Liszt inmitten von Bars und Clubs

Liszt’s Statue bleibt fast völlig unbeachtet im Herzen von Budapests berüchtigtem Stadtviertel, das für sein  Nachtleben bekannt ist, aber es ist ein absolut passender Ort für den großen ungarischen Hedonisten.

Wenn von euch mal jemand am Wochenende in Budapest ausgegangen ist, dann ward ihr fast mit ziemlicher Sicherheit draußen in der Gegend des sog. Oktogon und habt euch einen Drink am „Ferenc Liszt Platz“ genehmigt. Meist völlig unbeachtet von diversen Junggesellenabschiedspartys, den Touristen oder allgemein von den „Trinkenden“ Budapests, ist diese überlebensgroße Bronzefigur von wohl Ungarn’s größtem komponierenden Klaviervirtuosen, inmitten einer Parade von Bars und Clubs. Das Denkmal wurde zu Liszt’s 100. Todestag errichtet.

Das Design der Statue mit seinem dämonischen Glotzblick, den gespreizten Händen, seiner strengen, hochgeschlossenen Soutane und seinem wallenden Haar, spiegeln nicht nur Liszt’s Charakter wieder sondern auch sein Leben als “Kreatur” der Klaviertasten und als Mann des geistlichen Standes. Betrachtet man die Figur, so scheint es als ob “sie” jeden Moment losgehen könnte!

Die Location des Liszt-Denkmals ist aber auch so was von angebracht, zumal sich weiter entlang der Strasse die Liszt-Akademie (ung. Liszt Ferenc Zenemüvészeti Egyetem) befindet, das bekannteste Musik-Konservatorium Zentraleuropas. Und dieser Platz ist der pulsierende Herzschlag ungarischen Musiklebens: Komponisten von Bartok bis hin zu Kurtág, Dirigenten wie Georg Solti oder Eugene Ormandy, und Pianisten wie András Schiff und Zoltán Kocsis, alle studierten sie hier.

Aber Liszt’s Statue hat auch eine andere, symbolische Funktion. Als ich vor ein paar Tagen um 10 Uhr in der Früh’ hier einen Kaffee getrunken habe, startete gerade eine Gruppe von schwedischen Touristen mit einem “Doppelten” Unikum, alias Ungarns tödliches Nationallikör, in den Tag. Diese wollten, wie so viele andere vorher in Liszt’s Schatten, ein bisschen von Liszt abbekommen. Sie haben vielleicht nicht um die Bedeutung als Ungarns größten Komponisten des 19. Jahrhunderts gewusst oder haben nichts von den Verbindungen verstanden, die heute immer noch zwischen seinem Klavierspiel und dem ungarischen Musikleben bestehen.

Nichts desto trotz: Liszt verbreitet seinen wohlwollenden, hedonistischen Bann über alle Tag- und Nachtschwärmer diesen öffentlichen Platzes, der seinen Namen trägt. Mal sehen wie es 2011 mit dem magischen Liszt-Bann aussieht….

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