Ruinenromantik

Schloss RotenturmVerwunschene Burgen und Schlösser, die verträumt an eine prunkvolle Vergangenheit erinnern, ziehen sich durch das ganze “Burgenland” wie ein roter Faden.

Ein wahres Prachtstück eines Chateaus gibt es so auch in Rotenturm an der Pinka im südlichen Teil des Landes zu entdecken. Das Schloss Rotenturm hebt sich allerdings ab von allen anderen Prachtbauten im Burgenland.

Der ausschlaggebende Grund dafür war wohl der Baumeister aus Budapest Antal Weber, der das Schloss dann in den Jahren 1862 -1864 in romanisierend-orientalischen Formen entscheidend verändert hat. Charakteristisch für den ganzen Bau ist der Reichtum der hellen Dekorationselemente auf rot geputzter Wandfläche. Sie sind allen möglichen Stilepochen entnommen. Sowohl romanische und maurische Formen als auch solche der Gotik und Renaissance sind wieder zu erkennen. Anregungen für die aussergewöhnliche Gestaltung könnte z.B. das Arsenal (1849 -1856) in Wien gegeben haben.

Insgesamt befanden sich in beiden Baukörpern, von denen aber nur noch einer erhalten ist, 70 Zimmer, darunter ein seinerzeit prachtvoll gestaltetes Vestibül und ein prunkvoller Speisesaal. Im Inneren ist das Schoss seit den Zerstörungen der Besatzungszeit weitgehend verwüstet, weshalb es auch nur von aussen besichtigt werden kann. Von der ursprünglichen  Einrichtung ist nur noch eine Madonnenfigur aus Carrara-Mamor von C.Steinhauser (1875) erhalten geblieben, die sich gegenwärtig in der Pfarrkirche von Rotenturm befindet. Die ehemalige Schlosskapelle war ursprünglich mit Fresken des Historienmalers Károly Lotz ausgestattet. Heutzutage sind nur noch Fragmente der ursprünglich reichen Verzierung erhalten. Ein teil der ehemaligen Ausstattungselemente befindet sich in der Ungarischen Nationalgalerie in Budapest.

Die Ursprünge des Schlosses liegen bereits im Mittelalter, als im Nordwesten des heutigen Areals, heutiger Schlosspark, eine Wasserburg vermutet wird. Nach mehrmaligen Besitzerwechsel u.a. auch an die Ellerbacher von Eberau ( s. Wasserschloss Eberau ) wird 1523 erstmals urkundlich ein Schloss in “Ruttenthuren” erwähnt. Nachdem die Burg in Besitz der Erdödy gelangte, liess Georg Erdödy Ende des 17. Jhd. die Burg abreissen und das sog. “Alte Schloss” erbauen. Um 1840 wurde der barocke Schlosspark zu einem englischen Landschaftsgarten umgestaltet. In den 1860er Jahren bekam das Palais dann sein heutiges Aussehen. 1924 wurde bei einem Brand ein Großteil der Inneneinrichtung zerstört, darunter auch das Familienarchiv der Erdödy, sowie das Geheimarchiv des Kuruzzenfürsten Rákóczy.

In den 60-er Jahren erkannte man die kunstgeschichtliche Bedeutung des Schlosses und hat so begonnen dem mittlerweile schon jahrzehntelangen Verfall entgegenzuwirken. Unter anderem wurden Fenster und Aussentüren vermauert, um den weiteren Verfall einzuschränken. Die aber wohl imposanteste Restaurierungsaktion geschah im Zuge der Wiederherstellung des ursprünglichen Raumeindrucks. Hierfür hat man nämlich die Holzkasettendecke der niederösterreichischen Landesirrenanstalt in Wien-Alsergrund aus dem Jahre 1850 im Saal des ersten Stocks eingebaut.

Das eindrucksvolle Rotenturmer Schloss ist heutzutage im Besitz des Land Burgenland und  zählt zu den bedeutendsten historistischen Schlössern Österreichs, verkümmert aber trotz rudimentärer Restaurierungsversuche weiter vor sich hin, da ja bisher kein Verwendungszweck für das Schloss gefunden wurde!

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Elisabeth N.

Ich finde die dieses Schloss einfach traumhaft! Nur schade, dass es so verfällt…

Jörg Dworschak

Ja, ein sehr interessantes Objekt. War selbst schon mal drinnen, einaml ganz was anderes!