Ungarn: Geschäfte bleiben sonntags zu

tescoSonntag, 9 Uhr früh. Csilla steht vor dem verschlossenen Sparmarkt in der Soproner Lackner Kristóf Straße. Sie hat ganz darauf vergessen, daß mit 15. März 2015 das neue Ladenschluss-Gesetz in Kraft getreten ist. Geschäfte bleiben ab nun an sonntags zu. Csilla bleibt nur der Weg zum Bäcker, um Milch und Brot zu kaufen.

Bäckereien und Milchgeschäfte dürfen nämlich sonn- und feiertags von 5 bis 12 Uhr öffnen. Auch Apotheken, Tankstellen,  touristische Einrichtungen wie Unterkünfte, Restaurant, Bäder dürfen offen lassen. Blumen für die “Schwiegermama” sollte man vor 12 Uhr mittags besorgen.  Auch in Familienläden lässt sich sonntags einkaufen, sofern diese nicht größer sind als die Wohnfläche eines Einfamilienhauses.

“Die Ungarn werden sich schnell daran gewöhnen”, meint der ungarische Regierungssprecher Zoltán Kovác. Ministerpräsident Viktor Orban begründete das Gesetz damit, dass “niemand dazu gezwungen werden soll, am Sonntag zu arbeiten!” Die Regel richtet sich eindeutig gegen ausländische Handelsriesen wie Tesco, Interspar und Lidl. “Kleine Unternehmen werden bevorzugt”, klagt ein Betroffener. Einige Einkaufszentren und große Geschäfte überlegen nun an Wochentagen länger offen zu  lassen. Gleichzeitig fürchten Gewerkschaften, dass es zu Entlassungen kommen könnte.

Leidtragende sind die großen Einkaufszentren, die nach der demokratischen Wende vor 25 Jahren errichtet wurden und vor allem an Sonntagen beste Umsätze erzielen. Nun ist es vorbei mit”vasárnap” dem Markttag! Die Ungarn werden sich schnell daran gewöhnen – auch die Touristen!

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Elli

Im Sommer find ich es manchmal schade, daß es sonntags in Oesterreich gerade für die Touristen keine Geschäfte gibt, die offen sind. Zum Beispiel in Eisenstadt. Da kann man froh sein, daß die Museumsbetriebe, die einen Shop mit dabei haben wenigstens geöffnet sind, so wie Landesmuseum, Galerie, Haydn-Haus, Schloss und Vinothek.

Nora

Wieviele Geschäfte sind in Österreich sonntags geöffnet?

joergus

Endlich ist Ruhe am Sonntag – Tag des Herrn;-)! Ein Sieg für die Angestellten, das passt! Wer jeden Tag unbedingt einkaufen muss (shoppen) ist ohnehin nicht zu retten;-)!

Franzi

Find ich auch sehr schade, daß man dann nimma am Sonntag “ungarisch” einkaufen kann…wie ist das dann mit den Schönheitssalons und so? Haben die dann auch geschlossen?

Susan Fanschek-Burton

Echt Schade. Ich denke, Leidtragende sind die ungarischen Angestellten, die gerne am Sonntag gearbeitet haben!