants:
Lübeck Restaurant
Peppersacks Restaurant
Maiasmokk Restaurant
Kuldse Notsu Kneipe
Olde Hansa

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