Jubel, Trubel, Heiterkeit im Burgenland-Tourismus?

Eigentlich wollte ich mich zum Burgenland-Tourismus aus mehrfachen Gründen gar nicht mehr äußern. Durch die vielen Anrufe aus Tourismuskreisen habe ich mich aber jetzt entschlossen, vorerst einmal den Jahresabschluß 2011 am Neusiedlersee näher unter die Lupe zunehmen. Den Ausschlag gaben dabei Presseberichte, die die Frage aufkommen ließen: Was soll damit bezweckt werden? Meine Antwort: Vermutlich versuchen die Initiatoren solcher Artikel, den Glanz des Erfolges auf sich zu lenken. Vergessen wird dabei aber oft, dass die Angesprochenen sehr wohl in der Lage sind, auch hinter die Kulissen zu blicken. Und so wird dann aus dem erhofften Erfolg leicht ein Mißerfolg oder eine Blamage.

Da ich nicht weiß, wer für den Jubel-Titel des jeweiligen Artikels verantwortlich zeichnet, nenne ich keine Zeitung.

Nächtigungsrekord könnte heuer fallen (Ein Artikel vom 2. November 2011)

Kernsatz: Sollte es bis Jahresende weiter so positiv verlaufen, wird es heuer einen neuen Höchstwert bei den Nächtigungen in der Region geben. (Dietmar Keller).

Der Nächtigungsrekord ist tatsächlich gefallen. Nach dem Rekord von 2002 gab es 2011 um 25.759 Nächtigungen mehr. Herr Keller hat allerdings vergessen, dass Rust allein um 30.597 Nächtigungen mehr im Jahr 2011 aufzuweisen hat als 2010 und das ohne jedes Zutun der NTG. Diesen Erfolg können die Ruster Ortspolitiker auf ihre Fahnen schreiben. Sie haben den Weg dazu geebnet. Da es im Neusiedlersee-Gebiet noch einige NTG-resistente, aber erfolgreiche Betriebe gibt, muß es unter den Hotels auch viele Verlierer geben. Wie lange wollen sich die Gemeinden die NTG leisten?

NTG verzeichnet Rekord trotz Besucherflaute in Hochsaison (28. Jänner 2012)

Kernsatz: Allein zu Martiniloben gab es heuer eine zweistellige Zuwachsrate.

Der November brachte tatsächlich um 4.127 Nächtigungen mehr (=10 {b0bbd86789de453432054ae892e9a044ba6f319f644659b13657b08df26e24af}). Allein die 3 neuen Betriebe in Rust, Frauenkirchen und Parndorf hatten aber ein Plus von rund 4.500 Nächtigungen – und diese Gäste dem Martiniloben zuzuschreiben ist ein starkes Stück. Unsere größte Tourismusgemeinde Podersdorf hatte im November ein Minus von 26,1 {b0bbd86789de453432054ae892e9a044ba6f319f644659b13657b08df26e24af} bei den Nächtigungen. Hier dürfte Herr Keller einiges durcheinander gebracht haben. Ist die NTG für die negativen Prozente verantwortlich?

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Tourismus auf der Erfolgswelle: Noch nie kamen so viele Gäste (29. Jänner 2012)

Kernsätze: Von Krise keine Spur:….Jetzt wird offiziell gejubelt: …..Innovative Projekte und Angebote seien nötig, um die Feriengäste weiter anzulocken und neue zu gewinnen.

Die Aussagen von der fehlenden Krise und den offiziellen Jubel dürften wohl die NTG-Angestellten betreffen. Von Hoteliers kenne ich andere Aussagen. Und die „innovativen Projekte“? Könnte es sein, dass damit vielleicht ein neues Großhotel in Podersdorf gemeint ist? Die Zimmervermieter werden es dem Gemeinderat bei der Gemeinderatswahl im Herbst sicher danken.

Nächtigungsrekord am Neusiedlersee (1. Februar 2012)

Kernsatz: Über das erfolgreichste Tourismusjahr seit Bestehen der Neusiedler See Tourismus GmbH (Gründung 1997) dürfen sich die Touristiker rund um den Neusiedler See laut offizieller Jahresstatistik 2011 freuen: Es wäre sehr interessant zu erfahren, welche Touristiker sich über die Nächtigungsstatistik 2011 am Neusiedlersee freuen. Ich möchte gerne Lob aussprechen.

Zum Schluss: Natürlich interessiert mich nach wie vor das Tourismusgeschehen im Burgenland sehr und ich verfolge es sehr genau. Leider gibt es in diesem Lande aber keine Tourismuspolitik, die diesen Namen verdient. Weder scheint es Fachleute zu geben, die unsere zuständigen Politiker beraten können, noch scheint es Politiker zu geben, die sich im Zusammenhang mit dem Tourismus für mehr als für politisch verwertbare Statistik-zahlen interessieren. Vielleicht macht es aber Sinn, zumindest in Wahljahren darauf hinzuweisen, wo die Probleme liegen und wer dafür verantwortlich ist.

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Josef Wimmler
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Josef Wimmler

Gratulation zu diesem Artikel! Obwohl ich die näheren Umstände nicht kenne bin ich froh dass es auch Meinungen und Berichte ABSEITS des “Mainstreams” gibt die sich sachlich mit der “Seite 2” der Medaille beschäftigen! Gerade die angestellten Touristiker verstehen es österreichweit jeweils blendend sich darzustellen und betätigen sich erfolgreich als Rosinenpicker und zeichnen so ein oft verfälschtes Bild! Dazu auch: Aus einem Nachbarbundesland werden in einem kleinen Beitrag FAKTEN berichtet die diametral den massiven und andauernden Jubelmeldungen der Tourismusverantwortlichen widersprechen: http://alturl.com/gjwfc

Josef Gossy
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Josef Gossy

Ich freue mich zwar über die Anrufe, aber mich anzurufen und sich über die von mir aufgegriffenen Artikel zu ärgern, bringt gar nichts. Sie sollten das den betroffenen Zeitungsredakteuren sagen oder noch besser einige Zeilen an Pannonien tivi schreiben.