Landtagswahlen 2010 und Tourismus

Die burgenländische Landtagswahl ist geschlagen und wenn das endgültige Ergebnis zumindest in personeller Hinsicht anscheinend immer noch nicht fix ist, so darf man sich doch schon die Frage stellen, wie sich diese Wahl wohl auf den Tourismus in unserem Lande auswirken wird.

Diese Frage ist leider sehr berechtigt, denn in keinem anderen Bundesland ist die Abhängigkeit  dieser wichtigen Wirtschaftssparte von der Politik so groß wie im Burgenland.

Gibt  es hier doch kaum eine handvoll größere Betriebe, die keinerlei Förderungen erhielten und es sich daher leisten könnten – oder auch leisten – vollkommen unabhängig von der Politik  zu agieren.

Um die Frage einigermaßen realistisch zu beantworten, muß der Blick auf das bisherige Verhältnis zwischen Politik und Tourismuswirtschaft gerichtet werden und um die gegenwärtige Situation zu verstehen, muß man den Blick weit zurück richten. Ich bin dazu in der Lage.

So war es nach dem 2. Weltkrieg bei der Wiedererstehung des Burgenlandes notwendig, im Amt der Burgenländischen Landesregierung eine Abteilung Fremdenverkehr einzurichten. 1.Akt der Politik: Zum Leiter dieser Abteilung wurde ein entnazifizierter Landrat aus St.Pölten bestellt. Vom Tourismus brauchte er ja nichts verstehen. (Persönliche Bemerkung: Es war ein netter Herr mit herrlicher Bassstimme).

Nach dessen Pensionierung brauchte man einen neuen Leiter der Abteilung. 2.Akt der Politik: Da gab es einen Wirtschaftsförderungsverein, dessen Erfolglosigkeit man dem Leiter zusprach. Also  musste dieser weg. Da er aber laut seinen Aussagen in jungen Jahren einige Zeit als Lehrling in einem New Yorker Hotel arbeitete, hatte er die Voraussetzung für den Leiter der Fremdenverkehrsabteilung. Ich hatte mit ihm viel Kontakt und mit seinem Wissen wurde 1963 von mehreren Bürgermeistern, einem Landtagsabgeordnetem und einigen Privaten ein  Landesfremdenverkehrsverband gegründet, der höchst notwendig war. Der Schachzug gelang, denn die Landesregierung reagierte darauf sofort mit der Schaffung eines offiziellen Fremdenverkehrsverbandes, da man das Feld Bürgermeistern und Privaten doch nicht überlassen konnte.

Gleich darauf 3. Akt der Politik: Der Chef einer „wichtigen“ Regierungs-Abteilung musste weg. Das ging nur, wenn man ihm einen anderen, gleichwertigen Posten gibt. Erraten – es war die Fremdenverkehrsabteilung, obwohl dieser Mann mit Tourismus nie etwas zu tun hatte. Diese Stelle war aber besetzt. Also machte man den Verdrängten zum Landesfremdenverkehrsdirektor.

Diese Liste könnte ich bis in die allerjüngste Zeit fortsetzen. Von 1945 bis 2010 gab es in diesen Positionen keinen „studierten“ Touristiker. (Den neuen Direktor, Herrn Baier, nehme ich hier bewusst aus, da ich ihn nicht kenne).

Geht man also davon aus, dass sich die von der Politik beeinflusste Personalsituation über viele Landtagswahlen hinweg nicht änderte, so habe ich wenig Hoffnung, dass gerade jetzt die Pattsituation der Großparteien eine Änderung zum Guten bringen sollte. Wie seit Jahrzehnten haben wir leider unter den Regierungsmitgliedern keinen Touristiker und so bleibt der Tourismus Spielball von Politikern und von Parteien, die alle Register ziehen, um ihn über die Personalpolitik zu beeinflussen und die gleichzeitig aber viel Geld ausgeben (auf Sicht eine sehr problematische Methode), um durch große Investitionen ständige Nächtigungszuwächse zu erzielen, die man in die Welt ( und zu den Wählern ) hinausposaunt.

Für die mächtigsten Politiker scheint nicht wichtig zu sein, dass sich Investitionen rechnen, sondern dass man statistische Nächtigungszuwächse verzeichnen kann, auch wenn die noch so teuer erkauft sind. Und wenn es einmal nicht so läuft, dann ändert (manipuliert ?) man halt die Statistik. Es erhebt sich daher die Frage,  wird es sich auch die neue Landesregierung noch leisten, in Projekte Geld zu pumpen, die unrentabel sind bzw. die offensichtlich bestehende Betriebe schädigen. Wenn es nur darum geht, Planziele von Politikern für Nächtigungen zu erreichen, dann ist dieser Preis zu hoch.

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