Wirbel um Erhöhung der Ortstaxe

Unter dem Motto „Anpassung der Ortstaxe an österreichischen Standard“ soll diese ab 2012 von 0,.90 auf 1,50 € erhöht werden. Mit unterschiedlichen Argumenten treten die Betroffenen dagegen auf. Sowohl gegen die Erhöhung, als auch gegen die Verteilung. Ich bin kein Betroffener, kann die Aufregung aber sehr wohl verstehen. Meine Verwunderung gilt der diesbezüglichen Presseinformation des Landestourismusverbandes.

In dieser Information heißt es u.a. „Für Tourismusdirektor Mario Baier ein wichtiger Schritt, um die Erfolge der letzten Jahre weiterzuführen.“

Welche Erfolge sind damit gemeint? Eine kleine Milchmädchenrechnung für die letzten Jahre: von 2008 auf 2009 gab es im Burgenland ein Nächtigungsplus von 54.132,davon hatten die neuen Hotels in Parndorf und Frauenkirchen, die sicher in Eigeninitiative ihre Gäste gewannen, +25.792, bleibt ein Plus von 28.340 Nächtigungen. Selbst wenn diese alle dem Haydnjahr zugerechnet würden, wäre das zu wenig für die Sonderzuschüsse, die dafür kassiert wurden. – Von 2009 auf 2010 gab es einen Nächtigungszuwachs von 44.050 insgesamt, aber Parndorf und Frauenkirchen allein hatten einen Zuwachs von 73.022 Nächtigungen. Demnach wurden ohne diese neuen Hotels 28.972 Nächtigungen verloren. Wo sind also die Erfolge der letzten Jahre, die weitergeführt werden sollen?

Es heißt weiter: „Die Einnahmen sollen tourismusfördernden Maßnahmen zugute kommen und es ermöglichen, dass auch in Zukunft national und international die Dachmarke Burgenland noch mehr gestärkt werden kann.“

Wischewasche. Welche „tourismusfördernden Maßnahmen“ sind das? Wenn ein Handwerker von mir einen bestimmten Geldbetrag verlangt, dann sagt er mir genau, was er dafür leistet. Ich kenne keinen Hotelier, der sich gegen eine Bezahlung weigert, wenn ihm konkret gesagt wird, was ihm dafür geboten wird. Gerade die Hotels, die das meiste zu bezahlen hätten, schaffen ihre Erfolge durch Eigeninitiative und verlassen sich nicht auf nebulose „tourismusfördernde Maßnahmen“ eines Verbandes.

Es heißt weiter: Für 2011 sind deshalb mehr als 300 Marketingaktivitäten auf rund 10 Märkten geplant.“

Heraus mit den Fakten. Um welche Aktivitäten und um welche Märkte handelt es sich da? Wenn Sie diese einigen führenden Hoteliers vorlegen, dann können Sie wahrscheinlich alle Nullen darin streichen. Ein typisches Beispiel: 2008 warf ich in einem Rundschreiben dem Landestourismusverband vor, daß unsere Tourismusbetriebe immer noch nicht wissen, wie für das Haydnjahr 2009 geworben wird, wie sie mitmachen und worauf sie sich einstellen können. Daraufhin wurde Herr Gucher von höherer Stelle veranlaßt, mich einzuladen und mich zu informieren. Er empfing mich, legte mir einen prallgefüllten Ordner mit der Bemerkung vor, das seien alles Planungen für das Haydnjahr – und begann zu reden. Nach einigen Minuten griff ich zum Ordner, er unterbrach, zog den Ordner zu sich und bemerkte: „Das ist alles noch geheim.“ – Und das Monate vor Beginn des Haydnjahres. – Ich ging. – Bis heute haben manche Zuständige noch nicht begriffen, welch Riesenflop das Haydnjahr für den Tourismus war. Viel größer in der Relation als der Flop bei den Segelweltmeisterschaften.

Es heißt weiter: „Bei dem im Burgenland erhobenen durchschnittlichen Nächtigungsaufwand des Gastes von rund 43 Euro bedeutet die Anhebung der Ortstaxe eine Erhöhung von lediglicht 1,4 % auf 43,60 Euro.“

Interessant, wie hier mit dem Prozentsatz heruntergespielt wird. Warum heißt es hier nicht, dass die Erhöhung der Ortstaxe von 0.90 € auf 1,50 € ja nur 66,66 % beträgt. Für wie dumm werden die burgenländischen Zimmervermieter gehalten?

Zum Schluß heißt es: „Burgenland Tourismus setzt mit den zusätzlichen Mitteln auch Werbeaktivitäten, die den burgenländischen Betrieben zugute kommen; von den Investitionen in qualitätsverbessernde Maßnahmen profitiert nicht zuletzt auch der Gast. – Selbstverständlich ist dabei auch für den Burgenland Tourismus, dass diese Mittel in Marketingmaßnahmen fließen müssen, welche inhaltlich qualitativ hochwertig und gezielt sind. Es ist klar, dass Qualität ihren Preis hat, aber letztlich hat alles andere beim Konsumenten und bei den Multiplikatoren am Markt keinen Erfolg und erzielt kein Ergebnis.“

Bitte, erlassen Sie mir einen Kommentar zu diesen Floskeln. Glaubt der Schreiber wirklich, daß er damit die burgenländische Hotellerie „einwickeln“ kann? Oder will er mit diesen Sätzen ohne konkreten Inhalt seine Vorgesetzten beeindrucken? Ich kann mir mit bestem Willen nicht vorstellen, dass unsere zuständigen Politiker mit solchen Nichtargumenten über unsere Hotellerie und Zimmervermieter drüberfahren.