Weinbarone kämpfen ums Mittelburgenland

Das Burgenland ist 143 km lang und 85 km breit. Im Norden flach, im Süden hügelig. Dazwischen eingeklemmt das Mittelburgenland. Findige Köpfe ließen sich für diesen Landstrich 1988 den Namen „Blaufränkischland“  einfallen.  Dieser Name ließ sich auch leichter touristisch vermarkten; sieht auf den bunten Prospekten schick aus; dient als Wegweiser in die vorzügliche Weinregion.

Aber das ist Schnee von gestern. In Zukunft soll das „Mittelburgenland“ unter der touristischen Dachmarke „Südburgenland“ laufen. Das schmeckt vor allem den Weinbaronen aus Deutschkreutz, Neckenmarkt und Horitschon so gar nicht. Denn hier werden die besten Rotweine aus blaufränkischen Trauben gekeltert. Vor 4 Jahren entschloss man sich die Weine unter der Marke „Mittelburgenland DAC“ zu verkaufen. Obmann Walter Kirnbauer dazu: „Pro Jahr verkaufen wir 1,6 Millionen Flaschen, das ist für das kleine Gebiet mit 2.110 Hektar sehr viel. Man kann nicht sagen, es gibt kein Mittelburgenland. Die Mitte ist das Herz.“

Egal, es geht wie so oft im Burgenland nur um den Wein. Das drumherum scheint gar nicht zu interessieren. Kleinode pflegen. Dörfer herausputzen. Das haben die „Weinbarone“ schon vor Jahren „zu den Akten“ gelegt. Was wurde aus der Ruine Landsee, dem vulkanischen Pauliberg, den Korbflechtern in Piringsdorf?

Gäbe es da nicht das Schloss Deutschkreutz – in Privatbesitz, das Lisztzentrum in Raiding, die Schloss-Spiele in Kobersdorf, die Draisinentour und die Sonnentherme in Lutzmannsburg, die den Urlaubsgast anlocken, wäre das Mittelburgenland – Sonnenland, Blaufränkischland oder wie immer es genannt wird – schon längst seinen Namen los.  Zu viel Wein, zu wenige hübsche Besuchermagnete.

Vielleicht wäre es gescheiter, man bewirbt das „Burgenland“ überhaupt einheitlich. Bei einer Fläche von 3.961 qkm und 283.954 Einwohnern sollte dies doch möglich sein!

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